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Wuppertal: Anlieger wollen Kameras am Loh

Nordbahntrasse : Anlieger wollen Kameras am Loh

Firmen an der Nordbahntrasse berichten von Sachbeschädigungen und Müll. Um das einzuschränken, möchten sie den Einsatz von Kameras diskutieren.

Bei der Firma Bergchemie am Bahnhof Loh fliegen immer wieder Steine oder Flaschen über den Zaun. Und die werden spätestens dann gefährlich, wenn der Rasenmäher drüberfährt. „Die werden zu Geschossen“, berichtet Andreas Wolter, Prokurist bei der Firma. Zuletzt sei durch einen aufgewirbelten Stein eine Autoscheibe zu Bruch gegangen. „Zum Glück stand dort keiner der Mitarbeiter“, sagt er. „Der hätte tot sein können“.

Für Wolter ist ein Problem, was auf der Trasse passiert, was von dort herüberkommt. Vom Bahnsteig am Bahnhof Loh. Wolter hat sich nach dem Bericht über die Kameras an der Schwarzbachtrasse an die Wuppertalbewegung gewandt, an Carsten Gerhardt, und gefragt, ob es nicht möglich sei, dort auch Kameras anzubringen.

Gerhardt sagte schon der WZ, dass, wenn die Kameras an der Schwarzbachtrasse sich als nützlich erweisen sollten, er denkt, man solle sie auch für die Nordbahntrasse diskutieren. Schon jetzt habe man Probleme mit Vandalismus, zumindest an abgelegeneren Orten.

Im öffentlichen Raum ist das allerdings nicht möglich. Für die Stadt ohnehin nicht, wie Carten Vorsich, Leiter des Ordnungsamts, unterstreicht. Das untersagt das Datenschutzgesetz. Und für die Polizei nur in ganz eng gefasstem Rahmen. Etwa wenn ein Ort zum kriminogenen Ort erklärt wird - also zum kriminellen Schwerpunkt.

Das ist die Trasse nicht. Die Polizei meldet seit Anfang des Jahres zwei Raubdelikte. Dazu drei Sachbeschädigungen seit Februar. Für eine Straße der Länge und mit derart viel Betrieb sei das nicht viel, sagt Sprecher Jan Battenberg.

Für die Behörden ist die
Trasse kein Problemfall

Auch Vorsich vom Ordnungsamt sagt, es gebe nur wenige Einsätze dort – vor allem im Verhältnis zur Nutzung. Für Polizei und Ordnungsamt ist die Trasse kein Problemfall.

Die Wahrnehmung Betroffener ist aber eine andere. Für Wolter gehen die Schäden nach eigenen Angaben mittlerweile beinahe in den sechsstelligen Bereich. Wolter sagt neben den Steinen und Flaschen, die auch den Trecker schon zwei Mal kaputt gemacht hätten, würde der Zaun immer wieder beschädigt – die Plane und Paneele, die dort angebracht war und sind. „Wir wissen nicht, was wir machen sollen“, sagt er. „Ich bin eigentlich nicht für Kameras, aber wie soll ich das Gelände sonst schützen?“

Auch Jan-Peter Seewald von der Firma „Frucht-Kiste“ am Bahnhof Loh kennt das Problem. Bei ihm sei mehrfach eingebrochen worden und es gebe immer wieder Graffiti. Auch er betont, es sollte nicht überall Kameras geben, „nicht wie in China“, aber man müsse doch sein Gut schützen können. Und Kameras seien doch eine mögliche Hilfe dabei.

Damit stoßen die beiden auf Verständnis, auch bei nicht Betroffenen. Ein Stück weiter die Trasse herunter Richtung Barmen sitzt die Firma Holzrichter. Hier gebe es die Probleme nicht, sagt Andreas Hölschen, Verwaltungsleiter der Firma. Aber dort gibt es auch keinen Bahnsteig an dem Menschen sitzen würden. Zudem, sagt Hölschen, sei der Zaun mit Brombeeren bewachsen. Wer sich dort an den Zaun wage, „der tut sich weh“. Auch ohne eigene Betroffenheit, versteht Hölschen das Bedürfnis nach einer Kamera an bestimmten Punkten.

Ebenso geht es Arndt Wilmanns vom Bahnhof Blo in Elberfeld. Müll gebe es dort mal geringfügig, wenig Graffiti, „ab und an ist mal eine Scheibe eingeschlagen“, sagt er. Aber unter der Grenze, die er für bedenklich hält. „Ich bin fast überrascht, aber bei uns ist Vandalismus kein Thema“. Aber auch er sagt, dass er ab einer gewissen Schwelle den Wunsch nach einer Kamera verstehen kann.

Ebenso sieht es Christel Simon, Bezirksbürgermeisterin von Oberbarmen. Sie weiß von Problemen mit Jugendlichen, die laut seien und Müll hinterließen am Bergischen Plateau, an der Breslauer Straße oder am Wichlinghauser Bahnhof. An der Kapelle des Wichernhauses habe es immer wieder Beschädigungen gegeben. „Ich bin nicht gegen Kameras“, sagt sie, „wenn man sie sieht, und wenn es Problemplätze sind“, sagt sie. Gleichwohl weiß sie: Bei Lärm oder Müll sind sie nicht angebracht, brächten auch nichts.

Für Wolter ist das Problem: eine Kamera auf seinem Grundstück, die den öffentlichen Raum nicht filmen darf, würde nicht zeigen, wer von außen Steine oder Flaschen wirft. Er wünscht sich zumindest mehr Präsenz der Behörden, damit sich etwas ändert. Dabei kontrolliert die Polizei - auch nachts. Und das Ordnungsamt mehrfach täglich.

Aber damit das Problem erkannt werden kann, müsste es der Polizei auch angezeigt werden. Das habe Wolter bisher nur einmal getan. Ohne Erfolg. Und es dann sein lassen.