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Wuppertal: Angehörige kritisieren Zustand der Urnengräber

Friedhof in Wuppertal : Verwahrlost und verwüstet: „Der Umgang mit Urnengräbern ist respektlos“

Namensplaketten der Urnengrabfelder auf dem Friedhof an der Wuppertaler Hochstraße seien alle zerkratzt. Blumen würden sofort abgeräumt.

Jutta Gotzhein aus Lübeck fährt schweres Geschütz auf: „Eine Schande für Wuppertal” und „Schändung der Würde der Toten“ heißt es unter anderem in ihrer E-Mail an die WZ, in der sie den „nachlässigen Umgang“ mit den Urnengräbern ihrer Mutter und ihres Anfang 2018 bestatteten Bruders auf dem Reformierten Friedhof an der Hochstraße anprangert.

Jutta Gotzhein bemängelt unter anderem, dass auf den Gräbern abgestellte Blumen und Grablichter bereits nach wenigen Tagen abgeräumt würden, was eine Grabpflege unmöglich mache. Zudem werde das Urnenfeld offenbar maschinell gemäht, wodurch die Namens-Plaketten zerkratzt würden und tiefe Furchen entstünden. Gleichfalls führte Jutta Gotzheim an, dass kein Rasen eingesät und die Gräber von Unkraut überwuchert würden. „Dieser nachlässige Umgang mit den Urnengräbern ist nicht nur respektlos gegenüber den Verstorbenen und beraubt diese ihrer Würde. Es ist unerträglich für Familienmitglieder, die Gräber ihrer Angehörigen derart verwahrlost und verwüstet vorzufinden“, heißt es weiterhin, und dass die Urnengräber schon kurz nach der Bestattung im Zustand „umgepflügter Äcker“ seien.

Die Angehörige aus Lübeck, die die Gräber ihrer verstorbenen Verwandten in Wuppertal nach eigenen Angaben regelmäßig besucht, weist darauf hin, dass die Urnengräber für die Dauer von 20 Jahren gekauft und beim Kauf voll bezahlt worden seien. „Was macht die Friedhofsverwaltung mit dem für die Urnengräber bezahlten Geld?“, lautet ihre Frage.

In der Friedhofssatzung ist alles bis ins Detail geregelt

Die WZ hat Werner Drögemeier, den Inhaber des mit der Grabpflege, dem Bestattungswesen und der Bewirtschaftung des Friedhofes betrauten Unternehmens „Gartenbau Werner Drögemeier GmbH & Co.KG“ mit den Vorwürfen konfrontiert und einen Ortstermin auf dem Reformierten Friedhof an der Hochstraße vereinbart. Drögemeier nahm ausführlich Stellung und verwies dabei auf die Friedhofssatzung, in der es unter anderem heißt: „Die Anlage und Unterhaltung erfolgt für die Dauer der Ruhezeit durch den Gemeindeverband. Der Gemeindeverband legt auf jede Grabstätte eine einheitliche Grabplatte. Als Inschrift werden Vor- und Nachname sowie Geburts- und Sterbedatum der Verstorbenen aufgenommen.“ Was die individuelle Grabpflege angeht, sagt die Satzung: „Ein Anspruch, die Grabstätte individuell zu pflegen und zu gestalten sowie Grabschmuck darauf abzulegen, besteht nicht.“

Drögemeier zeigte auf eine extra ausgewiesene Fläche unweit der „Urnen-Rasen-Reihengräber“, so die offizielle Bezeichnung, auf denen von anderen Angehörigen Blumen, Gestecke und Grablichter abgelegt worden sind und bestätigt dabei die Aussage von Jutta Gotzhein, nach der Grabschmuck auf den Urnengräbern vor jeder „Unterhaltungsmaßnahme“ wie das Mähen von Grün rund um die Grabplatten, abgeräumt werde. Er räumt aber ein, dass man an den stillen Feiertagen im November auch individuellen Grabschmuck stehenlasse. „Das Mähen geschieht übrigens mit einem Handmähgerät“, so Drögemeier. Er bestreitet, dass kein Rasen eingesät worden sei. „Das Urnengrab liegt an einer besonders schattigen Stelle, an der trotz regelmäßigen Einsäens kaum Gras wächst“, lautet seine Erklärung für den kargen Bewuchs an diesem Platz.

Drögemeiers Erklärung für die Vorwürfe der Hinterbliebenen der auf dem altehrwürdigen Friedhof in Urnengräbern bestatteten verstorbenen Familienmitglieder: „Die Angehörigen kennen bei Vertragsabschluss nicht die Bedingungen, die für diese Reihengrabgemeinschaftsgrabstätten gelten.“