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Wuppertal: Andreas Mucke und Uwe Schneidewind ziehen in den Zweikampf

Kommunalwahl : Aus dem Siebenkampf wird ein Zweikampf

Im Interview mit der WZ sprechen Uwe Schneidewind und Andreas Mucke über ihre Pläne, sollten sie am 27. September zum Oberbürgermeister gewählt werden.

Herr Schneidewind, wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt? Haben Sie sich zwischendurch gedacht, wäre ich mal lieber nach Berlin gegangen, oder nach Brüssel?

Uwe Schneidewind: Nein. Der Wahlkampf war ja schon so ein solch tiefes Eintauchen in die Stadt, die Menschen, die Engagierten dieser Stadt - das hat mit jedem Tag mehr Spaß gemacht. Das war wichtiges Aufbauen von zusätzlichen Netzwerken und Verbindungen, die wenn es zu einer Wahl kommen sollte, ganz wichtiges Kapital sind.

Herr Mucke, die Situation ist für Sie nicht ganz neu. 2015 sind Sie gegen Peter Jung, den Oberbürgermeister der CDU, angetreten. Im zweiten Wahlgang haben Sie dann mit mehr als 59 Prozent gewonnen. Das Ergebnis jetzt schreckt Sie also nicht?

Andreas Mucke: Überhaupt nicht. Aber es ist ja klar, dass, wenn sich zwei große Parteien zusammenschließen und einen renommierten Wissenschaftler aufstellen, es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt. Das macht es auch spannend.

Das ist natürlich unter Corona-Bedingungen schwieriger als es früher war. Vor allem der Haustürwahlkampf, das Klinkenputzen. Herr Schneidewind, Sie waren einem bestimmten Kreis von Wuppertalern bekannt durch das Wuppertal Institut, aber vielen Wuppertalern auch nicht. Daran haben Sie in den vergangenen Monaten gearbeitet. Was werden Sie in den kommenden 14 Tagen noch tun müssen?

Schneidewind: Es geht nicht mehr um den Bekanntheitsnachteil. Es geht vielmehr um die Frage, welchen Typus von Oberbürgermeister möchten die Wuppertaler.

Aber wenn man sich das Ergebnis ansieht, hat die CDU 24 Prozent, haben die Grünen 19 Prozent. Das sind 43 Prozent. Sie haben 40 Prozent. Da ist das Potential noch nicht ausgeschöpft. Wie wollen Sie die Lücke schließen?

Schneidewind: Wir hatten mit einer größeren Lücke gerechnet, weil das natürlich für CDU und Grüne gar nicht leicht war, sich auf dieses Bündnis einzulassen. Aber in dem Prozess hat das eine produktive Dynamik entwickelt. Und wenn wir uns die Ratszusammensetzung anschauen, wo man Brückenbau über die Lager betreibt, ist das, was uns gelungen ist, eine hervorragende Voraussetzung dafür, künftig jenseits der klassischen ideologischen Gräben Politik für Wuppertal zu machen.

Normalerweise hat ein Oberbürgermeister einen Amtsbonus. Die SPD hat aber überraschend gut abgeschnitten. Hätte Ihr Ergebnis nicht noch besser ausfallen müssen?

Mucke: Ich habe acht Prozent mehr als die Partei, das sind auch Wähler, die nicht die SPD gewählt haben. Und wir hatten ja auch sieben Kandidatinnen und Kandidaten - da ist es doch klar, dass sich die Stimmen verteilen. Und die SPD hat ein richtig gutes Ergebnis hingelegt mit fast 29 Prozent.

In der ersten Runde geht es um Parteien und Kandidaten. Jetzt verdichtet sich der Wahlkampf auf zwei Personen, die mit Inhalten aufwarten müssen. Was sind die wichtigsten Punkte von Andreas Mucke?

Mucke: Soziale Gerechtigkeit ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Das verbinde ich mit dem Thema Bildung. Also: Verbesserung des Schulsystems, Kita-Betreuung. Aber auch das Thema Nachhaltigkeit. Da liegt der Fokus nicht nur auf Umweltschutz, sondern auch auf Teilhabe. Menschen müssen sich Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Verkehrswende leisten können.

Jetzt ist die SPD im Stadtrat aber gerade was Verkehrswende angeht nicht immer mit Sieben-Meilen-Stiefeln unterwegs.

Mucke: Die Mehrheit muss man sich suchen für die Punkte, die man umsetzen will, und da gilt es auch, mit der eigenen Partei zu diskutieren.

Was ist unter Uwe Schneidewind gute Politik für Wuppertal?

Schneidewind: Gerade nach der Corona-Krise ist es essentiell, dass wir eine andere wirtschaftliche Dynamik nach Wuppertal bekommen. Angesichts unserer Finanzsituation brauchen wir das Vertrauen von Unternehmen und Investoren, damit wir überhaupt ökonomische Möglichkeiten entwickeln. Wenn man das vorantreiben will, sind zwei Punkte wichtig: Das ist eng zu verbinden mit den Zukunftsthemen, die vor uns stehen. Darum sind solche Dinge wie Kreislaufwirtschaft und der Umbau zu einer klimagerechten Stadt Themen, die ich mit einer klaren wirtschaftlichen Perspektive verbinden kann. Und zum anderen braucht es einen Oberbürgermeister, der glaubwürdig Brücken bauen kann in die Wirtschaft, der eine Ausstrahlung hat, dass auch Investoren von außerhalb an den Standort glauben.

Wir haben hohe Gewerbesteuern, wenige Flächen, es gibt im Grunde kein Konzept, was Wuppertal darstellen soll.

Schneidewind: Das zentrale ist ja, dass ich die Art und Weise wie Wuppertal wahrgenommen wird, in massiver Form verändere. Ich habe viele Gespräche mit Unternehmen geführt. Die Hauptherausforderung ist, wie bekomme ich qualifizierten Nachwuchs, der Angebote in Berlin und München hat und fragt: Warum nach Wuppertal gehen? Darum ist es extrem wichtig, dass auch über die Person des Oberbürgermeisters klar ist, was in dieser Stadt geht. Wir haben im Wahlkampf gemerkt, welche Aufmerksamkeit wir bekommen haben, dafür, dass sich schwarz und grün trauen, mit mir als einem Kandidaten, der aus dem klassischen Muster herausfällt. Man guckt derzeit auf Wuppertal. Mit dem Oberbürgermeister Schneidewind und dem, was hier politisch als Projekt unterwegs ist, hat man eine ganz andere Möglichkeit, das Wuppertal-Bild zu drehen und die Potenziale darzustellen.

Wir haben 20 000 Arbeitslose, eine Infrastruktur, die nichts taugt, in der Digitalisierung geben wir uns Mühe, die aber nicht richtig tritt. Da muss ja etwas konkret geschehen. Was soll passieren?

Mucke: Wir brauchen Flächen, am besten solche, die schon benutzt werden. Wir müssen die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit der Uni besser verzahnen. Und vielleicht, wenn es die Kassenlage erlaubt, auch mal die Gewerbesteuer senken, um zu zeigen, da geht auch was in die andere Richtung.

Schneidewind: Drei konkrete Punkte: In fünf Jahren bin ich sicher, dass wir das Circular Valley der Wuppertalbewegung aufgesetzt haben und der Oberbürgermeister Schneidewind eine zentrale Rolle dabei gespielt hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Frage der Innenstädte in Elberfeld und Barmen völlig neu denken, weil wir endlich anschließen an das, was deutschland- und europaweit an neuer Innenstadtgestaltung läuft. Und ich bin guter Zuversicht, dass wir eine Verwaltung haben werden, die viel dienstleistungsorientierter wahrgenommen wird als sie es derzeit wird, weil sie unter einer sehr viel klareren Führung steht.