Wuppertal: 140 Jahre Hottensteiner Kirche

Kirchenjubiläum : 140 Jahre: Hottenstein feiert seine Kirche

Gleich mehrere Jubiläen werden ab 30. Juni mit einer großen Festwoche im Stadtteil gefeiert.

. Ob Königin Silvia den Brief aus Nächstebreck schon gelesen hat? In Schweden angekommen sein sollte er zumindest, wie Claudia Bieringer vom Förderverein Hottenstein-Kirche gut gelaunt erzählt: „Wir wollten Ihre Königliche Hoheit darüber informieren, dass bei uns in Nächstebreck wieder ein Jubiläum ansteht und haben ihr deshalb geschrieben.“

Warum die Monarchin deutscher Herkunft die kommende Festwoche zum 140. Bestehen des Gotteshauses im Wuppertaler Osten interessieren könnte, liegt auf der Hand: Sie war vor 31 Jahren nämlich Trauzeugin einer Hochzeit im Stadtteil und ist die wohl prominenteste Besucherin, die die Wittener Straße je hatte. Es war der 2. Juli 1988, als Jörg Thomas Sommerlath de Toledo und Susanne Händeler sich in der Kirche Hottenstein das Ja-Wort gaben und die Königin zusammen mit ihrem Ehemann König Carl XVI. Gustav und ihren Kindern an die Wittener Straße gekommen war – mit dabei auch Thronfolgerin Victoria. Ein offenbar zwangloser, freundlicher Besuch mit unaufgeregtem Kontakt zu den Bürgern, wie zahlreiche Fotos und sogar bewegte Bilder dokumentieren. „Den Film von damals wollen wir möglicherweise auch wieder zeigen“, sagt Claudia Bieringer.

Sie gehört zum Organisationsteam des Fests, das übernächste Woche ansteht. Denn gleich mehrere Jubiläen gilt es in diesem Jahr in Hottenstein zu feiern: 1879 – also vor 140 Jahren – wurde das Gotteshaus eingeweiht, und die Nächstebrecker hatten endlich ihre eigene Kirche. Dieser wichtige Schritt wurde vor mehr als 50 Jahren in einer Festschrift zur damaligen Renovierung der Kirche so beschrieben: „Der erste Entschluß zur Bildung einer selbständigen Kirchengemeinde Nächstebreck wurde am 14. November 1851 von einer Anzahl Männer im Hause des Friedrich Söhngen“ gefasst, heißt es im Gemeindegruß aus dem Jahr 1966. „Mancherlei Widerstände, auch von Seiten der Muttergemeinde Schwelm, mussten überwunden werden bis im Jahre 1877 die Urkunde über die Errichtung der ,Ev. Luth. Gemeinde Nächstebreck’ ausgestellt wurde. Bis dahin gingen die Nächstebrecker über den Krähenberg nach Schwelm zur Kirche; ein weiter und beschwerlicher Weg, über den auch die Toten zu ihrer letzten Ruhestätte auf dem Schwelmer Friedhof gebracht werden mussten.“

Die Kirche Hottenstein an der Wittener Straße 148. Foto: Schwartz, Anna (as)

Vor 30 Jahren kam das Gebäude auf die Denkmalliste

Am 12. Mai 1879 erteilten Pfarrer Wilhelm Pake und das Presbyterium dem Wichlinghauser Unternehmen Carl Krahden den Bauauftrag für die Hottensteiner Kirche. Unter Leitung von Architekt Heinrich Bramesfeld gingen die Arbeiten im Verlauf des Jahres zügig voran, und so konnte schon am 17. Dezember 1879 die Kirche eingeweiht werden.

Viele Jahrzehnte später gibt es immer noch eine aktive Gemeinde. Und auch der Stadt Wuppertal ist die Kirche Hottenstein lieb und wert, weswegen dem Gebäude vor 30 Jahren ein Eintrag in die Denkmalliste zuteil wurde – ein weiterer Grund zu feiern: „Die gute Qualität der Architektur und des Dekors macht das Gebäude zu einem seltenen Beispiel des bergischen Kirchenbaus“, heißt es in der Begründung des Denkmalamtes zum Objekt mit der Nummer 1660.

Die Vorbereitungen für die Festwoche laufen derweil bereits auf Hochtouren. Seit dem vergangenen Jahr ist die aktive Schar mit der Planung beschäftigt: „Wir sind ein gutes Team, und wir freuen uns natürlich schon sehr“, sagt Claudia Bieringer. Sie ist die Vorsitzende des Fördervereins Hottenstein-Kirche, dessen Urspung ins Jahr 2004 zurückreicht. Seither tragen viele ehrenamtliche Mitglieder zum Erhalt des Kirchengebäudes durch Spenden, Engagement und Veranstaltungen bei.

Eine ganze Woche lang wird das Jubiläum ab dem 30. Juni im Stadtteil gefeiert. Geplant ist unter anderem eine große Ausstellung mit zahlreichen historischen Fotos, Dokumenten, Alben, Handschriften und Bibeln. Mit Erinnerungen zahlreicher Familien, zusammengetragen aus Sammlungen engagierter Nächstebrecker: „Insbesondere Helmut Oberbossel, der ja praktisch neben der Kirche aufgewachsen ist, und Inge Kuhlmann ist es zu verdanken, dass wir zum Jubiläum diese umfangreiche Ausstellung präsentieren können“, sagt Bieringer. „Die beiden haben einen unglaublichen Fundus, kennen fast jeden vor Ort und viele Anekdoten - sie sind im Grunde genommen die Kirche da oben.“

Und noch ein Jubiläum gibt es in Hottenstein: Am 18. September 1949 wurden die beiden Glocken der Kirche geweiht. In 22 Metern Höhe waren sie aufgehängt worden und bekamen die Namen „Friede“ und „Freude“. „Für die Gemeinde wirklich ein Tag voller Friede und Freude vor Gott, wie es die Glocken mit ihrem Namen kunden wollen“, hieß es dazu seinerzeit.

Eigentlich also genügend Anlässe für einen Besuch in Nächstebreck. Wer weiß, vielleicht hat Königin Silvia ja noch Zeit, die Ankündigung zur Kenntnis zu nehmen. Kommen wird sie wohl nicht. Aber vielleicht schreibt sie ja ein Grußwort...

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