Wuppertal: 100 Golfplätze in nur einem Raum

Golf : 100 Golfplätze in nur einem Raum

Auf der Indoor-Golfanlage von Marcus Odendahl können Besucher virtuell auf den schönsten Plätzen der Welt spielen.

Vor mir liegt das erste Loch des Troon-North-Golf-Platzes in Arizona. Eine schöne Wüsten-Anlage, die jeden ungenauen Schlag mit einem Ausflug zu Sand und Kakteen bestraft. Während ich meine Konzentration für den Abschlag sammele, höre ich den Wind pfeifen und einen Vogel zwitschern. Ich lasse mein Holz 5 auf den Ball donnern, so dass dieser mit Topspeed seine Reise antritt. Die endet zunächst nach 3 Meter 80 an einer Leinwand. Von dort geht es virtuell weiter. Ich sehe den Ball durch den blauen Himmel von Arizona fliegen. Leider dreht er etwas nach links ab. Nur wenige Sekunden später weiß ich auch, warum: Ich habe das Schlägerblatt beim Aufschlag schief gehalten. Trotzdem hatte der Ball fast 200 Stundenkilometer drauf und legte mehr als 160 Meter zurück. Das sagt mir die Statistik, die sich jetzt über die Golfplatz-Illusion legt.

Eine simulierte Partie auf einem
Platz mit 500 Dollar-Greenfee

Ich bin in Ronsdorf, im Indoor-Golf Loft von Marcus Odendahl. Die Anlage hat im vergangenen Herbst ihren Betrieb aufgenommen und richtet sich an Golf-Anfänger und -Profis gleichermaßen. Über die Leinwand holt Odendahl einmalige Golfplätze wie die berühmte Anlage in Pebble-Beach (Kalifornien) oder die diversen Fairways aus Hawaii nach Ronsdorf. Zwar ist das Golf-Erlebnis nur simuliert, aber der sportliche Aspekt ist echt - dadurch, dass die Technik heute so weit ist. Drei Hochleistungskameras mit 3300 Bildern pro Sekunde erfassen die Bewegungen des Golfers und die Flugbahn des Balles genau. Odendahl, der selbst ein erfahrener Spieler ist, sagt: „100 Prozent ist nur draußen. Aber man kommt hier verdammt nah dran.“

Klar: Der Spaziergang über den Platz fällt weg und der Geruch des Rasens fehlt. Aber das Golfen in einem der zwei 50 Quadratmeter großen Räumen hat auch so seine Vorteile. Die Besucher dürfen aus 100 Golfplätzen wählen, auf die sie normalerweise nie einen Fuß setzen würden. Pebble Beach etwa gilt als einer der schönsten Golfplätze der Welt - und auch die Greenfee-Gebühr ist berüchtigt. „Da zahlt man mehr als 500 Dollar pro Runde. Wenn man überhaupt drauf kommt.“ In Ronsdorf an der Rosenthalstraße 12 kostet der Golfgenuss hingegen stündlich 40 Euro im Winter und 27 Euro im Sommer. Zudem gibt es Sonderaktionen mit günstigeren Konditionen.

Gerade wenn es draußen ungemütlich ist, lässt es sich nämlich im Warmen bei einer Tasse Kaffee und ohne Kleidungszwang auch ganz gut trainieren. Gast Rolf Brocks ist ein fortgeschrittener Spieler mit einem Handicap von 10,8 und sagt: „Die Anlage bietet die Möglichkeit, Fehler zu entdecken und zu verbessern. Man findet immer irgendetwas.“ Das kann Profis schon einmal einschüchtern, weiß Odendahl. Denn die Maschine ist nicht zimperlich, spuckt alle Ungenauigkeiten zur sofortigen Analyse aus. Und ob der Ball wirklich 300 Meter weit geflogen ist, verrät der Computer ohne Schönfärberei. „Das kann schon brutal sein“, sagt Marc Odendahl, der auch Tennislehrer ist. Gleichzeitig können sich im Golf-Inn auch Anfänger austoben, die vielleicht das erste Mal einen Schläger in der Hand haben. Schließlich stört es niemanden, wenn der Ball in Richtung Clubhaus fliegt.

Die Anlage könnte schon bald
auf 3D aufgerüstet werden

Für den 50-jährigen Mettmanner ist das Geschäft mit dem virtuellen Golf eine nette Abwechslung zu seinem Büro-Job. Eigentlich ist er Gesellschafter der Cosa Werbeagentur, die an der gleichen Adresse seit 1997 ansässig ist. Für die nahe Zukunft seines Lofts hat er auch schon Pläne: Eventuell möchte Odendahl die 3D-Technik nutzen. Die Voraussetzungen seien schon geschaffen, nun warte er darauf, wie sich der Hersteller in diesem Jahr mit der neuen Technik präsentiert. Wenn ihn das 3D-Golfen überzeugt, machen in Ronsdorf vielleicht schon bald die Ersten Abschläge mit Spezial-Brille.