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Wupperpaten: „Nicht nur reden, sondern machen“

Wuppertal : „Neue Ufer“ will mehr Unterstützung

Der Verein ist stolz auf die Helfer wie den zwölfjährigen Benedikt Homeier — wünscht sich aber mehr Wertschätzung generell und speziell von der Stadt.

Wer im Bereich zwischen Robert-Daum-Platz und Moritzbrücke unterwegs ist, wird hin und wieder einen Jungen in der Wupper stehen sehen. Aber keine Angst, der macht das freiwillig. Benedikt Homeier ist Wupperpate am Arrenberg — und mit zwölf Jahren wohl der jüngste Helfer des Vereins Neue Ufer, die sich um den Fluss kümmern.

Müll einsammeln, Präsenz zeigen, Leute ansprechen, die sich fehlverhalten oder andere Stellen wie das Ordnungsamt einschalten, wenn es Probleme rund um die Wupper gibt – die Aufgaben der Paten sind vielfältig. Und deren Engagement eigentlich nicht hoch genug zu loben, ist Dajana Meier, Vorsitzende des Vereins, stolz. Gut 20 Paten gibt es, wobei das Familien, Firmen, aber auch bekannte Namen wie Ernst-Andreas Ziegler sein können, der sich zum Beispiel um die Wupper im Bereich „seiner“ Junior-Uni kümmert. „Insgesamt sind es wohl um die 60 Personen“, schätzt Meier, die sich weiteren Zuwachs wünscht.

Neben Lob gibt es auch unschöne Situationen für Wupperpaten

Auch Benedikt ist nicht allein unterwegs. Mutter Anja Pieritz und Bruder Konstantin helfen ebenfalls. „Er ist aber schon der Fleißigste“, sagt sie schmunzelnd. Das Engagement ihres Sohnes finde sie super. Frei nach dem Motto: „Nicht immer nur reden, sondern handeln.“

Meier wirbt um weitere Paten — und für mehr Wertschätzung. Denn in der Vergangenheit gab es neben viel Lob einige unschöne Situationen für sie. Pöbeleien mussten sie schon ertragen, ein Helfer bekam sogar mal eine Flasche an den Kopf geworfen. Dabei ist der Alkoholkonsum an der Wupper eigentlich verboten. „Und ich hatte die Leute nur darauf hingewiesen, dass sie ihren Müll aufheben möchten“, erzählt der Mann, der seinen Wupperbereich samt angrenzendem Spielplatz pflegt, der WZ. Die Folge: Seitdem traue er sich zu bestimmten Zeiten kaum noch auf den Platz. Das Ordnungsamt, sagt er, lasse sich auch nur selten blicken, obwohl nicht nur er, sondern auch andere angemahnt haben, dass sich auf dem Areal des öfteren Leute aufhalten, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Dass die Stadt kaum reagiert habe, so Meier, habe zu einem anderen Vorfall gepasst. Sie hatte die Stadt einmal auf „Dauercamper“ auf der Vogelinsel in der Rutenbeck aufmerksam gemacht. Doch beim Anruf beim Ordnungsamt hätte sie „kaum auf ein gelangweilteres Gegenüber treffen können“, wie sie auch in einer Mail an das Büro von Oberbürgermeister Andreas Mucke schrieb.

Und dann wäre da noch das Dauerthema Islandufer: Dass die Trinkerszene dort vor allem in den Sommermonaten regelmäßig einen Treff hat, ist „Neue Ufer“ ein Dorn im Auge. Zwar ist der Bereich laut Polizei kein Schwerpunkt, was Kriminalität angeht, wie es schon mehrfach in der Vergangenheit auf WZ-Anfrage hieß. Meier und ihre Mitstreiter wünschen sich aber von der Stadt ein Konzept, wie besser mit der Situation dort umgegangen werden kann — bislang vergeblich.

Alles Punkte, die die Arbeit der Wupperpaten mitunter schwierig machen würden, sagt Meier, betont aber, dass dies zum Glück nicht der Regelfall sei. Nachwuchspate Benedikt hat jedenfalls noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Und auch sein Kollege, der Wupper und Spielplatz im Blick hat, hebt hervor, dass gerade Kinder „auf unsere Arbeit anspringen“.

Meier würde sich für die Zukunft in einigen Fällen einfach eine promptere Reaktion der Stadt wünschen. „Wir brauchen keinen Pomp, keine Urkunden oder Einladungen“, sagt sie in ihrer gewohnt direkten Art, mit der sie gerade im Rathaus auch gerne mal aneckt. „Wir brauchen dann Hilfe, wenn wir sie benötigen.“

Die Vorfälle bedauere die Stadt ausdrücklich, sagt Andreas Mucke. „Die Wupperpaten leisten für uns eine wichtige Arbeit.“ An Unterstützung solle es deshalb nicht fehlen, heißt es aus dem Rathaus. Auch das Ordnungsamt werde genauer hinschauen.

Über mangelnde Wertschätzung für seine Trassenpaten will sich Lutz Eßrich von der Wuppertalbewegung dagegen nicht beklagen. Er könne den Ärger bei Dajana Meier zwar verstehen. „Aber wir können uns nicht beklagen.“ Insbesondere von WSW, ESW und AWG komme viel Hilfe. „Das sind unsere größten Unterstützer“, sagt er.