WSW setzen im Busverkehr den Rotstift an

ÖPNV: Wuppertaler Stadtwerke setzen im Busverkehr den Rotstift an

Noch vor zwei Monaten war nur von geringfügigen Anpassungen des Fahrplans die Rede. Jetzt legten die WSW konkrete Zahlen vor - und die haben es in sich.

Mit der Eröffnung des neuen Busbahnhofes am Sonntag, 25. November, ändert sich in Wuppertal nicht nur der Busfahrplan. Mit der Fokussierung des ÖPNV auf den Dreh- und Angelpunkt am neuen Döppersberg ist auch eine Ausdünnung des Angebots verbunden. Noch im September erklärten die Stadtwerke gegenüber der WZ, dass sich der Fahrplan nur an einzelnen Stellen um Minuten verschieben würde. Im Verkehrsausschuss rückte jedoch WSW-Projektleiterin Sabine Schnake mit den wahren Zahlen heraus: „Das Angebot wird um 45.000 Kilometer Fahrtstrecke gekürzt.“

Als Gründe für die Streichung führt WSW mobil den Rückgang bei den Fahrgastzahlen an. Seit der B7-Eröffnung im Juli vergangenen Jahres seien diese laut Schnake um rund ein Prozent gesunken. Das entspreche einem absoluten Verlust von rund 750.000 zahlenden Kunden - bei 89,2 Millionen Fahrgästen in 2017.

Die Politik kritisiert den Rotstift der WSW. Sedat Ugurman, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, fragt: „Welches Signal setzen wir? Mit Eröffnung des Busbahnhofs verbessern wir den ÖPNV nicht - wir kürzen ihn.“ Lorenz Hoffmann-Gaubig, als sachkundiger Bürger im Verkehrsausschuss, stellt fest: „Verknüpfungen zu den S-Bahnen werden zerstört. Das macht den Nahverkehr deutlich unattraktiver.“ Schnake führt an, dass die Streichungen im Verhältnis zum gesamten Angebot marginal seien (Anteil: 0,36 Prozent), räumt aber ein: „Der Bürger, der betroffen ist, ist immer 100-prozentig betroffen.“

Viele Linien fahren nicht
mehr direkt den Wall an

Ein paar Beispiele für die Einsparungen: Verstärkerfahrten der Linie 621 am Samstag entfallen, auf der Linie 640 entfallen früh und spät Fahrten - unter anderem für Ronsdorf, auf der 601 wird die letzte Fahrt nachts gestrichen, die samstäglichen Taktverstärker der Linie 614 entfallen, auf der 625 fallen einige Teilfahrten zwischen Sudberg und Cronenberg Rathaus weg. Lorenz Hoffmann-Gaubig stellte im Verkehrsausschuss die Frage, was eine schlechtere Busanbindung für Vohwinkel mit der Öffnung der B7 zu tun habe.

Kritisiert wurde in der Bezirksvertretung Cronenberg auch, dass viele Busse in die Innenstadt demnächst Endstation am neuen Busbahnhof machen und daher für ältere Menschen der Weg in die Fußgängerzone beschwerlicher wird. Beispiele: Bei dem CE64 von und nach Cronenberg entfallen Wall/Museum und Morianstraße. Ebenso bei den Linien 600, 601, 611, 615, 619, 649, NE1, NE3, NE4, NE6, NE7, NE15, SB68 und CE62. Andere Linien bedienen noch den Wall, so etwa die Linie 612 am neu bezeichneten Bussteig 2 am Haus Fahrenkamp oder die Linie 613 die Haupthaltestelle vor Deichmann.

Im Verkehrsausschuss wurden Stimmen laut, dass die Politik gerne an den Fahrplanänderungen beteiligt worden wäre. Die SPD will eine Aufarbeitung der getroffenen Entscheidungen. Ugurman forderte schriftlich, dass die „Auswirkungen dem Verkehrsausschuss in einer der kommenden Sitzungen ausführlich dargestellt werden“.

Oberbürgermeister Andreas Mucke sagte im Gespräch mit der WZ: „Ich hätte mir eine bessere Kommunikation gewünscht.“ Von Fahrplanstreichungen habe er erst durch die Rückmeldung aus der Bürgerschaft erfahren. „Ich hoffe nicht, dass der Busbahnhof mit Kürzungen im ÖPNV in Verbindung gebracht wird“, so Mucke. Es gelte weiterhin: „Wir brauchen eigentlich mehr öffentlichen Personennahverkehr.“ Klar sei, dass das Geld kosten werde. „Das ist eine Herausforderung der Zukunft.“

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