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WSW halten 15 Prozent an dem Steinkohlekraftwerk

Nachgehakt : Wilhelmshaven: Zukunft der Beteiligung ist offen

Nachgehakt Grüne und CDU sind für Ausstieg der WSW aus Kraftwerk – wenn er nicht schadet.

Die Stadtwerke (WSW) sollen ihre Beteiligung an dem Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven beenden – diese Forderung steht in dem Bündnispapier, auf das sich Grüne und CDU für ihre Zusammenarbeit im Rat geeinigt haben. Allerdings mit einer Einschränkung: „bei gleichzeitiger Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit für die WSW“, heißt es in dem Papier.

Die Frage der Beteiligung hat seit dem Frühjahr einen neuen Hintergrund: Da wurde bekannt, dass der Haupteigner, das französische Energieunternehmen Engie, seine Anteile verkaufen will (die WZ berichtete). Auf WZ-Nachfrage bestätigte das Unternehmen, dass es „sich auf CO2-arme Erzeugungsaktivitäten fokussiert. Je nach lokalem Kontext sowie den wirtschaftlichen und Umweltbedingungen wird Engie ihre Kohlekraftwerke entweder schließen oder veräußern.“

2008 begann der Bau des Kraftwerks bei Wilhelmshaven, 2015 ging es ans Netz. Engie hält 52 Prozent der Anteile, die Schweizer BKW Energie AG 33 Prozent und die Wuppertaler Stadtwerke 15 Prozent. Als modernes Kraftwerk gilt es als besonders effizient. Trotzdem hat es bisher den Stadtwerken Verluste gebracht. Denn der Strompreis liegt zu tief – an der Börse wird der Strom zu Preisen gehandelt, zu denen das Kraftwerk nicht produzieren kann.

Für die Verluste haben die WSW nach eigenen Angaben Rücklagen von 39 Millionen Euro gebildet. Dort erwartet man, dass das Kraftwerk ab Anfang der 2020er Jahre, wenn der Ausstieg aus der Kernkraft abgeschlossen ist und möglicherweise viele alte Kohlekraftwerke geschlossen werden, auf dem Strommarkt mithalten kann.

Klaus Lüdemann kennt diese Prognosen, sieht aber ein Risiko: „Man weiß nicht, ob die Recht haben. Daher wäre es besser, jetzt zu verkaufen.“ Die Grünen plädieren schon lange für einen Ausstieg – aber nicht um jeden Preis. Fraktionschefin Anja Liebert: „Wir wollen die Stadtwerke damit nicht in den Ruin treiben.“ Die Bewertung der Beteiligung hängt auch davon ab, welchen Preis Engie für seine Anteile erzielt. Lüdemann: „Ein geringer Preis würde einen Wertverlust für die Stadtwerke bedeuten.“

Bei der CDU hält man sich völlig bedeckt: „Das muss diskutiert werden“, sagt Fraktionschef Michael Müller. Die Stadtwerke müssten alle Möglichkeiten prüfen.

Und bei den Stadtwerken selbst heißt es: „Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, liegen alle Optionen auf dem Tisch.“