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WSV: Wie hoch sind die Schulden bei Runge?

WSV: Wie hoch sind die Schulden bei Runge?

Ex-Präsident schweigt nach Rücktritt. Kassensturz ist notwendig.

Wuppertal. Wie kann es mit dem WSV nach dem Rücktritt von Friedhelm Runge weitergehen? Gibt es noch die Chance auf einen geordneten Übergang, nachdem der Präsident in seiner Rücktrittserklärung lediglich zugesagt hatte, den WSV bis zum 31. März zu unterstützen? Wie geht Runge mit seinen Dahrlehnsforderungen aus der Vergangenheit um? Wird der Prozess mit dem Vermarkter Banf weitergeführt? Das sind die Fragen, die den WSV in den kommenden Wochen beschäftigen werden.

Runge selbst war gestern nicht bereit, Antworten zu geben. „Ich will jetzt erst mal gar nichts mehr sagen, sondern andere machen lassen. Ich bin sofort gesprächsbereit, wenn etwas auf dem Tisch liegt, womit man arbeiten kann“, sagte er nur.

Warum er den WSV zunächst nur bis zum 31. März und nicht zumindest bis zum Saisonende unterstütze, dazu hatte er beim ASV-Neujahrsempfang auf WZ- Nachfrage geäußert: „Andere hätten bei einem Rücktritt ihre Zahlungen sofort eingestellt.“

Taktik eines Mannes, der versucht, nicht als Totengräber des WSV zu gelten? Klar ist, dass der WSV seit Jahren in zunehmendem Maße am Tropf von Runge hängt und ein „sanfter Übergang“ nur möglich ist, wenn er dem Verein finanziell entgegenkommt. Sonst bliebe wohl nur die Insolvenz als Option. Dann ginge es auch um Haftungsfragen. Der Verwaltungsrat ist nur zu belangen, wenn ihm grobe Aufgabenverletzung nachgewiesen werden könnte, etwa bei der Vernachlässigung seiner Kontrollpflicht.

So oder so müssen nun alle Zahlen auf den Tisch. Zentrale Frage ist neben der Deckung des laufenden Betriebs der Umgang mit den Darlehen, die Runge dem Verein gewährt hatte. 2,3 Millionen Euro wurden bei der Jahreshauptversammlung im Herbst als offen genannt. Runge sprach auf dem ASV-Empfang gegenüber der WZ von einem Zahlendreher. 3,2 Millionen? Meinte er zusätzliche Darlehen, die in dieser Saison aufgelaufen sind? Finanzvorstand Lothar Stücker hatte im Herbst von einer Etatlücke von etwa 500.000 Euro gesprochen. So wie die Saison gelaufen ist, dürften es eher mehr geworden sein.

Das Freigabeangebot für alle Spieler im Dezember, das bisher bereits vier Akteure angenommen haben, ist als Indiz zu werten, fest auf die Kostenbremse zu treten, nachdem der Aufstieg abgehakt wurde und die Schwelle für eine Neuausrichtung ohne Runge gesenkt werden sollte.

Klar ist: Mögliche Sponsoren werden sich erst bekennen, wenn alle Rahmendaten bekannt sind. Viele sehen die Einschaltung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers als letzte Chance, Vertrauen zu schaffen.

Torsten Dohrs, der mit seiner öffentlichen Rücktrittsforderung an Runge den Proteststurm der Fans im Internet ausgelöst hatte, will sich nicht den schwarzen Peter zuspielen und in die Pflicht nehmen lassen. „Schon deshalb nicht, weil Herr Runge die formulierten Forderungen nach einer Unterstützung bis 30. Juni und einer kompletten Schuldenübernahme nicht erfüllt hat.“ Eine „Gruppe Dohrs“, wie Runge das in seiner Rücktrittserklärung formuliert hatte, gebe es nicht. Die Fans wollten nun aber das tun, was sie beitragen könnten, nämlich eine positive Stimmung für den WSV erzeugen. „Auch ich werde jetzt natürlich gegen Köln im Stadion sein“, so Dohrs. Ansonsten könne er nur jedem, der mitgestalten wolle, raten, in den Verein einzutreten, um bei Mitgliederversammlungen mitreden zu können. Für gestern Abend war in Barmen ein zentrales Fantreffen geplant.

Sollte der WSV übrigens erneut Lizenzantrag für die Regionalliga stellen wollen, wäre das bis 15. März notwendig. Der nun zuständige Westdeutsche Fußballverband verlangt dabei lediglich eine Bürgschaft in Höhe von 35.000 Euro. Wirtschaftspläne wie in der 3. Liga werden nicht gefordert.