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Worte und Taten: Jörg Heynkes Beziehung zu Wuppertal

offen gesagt : Worte und Taten: Jörg Heynkes komplexe Beziehung zu Wuppertal

Niemand soll sagen, dass Wuppertal es je leicht hatte mit Jörg Heynkes. Wann immer irgendwo eine Wurst gebraten wird, gibt der selbsternannte Innovator, Sprecher, Macher und Tuer seinen Senf dazu. Immer würzig, aber oft auch ein bisschen zu viel des Guten.

Jörg Heynkes letztlich doch kläglich gescheiterter Versuch, die Industrie- und Handelskammer zu erobern, ist sicher allen interessierten Wuppertalern noch im Gedächtnis. Und nicht wenige werden Schadenfreude nicht verhehlt haben, nach der Erkenntnis, dass die Mitglieder der Vollversammlung dem Lautsprecher endlich einmal das Mikrofon entzogen haben. Dabei hätte ein moderaterer, etwas nachsichtigerer, aber nicht minder umtriebiger Jörg Heynkes der Kammer vielleicht sogar einmal gutgetan. Es ist anders gekommen, und Heynkes musste seine ehrenamtliche Funktionärskarriere beenden, noch ehe sie richtig begonnen hatte.

Womöglich allerdings wird sich seine herbe Niederlage für die Stadt seines Herzens als großer Sieg herausstellen. Denn Jörg Heynkes gehört offenbar zu den Menschen, die großen Tönen auch große Arien folgen lassen. Das war so, als er vor Jahrzehnten den alten Schlachthof an der Viehhofstraße in Elberfeld erwarb, um daraus das weithin bekannte Tagungs-, Bildungs- und Veranstaltungshaus Villa Media zu machen. Der ganz große Wurf unter Einbezug der brachliegenden Bahnflächen in unmittelbarer Nähe gelang letztlich zwar nicht. Aber die Villa Media war immer ein leuchtendes Beispiel mutigen Unternehmertums.Und es ist sicher kein Zufall, dass die Villa und ihr Macher Wellen schlugen. Auch an der Entwicklung des einst abgehängten Arrenbergs hin zu einem stattlichen, lebenswerten Wohnquartier mit zukunftsweisenden Klimaschutzprojekten ist Heynkes mindestens beteiligt.

Deshalb ist es im Prinzip auch kein Wunder, dass der äußerst selbstbewusste „Selfmademan“ nach kurzem Wundenlecken nun wieder aufgetaucht ist. Die Villa Media ist offenbar gewinnträchtig verkauft, und Heynkes’ Lebensuhr steht,  mit Wohlwollen aufgerundet, auch schon auf Vorruhestand. Aber diesen Gedanken hat der End-Fünfziger nach eigenem Bekunden relativ schnell verworfen. Stadt dessen plant er nun den nächsten großen Coup. Auf Gut Einern entsteht demnach für viele Millionen Euro das erste Nachhaltigkeitsquartier der Stadt.

Es soll Klimaschutz, mit Lebens-, Wohn- und Arbeitsqualität verbinden, es soll zeigen, dass anders wirtschaften und anders konsumieren heute schon möglich ist. Und am Ende bleiben garantiert noch ein paar Euro übrig. Hoffentlich jedenfalls. Denn Heynkes tritt an, den vielzitierten und notwendigen Umweltschutz mit den Bedürfnissen und Wünschen von Menschen nach Komfort und gutem Leben in Einklang zu bringen. Das ist innovativ. Damit macht er dem sich selbst verpassten Markenzeichen „Innovator“ alle Ehre.

Natürlich geht es hier nur um einen einzigen Mann, jemanden, der sein Geld investiert, um letztlich auch Geld zu verdienen. Und in Städten wie Berlin, Hamburg, München, Leipzig oder Dresden wäre das vermutlich nicht einmal eine Nachricht wert. Aber Heynkes tut das in Wuppertal, auf Einern, in einer Stadt, die so sehr nach Tatkraft, Entschlossenheit, Mut und Leidenschaft, nach Unternehmern giert, die Neues unternehmen, Neues wagen wollen. Damit passt Jörg Heynkes in eine Reihe mit Carsten Gerhardt, dem Erfinder und Durchsetzer der Nordbahntrasse, mit Thomas Drescher, dem Retter und Entwickler des denkmalgeschützten Heckinghauser Gaskessels, er passt zu den Putschs, zu den Beckers, zu den Busmanns, den Zieglers, den Policks, den Winnacker-Spitzls in dieser politisch so gelähmten Stadt. Darum ist es erwähnenswert.

Und deshalb ist es Jörg Heynkes, Einern, Barmen und letztlich ganz Wuppertal zu wünschen, dass Politik, Stadtverwaltung und  Anwohner alle Bedenksteine aus dem Weg räumen und dem Lautsprecher diesmal den Ton nicht abdrehen. Damit den Worten Taten folgen können.