Woodstock-Feeling im Wuppertaler Skulpturenpark

Konzert : Woodstock-Feeling im Skulpturenpark

US-Gitarrist Bill Frisell gab begeisterndes Konzert im Rahmen der Klangart-Reihe.

Dass sich alle Musiker im Skulpturenpark Waldfrieden wohlfühlen und sich von dem tollen Ambiente inspirieren lassen, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Sogar Weltstars haben das schon zum Ausdruck gebracht. Ein weiterer, Bill Frisell, war nun vor Ort und äußerte sich gleich zu Beginn seines umjubelten Konzerts auf seine Art dazu: „Wow, it’s like Woodstock“. Und man sah es auch während seines gesamten Auftritts an seinem Gesichtsausdruck, dass er großen Spaß daran hatte, dort musizieren zu dürfen. Er lächelte sehr oft. Die Zuhörer taten es ihm gerne nach, worauf er, ganz Gentleman, vor der ersten Zugabe mit den Worten „Thank you for smiling, that’s great“ reagierte.

Selbstverständlich musste Frisell vor der letzten Zugabe an diesem schönen Ort musikalisch die Welt retten. Denn Bösewicht „Goldfinger“ war unterwegs. Kurzentschlossen half er also James Bond mit seiner E-Gitarre und den an ihr angeschlossenen Effektgeräten. Alleine hätte es der Superagent ihm Dienste ihrer Majestät bestimmt nicht geschafft, ihn zur Strecke zu bringen.

68 Lenze hat Frisell hinter sich gebracht und holt nach wie vor an Sounds und Musikstilen alles aus seinem Instrument heraus, was man sich im Jazz, Rock, Pop, Country etc. nur vorstellen kann. Wer ihm aber deswegen, wie oft geschrieben, einen Eklektizismus vorwirft, liegt wohl nicht so ganz richtig. Denn er macht etwas Eigenes daraus. Eine eigene persönliche, hochmusikalische und -emotionale Note ist unüberhörbar. Das macht ihn unverwechselbar.

Bereits nach den ersten Tönen war klar, wie der Klangart-Abend verlaufen würde: Henry Mancinis Hit „Moon River“ wurde nicht ausgespielt, die Melodie nur erkennbar angedeutet. Es ging weniger um musikalisch große Linien, vielmehr mehr um die Konzentration auf kleine Motivbausteine. Damit wurde gespielt, improvisiert. Sie wurden variiert, dazu gehörige Harmonien in ihre Bestandteile zerlegt, ja sogar gestutzt. So ging es in einem Stück durch über Eigenkompositionen zu Stücken von John Lennon („In My Life“) oder Thelonious Monk („Epistrophy“). Genauso verhielt es sich beim zweiten Set nach der Pause.

Die Gitarre singt, schluchzt
und bricht aus

Dabei ging es Frisell nie um hochvirtuose Künste. Stattdessen ließ er dezent seine Gitarre singen, schluchzen, dann wiederum gewaltig-trotzend ausbrechen.

Genauo kongenial spielten Thomas Morgan am Kontrabass und Schlagzeuger Rudy Royston auf der Open-Air-Bühne. Ganz filigrane Töne entlockte Morgan seinem Instrument, während Royston hochsensibel und unaufdringlich mit seinen Trommeln und Becken umging.

Wie ein Wiegenlied kam traumhaft schön gespielt ganz zum Schluss in der Dämmerung „We shall overcome“ daher. Das Publikum war bezaubert und zog selig von dannen. Ganz zum Schluss dieser Saison, zu Beginn der Sommerferien, gab es also noch einmal ein großes Highlight im Wuppertaler Musikleben.

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