Wolfgang Babeck ist Kulturmittler

Wuppertaler weltweit : Wolfgang Babeck ist Kulturmittler

Er war Brückenbauer erst zwischen Ost und West, heute zwischen Europa und Australien.

An einer georgischen Tafel bestimmt der Tamada, der Trinkmeister, den Moment, an dem die Gäste ihr Weinglas leeren dürfen. Vorher gibt es einen Trinkspruch.

Wolfgang Babeck schreibt dazu in seinem Buch „Der georgische Knoten“, dass sich nichts besser als Einstieg in das Leben und die Seele Georgiens eigne, als diese georgischen Trinksprüche. Babeck weiß, wovon er spricht. Er hat Georgien mehrfach bereist. 1991 zum ersten Mal. „Ich ging damals in die Sowjetunion und kam aus Georgien zurück“, sagt Babeck.

Jetzt ist Wolfgang Babeck zwar kein georgischer Trinkmeister, sondern gebürtiger Wuppertaler und heute als international tätiger Rechtsanwalt in Australien sesshaft. Dennoch gibt es Überschneidungen. Denn ein Tamada ist auch viel mehr als nur der Hüter einer Festtafel. Er ist auch ein Hüter des Anstands, ein origineller Redner und eine Stimmungskanone. Um das zu verstehen, braucht es einen Blick in die Vergangenheit.

Wolfgang Babeck wohnt damals noch in Wuppertal und heißt noch Gaul mit Nachnamen. Er besucht das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium und reist als Schüler in die USA. Zurück in Deutschland – und gegen den Trend – reift aber in Babeck langsam der Wunsch zu erfahren, was hinter dem Eisernen Vorhang passiert. „Und dass ich dann die russische Sprache am Gymnasium lernen konnte, hat mich natürlich ermuntert, noch mehr über Russland erfahren zu wollen“, sagt Babeck.

Die Kultur, die Menschen, das Land. Und die Sprache als Schlüssel dazu. Auf diese Weise wird Wolfgang Babeck auf seinen vielen Reisen in den kommenden Jahrzehnten immer wieder verfahren. Zuerst wird Babeck aber ein Hüter des Anstands, genauer gesagt, ein Hüter des Rechts.

Auslandsstudium in Georgien während eines Militärputsches

Babeck studiert zunächst Jura – und Fremdsprachen. Denn dass er später einmal als internationaler Rechtsanwalt arbeiten will, steht für ihn damals schon fest. „Aber wahr ist auch, dass Rechtswissenschaften allein langweilig sind“, sagt Babeck mit einem Lachen. „Das Studium kann sehr trocken sein und die Kombination mit Sprachen war reizvoll.“ Babeck verfeinert dabei sein Russisch und beschäftigt sich intensiv mit dem Sowjetrecht. „Man kann sehr viel über eine Kultur erfahren, wenn man sich mit deren Rechtssystem beschäftigt“, sagt er.

Als er die Gelegenheit bekommt, im September 1991 für ein einjähriges Auslandsstudium nach Georgien zu gehen, zögert Babeck nicht lang. Und nach all den Jahren ist ihm dieser Aufenthalt am Stärksten im Gedächtnis geblieben. Denn während seines Aufenthalts zerfällt die Sowjetunion. Wirtschaft und Rechtsstaat in Georgien kollabieren, die neue Demokratie versagt. Gegen den erst im Mai 1991 gewählten Präsidenten Gamsachurdia wird noch im Dezember desselben Jahres geputscht. Georgien wird 1992 von Warlords beherrscht, bis es später unter der Führung von Eduard Schewardnadse, dem langjährigen sowjetischen Außenminister, wieder in ruhigere Fahrwasser kommt.

„Und ich musste als Zeitzeuge diese Umbruchphase verdauen und das niederschreiben“, sagt Babeck über sein Buch. Gelöst hat er den „georgischen Knoten“ aber nicht. Der Titel seines Buches ist dabei eine Allegorie auf die unbeständige Umbruchszeit in Georgien. Auch mit Blick auf den Verfassungsprozess. Babeck hat diesen in Georgien in den folgenden Jahren immer wieder als Berater und Moderator begleitet.

„Georgisch selbst spreche ich trotzdem heute nur gebrochen“, sagt der Redner Babeck, der aber mehrere andere Sprachen fließend spricht. Sein heutiges Wirkungsgebiet hat er aber nicht über eine Sprache, sondern über seine Frau entdeckt. Babeck lebt dabei mit seiner Familie bereits seit 17 Jahren in Australien, musste sich aber zu Beginn intensiv in das neue Rechtssystem des Common Law einarbeiten. Inzwischen ist er dabei Experte für das australische Recht, und baut neben seinen universitären Lehrtätigkeiten auch als Wirtschaftsjurist Brücken zwischen Deutschland und Australien. „Aber ich versuche immer noch drei bis viermal pro Jahr nach Wuppertal zu kommen“, sagt Babeck.

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