Wohin entwickelt sich Wuppertal?

Wohin entwickelt sich Wuppertal?

Im Schnitt sind die Wuppertaler glücklich, stellt Hans Haake vom Wuppertal Institut fest.

5,40. Die durchschnittliche Antwort von 1200 Wuppertalern auf die Frage, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, auf einer Skala von eins bis sieben. Seit Mai können sie mit der App Glücklich in Wuppertal über ihr Glück mit sich selber und mit der Stadt berichten. Das Ergebnis kann sich im Vergleich mit NRW oder Deutschland sehen lassen. Wir leben also in einer durchaus glücklichen Stadt.

Rang 53 beziehungsweise 46. Die Platzierung Wuppertals im neuen Städte-Ranking der Wirtschaftswoche, nach Niveau und nach Dynamik. In beiden Kategorien ging es nach unten. In den Vorjahren hatte man sich in der Stadt noch mehr über die Ergebnisse gefreut. Ein guter Anlass, anhand von Zahlen zu betrachten, wie sich Wuppertal entwickelt, und darüber nachzudenken, wo die Reise hingehen soll.

Die über Jahrzehnte wahrgenommene wirtschaftliche und demografische Talfahrt Wuppertals ist vorbei. Die Einwohnerzahl hat nach ihrem Tief unter 350 000 (2011) wieder die Marke von 360 000 überschritten. Auch die Zahl der Beschäftigten ist seit ihrem Tiefpunkt 2009 um 10 000 gestiegen, die Wirtschaft wächst wieder. Das Gefühl, dass sich etwas bewegt, wird an unterschiedlichen Orten transportiert. Mal sind es die Investoren, mal engagierte Bürger, die Impulse setzen.

Gleichzeitig geht manches in eine falsche Richtung. Der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss ist von 2011 zu 2015 gestiegen. Kinderarmut betrifft jedes dritte Kind, obwohl Wuppertal im Durchschnitt nicht arm ist. Das sind Zeichen einer Spaltung der Stadt, die sich deutlich zwischen den Stadtteilen zeigt. Auch bei der Umwelt gibt es Probleme in der grünen Stadt Wuppertal. Die Luftqualität an den Verkehrsachsen, besonders beim Stickoxid, liegt jenseits der Grenzwerte und hat sich zuletzt sogar verschlechtert. Fahrverbote drohen.

Lärm ist ein zentraler Kritikpunkt in der Glücks-App. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass in Wuppertal wie in ganz Deutschland mehr Ressourcen verbraucht werden, als uns eigentlich zustehen. Ökologisch nachhaltig war es weder in der Krise, noch ist es das jetzt im Aufschwung.

Spannend wird es dort, wo die Zahlen gar nicht eindeutig positiv oder negativ sind. Dass die Mieten von 2012 bis 2017 „nur“ um 10 Prozent gestiegen sind, wertet die Wirtschaftswoche in ihrem Ranking negativ! In Berlin oder München waren es über 30 Prozent, sicherlich gut für die Vermieter und Zeichen einer starken Wirtschaft. Aber die Wohnfläche pro Einwohner hat sich in diesen Städten deutlich verringert. Die geringen Mietkosten sind sicher ein Grund, warum in der Glücks-App die Zufriedenheit mit den Wohnbedingungen ungewöhnlich hoch ausfällt. Der Leerstand in Wuppertal ist weiterhin hoch und muss reduziert werden, aber ab welchem Punkt verschwinden die Freiräume? Gerade Dank der leeren Häuser und Ladengeschäfte konnten sich Künstler und Handwerker ansiedeln, die bei Düsseldorfer Mieten Probleme hätten.

Ob sich Wuppertal in eine gute Richtung entwickelt, ist also eine vielschichtige Frage. Soziale, ökologische und ökonomische Aspekte sind zu berücksichtigen. Die vielen verfügbaren statistischen Zahlen, richtig eingeordnet und sortiert, können nicht alles abbilden. Aber sie ermöglichen einen aussagekräftigen Austausch darüber, ob der neue Döppersberg für die Entwicklung Wuppertals steht oder der Ölberg und Utopiastadt. Die Ansiedlung von Ikea oder des Pina-Bausch-Zentrums. Die Seilbahn oder die Fahrradstadt. Oder vermutlich alle, in der richtigen Mischung.

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