Wofür Wuppertaler Lehrer die Schulbank drücken

Wuppertaler Schulzeit : Auch Lehrer müssen weiter lernen

Teilweise mehrfach pro Jahr widmen sich Pädagogen bei Fortbildungen innovativem Unterricht.

Studientag: Zweimal pro Schuljahr geben die Lehrer weiterführender Schulen ihren Schülern Aufgaben für zu Hause, während sich die Lehrer mit dem gesamten Kollegium pädagogischen Themen widmen. Gemeinsam mit einem externen Moderator geht es dann beispielsweise um Digitalisierung, Lehrergesundheit oder den Umgang mit schwierigen Eltern. „Das Konzept für die Fortbildungen wird in der Schulkonferenz beschlossen“, erklärt Sabine Hanika, didaktische Leiterin der Pina-Bausch-Gesamtschule. „Die Fortbildungen dienen oft auch der Schulentwicklung“, ergänzt Claus Wyneken, Leiter des Gymnasiums Am Kothen.

Wenn also eine Schule den Ganztag oder einen MINT- oder Musikschwerpunkt einführen möchte, werden die damit zusammenhängenden pädagogischen Notwendigkeiten an diesen Tagen entwickelt. Oft hält der externe Moderator einen Einführungsvortrag, dann bearbeiten die Lehrer verschiedene Themen in Gruppen und tauschen sich abschließend im Plenum aus. Viele Schulen planen auch pädagogische Tage zur Digitalisierung – denn wenn die Schulen jetzt Mittel für Laptops, Tablets und Whiteboards (elektronische Tafeln) bekommen, müssen die Lehrer nicht nur die Technik beherrschen, sondern sie auch sinnvoll in den Unterricht einbinden.

Neben diesem Input für das gesamte Kollegium besuchen regelmäßig einzelne Lehrer Fortbildungen. „Die Bezirksregierung veranstaltet Fortbildungen, zu denen wir jemanden hinschicken müssen, etwa zu neuen Formaten im Abitur. Damit wird auch landesweit die Qualität gesichert“, sagt Christiane Genschel, Leiterin des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau. In allen Schulformen gibt es solche Pflicht-Fortbildungen. Die Teilnehmer geben ihre neuen Erkenntnisse dann innerhalb des Kollegiums weiter. Dabei kann es sowohl um Verwaltungsdetails einer Schule gehen als auch um fachspezifische Inhalte oder allgemein pädagogische Techniken. Hinzu kommen sogenannte „Zertifikatskurse“: Diese dauern in der Regel ein Jahr. Ein Lehrer kann dadurch die Unterrichtsbefähigung für ein weiteres Fach erhalten, etwa Informatik oder Kunst. Auch zukünftige Schulleiter müssen solch eine umfangreiche Fortbildung absolvieren.

Außerdem werben freie Anbieter mit einer breiten Palette von Inhalten. Auch Schulbuchverlage veranstalten sowohl Tage zu ihren Lehrwerken als auch darüber hinaus. So geht es unter anderem um Krisenmanagement, Umgang mit schwierigen oder hochbegabten Schülern, sprachsensiblen Fachunterricht oder gesundes Essen.

An den meisten Schulen entscheidet das Kollegium gemeinsam, welche Themen für den Schulalltag sinnvoll sind und besetzt werden sollten. „Meistens bekommen wir bei den Fortbildungen wirklich wertvolle Anregungen“, lobt Christian Neumann von der Realschule Leimbachstraße. Bei ihm absolvieren jedes Jahr rund zwei Drittel des Kollegiums Fortbildungen. Am Gymnasium Am Kothen haben die 80 Lehrer seit September bereits an 40 Fortbildungen teilgenommen, davon fünf über zwei Tage und drei an einem Wochenende.

„Ein bisschen ärgerlich finde ich es, dass wir für Fortbildungen keinen Unterricht ausfallen lassen sollen, aber viele ganztägig sind“, nennt Wyneken ein Problem. Einig sind sich jedoch alle Lehrer, wie wichtig die neuen Anregungen und die überschulischen Diskussionen sind. Denn die Zeiten einsamer Lehrer im Frontalunterricht vor der Klasse sind vorbei; immer mehr arbeiten sie im Team und mit innovativen Methoden. Dafür ist ein ständiger Austausch nötig.

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