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Wo Teddys und Turnbeutel auf ihre Besitzer warten

Wo Teddys und Turnbeutel auf ihre Besitzer warten

Das Fundbüro bewahrt sorgfältig auf, was Bürger verlieren oder vergessen.

„Wir hatten auch schon einen Grabstein und einen Tresor“, berichtet Jochen Baumann. Teamleiter für das Fundbüro. So kuriose Funde — mitgebracht vom Ordnungsdienst der Stadt — bleiben natürlich im Gedächtnis. Das Alltagsgeschäft in den freundlichen Räumen im dritten Stock des Barmer Rathauses ist banaler: „Standard ist der Turnbeutel“, sagt Baumann grinsend. Aber auch Schirme, Handys und vor allem Tickets für Bus und Bahn gehören zu den häufigsten Gegenständen, die ihren Weg ins Fundbüro finden.

Hier landet alles, was Wuppertaler auf der Straße finden und abgeben, aber auch Fundstücke aus Schwebebahn und Bussen. Jeden Morgen kommt ein Stadtwerke-Mitarbeiter und bringt mit, was nach Betriebsschluss in den Fahrzeugen liegen geblieben ist.

Verwahrt wird alles in hohen Metallregalen, teils in Kartons, teils in Plastikkisten. Neben den großen Fächern für die Turnbeutel sind da auch Koffer, Schirme, Bücher, Skatboards, ein Feuerlöscher, Schwimmflossen, eine Astzange, eine bunte Sammlung Trinkflaschen, zwei Regal Sportschuhe und auch immer wieder Kuscheltiere zu sehen.

Dass die vermisst werden, weiß Christa Kutz. „Dann kommen die Eltern extra, um sie wieder abzuholen.“ Manche riefen viele Male an, ob das Tier gefunden ist. Und nicht nur Eltern sind froh, wenn sie das Vermisste wieder bekommen: „Viele freuen sich tierisch“, sagt Christa Kuntz.

Die meisten rufen zunächst an. Ist das Verlorene im Fundbüro gelandet und identifizierbar, können sie es sich abholen. Schlüssel und Brillen müssen die Besitzer selbst aus den Gefundenen herausfischen.

Frisch eingelieferte Brillen und Schlüssel landen erst in einer „Wochenkiste“ mit den Neuzugängen der vergangenen Woche, wandern dann in einen „Monatseimer“. Sechs gut gefüllte Schlüsseleimer stehen in einer großen Schublade - je einer pro Monat. Wer seinen Schlüssel sucht, darf den Eimer auskippen und den Inhalt durchwühlen. Wenn in Geldbörsen Ausweise mit Namen stecken, schreiben die Fundbüro-Mitarbeiter eine Postkarte an die Besitzer.

Etwa die Hälfte aller Fundstücke finde zurück zum Besitzer. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Hälfte nie abgeholt wird. Wertvolle Gegenstände bewahrt das Fundbüro sechs Monate auf „wenn es vertretbar ist“, betont Baumann. Was weniger als etwa zehn bis 20 Euro wert sei, könne schon nach wenigen Wochen in einer der Versteigerungen landen.

Denn zwei Mal im Jahr macht das Fundbüro die Fundstücke zu Geld. Der Erlös lag zuletzt zwischen 8000 und 14 000 Euro pro Versteigerung. Käufer seien meist professionelle Wiederverkäufer, die das Gekaufte auf Flohmärkten und in Second Hand-Geschäften anbieten, berichte Baumann.

Aber manche Besitzer sind auch hartnäckig. Denn es kann durchaus eine Weile dauern, bis Verlorenes im Fundbüro landet. Zunächst muss es überhaupt gefunden werden. Dann geben viele ihre Funde bei der Polizei ab, die es einmal in der Woche zum Fundbüro bringt. Bei Krankheitsfällen kann es auch zu Verzögerungen kommen.

Christa Kutz erinnert sich an eine alte Dame, die die Hoffnung nicht aufgab und immer wieder nach ihrem Schlüssel suchte. Nach drei Monaten würde sie im Fundbüro endlich fündig.