Wo Lebensretter sich die Couch teilen

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Vier junge Feuerwehrmänner wohnen zusammen in einer WG. Das Projekt hat sich bewährt: Sie sind bei Einsätzen schneller vor Ort.

Wuppertal. Ein Wagnis war es schon, vier junge Männer, die sich vorher gar nicht kannten, in einer Wohngemeinschaft zusammen leben zu lassen. Doch da alle vier das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr vereinte und alle etwa im gleichen Alter waren, sahen die Vermieter dem Experiment vor genau einem Jahr mit Optimismus entgegen.

Die Zuversicht war berechtigt, denn gestern, am Geburtstag der Feuerwehr-WG an der Remscheider Straße in Ronsdorf zeigten nicht nur die Bewohner der 140 Quadratmeter im Haus direkt neben der Feuerwache zufriedene Gesichter.

Auch der Leitende Branddirektor Ulrich Zander, Chef der Wuppertaler Feuerwehr, war sehr angetan von dem Pilot-Projekt und hofft auf Nachahmer in anderen Stadtteilen. „Durch die Nähe zum Löschzug hat sich die Einsatzzeit um zwei bis drei Minuten verkürzt. Das ist bei Einsätzen, bei denen es um Leben und Tod geht, ein Quantensprung.“

Aber wie ist diese WG entstanden? „Das Haus neben der Feuerwache und dem Bandwirker-Museum hat uns schon lange gereizt“, berichtet Matthias Dietrich, Brandschutz-Ingenieur und Brandinspektor bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ronsdorf. „Und als das Gebäude zum Verkauf stand, haben mein Partner Stefan Rassek und ich zugegriffen und vermieten die Räume nun an diese WG.“

Die vier jungen Männer — der Ronsdorfer Cedric Drewe (20), der derzeit ein freiwilliges soziales Jahr absolviert, der Sauerländer Noel Peez, der zur Berufsfeuerwehr in Erkrath gehört, und die Sicherheitstechnik-Studenten Jonathan Hartje (20) aus Neustadt am Rübenberge und Jonas Ungemach (19) aus Kaiserslautern — haben die Wohnung gemietet. Jeder zahlt für das eigene Zimmer als Rückzugsmöglichkeit und die großzügigen Gemeinschaftsräume 225 Euro pro Monat. „Das ist die ortsübliche Miete, die auch in einem Studentenwohnheim verlangt würde“, sagt Matthias Dietrich, der am Ende des ersten WG-Jahres finanziell eine schwarze Null sieht.

Für die vier junge Männer, die sich vorher nicht kannten. ist es ein Erfolgsmodell. „Wir verstehen uns gut“, bestätigt Jonathan Hartje, der wie auch die anderen drei sein Zimmer selbst eingerichtet hat.

Einer aus dem Anfangs-Quartett ist wieder ausgezogen, aber nur, weil er sich zusammen mit seiner Freundin eine Wohnung genommen hat. Auf ihn folgte vor einer Woche Noel Preetz, der sich schnell eingelebt hat und seinen Mitbewohnern ein positives Zeugnis ausstellt. „Mir gefällt es hier.“

Ein Jahr gemeinsames Wohnen mit mehr als 100 Feuerwehreinsätzen liegt hinter den Jungs von der Remscheider Straße. „Die Einsätze finden relativ selten in den späten Abend- oder Nachtstunden statt“, berichtet Jonas Ungemach. „Meist sind es Tragehilfen, Türöffnungen oder Dachstuhlbrände. Aber wir werden auch schon mal zu Unfällen auf die nahe A 1 gerufen, wo wir die Unfallstelle absichern.“

Mit herzlichen Worten bedankte sich der Ronsdorfer Löschzugführer Torsten Toelle für den selbstlosen und effektiven Einsatz der Ronsdorfer Wohngemeinschaft. „Ich hoffe, dass ihr uns noch lange erhalten bleibt“, betonte Torsten Toelle.

Dezernent Matthias Nocke, ein weiterer Geburtstagsgast in der kleinen Küche der WG, hob deutlich hervor: „Ohne Freiwillige Feuerwehr kommen wir gar nicht mehr aus.“ Branddirektor Ulrich Zander betonte: „Die Zahl der Feuerwehreinsätze hat sich in den vergangenen Jahren um rund fünf Prozent erhöht.“

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