Tierwelt Wo Greifvögel in Wuppertal aufgepäppelt werden

Wuppertal · Zoo und Auffangstation arbeiten eng zusammen.

 Ein Uhu-Jungtier. Uhus sind inzwischen häufiger anzutreffen.

Ein Uhu-Jungtier. Uhus sind inzwischen häufiger anzutreffen.

Foto: Natalja Dresmann

Im Grünen Zoo Wuppertal leben drei sehr verschiedene Greifvogel-Arten: Die stattlichen Kuttengeier mit einem Gewicht von fast acht Kilogramm und einer Flügelspannweite von 2,5 Metern, die farbenfrohen Gaukler mit ihren markanten Rufen und die flinken Anden-Karakaras, die nicht nur gut fliegen, sondern sich auch am Boden geschickt bewegen können.

Trotzdem hat das Veterinärteam des Zoos regelmäßig auch mit vielen heimischen Greifvögeln zu tun: Das Forstamt der Stadt Wuppertal betreibt eine Auffangstation für Greifvögel, die menschliche Hilfe brauchen, weil sie verletzt oder krank sind. Die Forstwirtin Natalja Dresmann betreut die Station, in die pro Jahr zwischen 50 und 100 Tiere gebracht werden. Verschiedene Volieren stehen bereit, um vom kleinen Steinkauz bis zum stattlichen Uhu ein Zuhause auf Zeit zu bieten. Wenn die Tiere medizinische Hilfe brauchen, erhalten sie diese im Grünen Zoo.

Von gebrochenen Knochen und verschluckten Gegenständen über Virusinfektionen und Parasitenbefall gibt es zahlreiche Probleme, die es den heimischen Greifvögeln zu schaffen machen können. Insbesondere bei einem Anflugtrauma, also zum Beispiel einer Kollision mit einem Auto oder dem Aufprall auf ein Gebäude, besteht Lebensgefahr für den Vogel. Nicht nur der konkrete Unfall, sondern auch Folgeschäden durch Blutungen im Auge oder Lähmungen der Krallen können die Überlebensfähigkeit des Tieres in der Wildbahn gefährden. Ein Greifvogel ist ein Jäger und muss nicht nur sehr gut sehen, sondern auch präzise und lautlos fliegen und dann noch kräftig zupacken können, um seine Beutetiere zu erwischen. Schon ein paar abgebrochene Schwungfedern können mitunter zum ernsthaften Problem werden.

In der Auffangstation kann in speziellen Volieren getestet werden, ob ein Tier zum Beutefang in der Lage ist. Nur dann kommt eine Wiederauswilderung infrage. Grundsätzlich muss in der Wildtiermedizin daher auch immer wieder abgewogen werden, ob bei schweren Verletzungen eine Einschläferung des Tieres notwendig ist. Besonders geschützte Tierarten wie die Greifvögel dürfen nach dem Naturschutzgesetz in Deutschland nicht in Besitz oder Gewahrsam genommen werden. Ihre Rückführung in die Natur ist immer das Ziel der Behandlung.

Nach der Genesung eines Vogels stehen in Wuppertal dafür mehrere Volieren zur Verfügung. Das sogenannte „Soft-Release“-Verfahren sieht vor, dass eine Tür weit oben in der Voliere geöffnet wird, durch die der Vogel freiwillig die Voliere verlassen, aber auch wieder zurückkehren kann. Hier wird er in der ersten Zeit noch Futter finden, bis er vollständig unabhängig ist und nicht mehr wiederkommt. Solche Erfolgserlebnisse sind immer wieder faszinierend und ein Motivationsschub für die Arbeit in der Auffangstation. Auch verwaiste Jungvögel können hier versorgt werden. Dazu ist viel Sachverstand notwendig, um eine Fehlprägung der Tiere zu vermeiden und wildbahnfähige, gesunde Vögel großzuziehen. Natalja Dresmann ist mit den anderen Greifvogelstationen in NRW eng vernetzt, sodass Jungvögel oft auch mit Artgenossen zusammen aufwachsen können.

Wenn ein Greifvogel am Boden sitzt und bei Annäherung durch einen Menschen nicht flüchtet, braucht er in der Regel Hilfe. In solchen Fällen sollten Finder das Tier gut beobachten und im Raum Wuppertal die Telefonnummer der Greifvogelstation wählen: 0151 52701634. Auch bei beobachteten Unfällen oder offensichtlich verletzten Tieren ist die Kontaktaufnahme ratsam. Ein besonderer Fall sind scheinbar hilflose Jungvögel – hier ist es entscheidend, den Fundort genau zu dokumentieren und unbedingt erst die Greifvogelstation zu kontaktieren, bevor ein Tier in bester Absicht aufgehoben und mitgenommen wird. Ohne fachlichen Hintergrund können leicht falsche Einschätzungen darüber getroffen werden, ob ein Jungvogel Hilfe braucht oder nicht.

In der Ästlingsphase, in der junge Vögel den Horst verlassen und fliegen lernen, werden sie auch am Boden von ihren Elterntieren versorgt. Ist das Tier dann aber erst einmal über längere Zeit aus der Umgebung seiner Elterntiere entfernt worden, sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Aufzucht erheblich. Für den Mäusebussard, den häufigsten Greifvogel in Deutschland, fällt diese Phase in die Monate Juni und Juli.

Einen erfreulichen Trend berichtet Natalja Dresmann aus den letzten Jahren: Der Uhu, die größte Eule Europas, begegnet ihr inzwischen spürbar häufiger als noch vor zehn Jahren. Die intensiven Bemühungen um den Schutz der Uhu-Population im Bergischen Land haben bereits Früchte getragen.