Jahresrückblick: Wishlist setzt Wuppertal düster in Szene

Jahresrückblick: Wishlist setzt Wuppertal düster in Szene

Die Serienmacher gewinnen einen Preis nach dem anderen und legen mit einer zweiten Staffel nach.

In der Web-Serie „Wishlist“ erfüllt eine mysteriöse App den Nutzern alle Wünsche. Ob die Produzenten Marc Schießer, Marcel Becker-Neu, Christina Ann Zalame und Tobias Lohf selber den Teufelspakt mit der App geschlossen haben? Schließlich haben sich für sie in 2017 alle Träume erfüllt, die junge Filmemacher so haben können. Nicht nur, dass die Fans die erste Staffel der Serie, die Ende 2016 im wöchentlichen Rhythmus auf Youtube veröffentlicht wurde, je nach Folge mit bis zu 700 000 Klicks belohnten, auch die Kritiker zeigten sich überzeugt. Webvideopreis, Grimme-Preis, Deutscher Fernsehpreis und Wuppertaler Wirtschaftspreis gingen an die jungen Kreativen.

14. DEZEMBER

Alles das zauberhafte Werk einer App? Der Erfolg lässt sich auch anders erklären. Trotz beschränkten Budgets und kleiner Filmcrew schafften es die Macher, eine packende Geschichte zu erzählen. Sprache und Tempo der Youtube-Folgen in verdaulicher Länge von 15 bis 20 Minuten treffen den Geschmack des jungen Publikums.

Da half es zusätzlich, dass in der für den öffentlich-rechtlichen Web-Sender „funk“ produzierten Serie neben den Hauptdarstellern Vita Tepel, Michael Glantschnig, Nele Schepe, Yung Ngo und Ideengeber Marcel Becker-Neu auch Youtube-Star Dagi Bee ihr Gesicht zeigt.

Besonders visuell zeigt Regisseur Marc Schießer, dass er mit seinem kleinen Wishlist-Eigenbau eigentlich größere Rennen fahren möchte. Speziell die Stadt Wuppertal selbst wird mit ihrem teils morbiden Charme perfekt eingefangen. Schießer berichtet, wie gerade jüngere Zuschauer die Schwebebahn verblüfft: „Die schreiben dann in den Kommentaren: ,Was ist das für eine verrückte Bahn? Ist das in Tokio?’“

Regisseur Marc Schießer über Wuppertal als Drehort

Seit dem 14. Dezember läuft die zweite Staffel Wishlist. Die Serienmacher können dieses Mal aus dem Vollen schöpfen. Mehr Budget, längere Folgen, ausgefallenere Schauplätze und ein größerer Cast von Schauspielern — darunter Anja Kling. Wieder zeigt die Serie deutlich, dass sie ein Wuppertaler Gewächs ist, so wie Schießer und Becker-Neu eben.

Gedreht wurden die neuen Folgen unter anderem in der Schwimmoper, auf dem Dach des Sparkassenturms, im Kiesbergtunnel, in einem Wuppertaler Gefängnis, in der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule und im Butan-Club. Und natürlich schlängelt sich die vermeintlich futuristische Schwebebahn auch wieder durchs Bild. „Die Stadt ist super vielseitig. Wir finden hier alles: von landschaftlich schönen Gegenden bis hin zu fiesen Straßen“, lobte Schießer seine Heimatstadt, die als Drehort noch weitestgehend unerforscht ist.

Inhaltlich ist der Ton in der zweiten Staffel ernster geworden, die Einsätze sind höher. Die Protagonisten erfahren mehr über die düsteren Machenschaften hinter der Wishlist-App. Und Dustin (Marcel Becker-Neu) ist nach dem überraschenden Höhepunkt der ersten Staffel auf seiner ganz eigenen Mission, die die Serie dank der neuen rebellischen Figur Norma Jean (Yvonne Yung Hee Bormann) in skurrilere und abgründigere Wege lenkt. Der Gebrauch von Jugendsprache, der gerade in den ersten Folgen so manchen älteren Zuschauer abschreckte, wurde ein wenig zurückgefahren. Trotzdem ist die Wishlist-Welt digital und das Smartphone ist mehr als eine Requisite. Kommuniziert wird über WhatsApp oder mit Snapchat. Und wer die diversen Youtube-Stars kennt, die in der zweiten Staffel ihre Gastauftritte haben, hat sicher noch einen Funken mehr Spaß.

Zum Erfolgsrezept der Serie gehört aber auch, dass die Geschichte ebenso für Zuschauer funktioniert, die mit der weiten Welt des Internets wenig am Hut haben. Wishlist transportiert schließlich das klassische Motiv des Teufelspakts in die Neuzeit. Die Frage im Kern der Serie ist eine sehr menschliche: Wie weit würdest du für deinen größten Wunsch gehen? Wishlist zeigt: Manche würden töten.

Ob es eine dritte Staffel geben wird? Schießer und Becker-Neu verrieten, dass sie noch genug Stoff hätten — falls Staffel zwei wieder ein Erfolg wird.

Die ersten drei Folgen der zweiten Staffel, die erste Staffel und viele Making-of-Clips sind kostenlos unter dem Suchwort „wishlist“ auf youtube.com zu finden. Wöchentlich erscheinen neue Folgen.