Bildung: Wie Inklusion gelingen kann

Bildung : Wie Inklusion gelingen kann

Aktionstag: Jugendliche mit Behinderung gehen in die Praxis. Eröffnung an der Junior Uni.

Das „Netzwerk Anschub“ hat gemeinsam mit dem „Bergischen Fachkräftebündnis“ diese Woche den „Inklusionsday“ veranstaltet. Rund 100 Schülerinnen und Schüler von Wuppertaler Förderschulen bekamen dabei die Gelegenheit, in Unternehmen und in die Berufswelt reinzuschnuppern. Gleichzeitig konnten Unternehmen das Potenzial von Schülerinnen und Schüler mit geistiger, körperlicher oder emotionaler Behinderung kennenlernen.

Kein Patentrezept
für Inklusion

Eingebettet ist der Tag der Inklusion in die Woche der Menschen mit Behinderung, die durch Herbert Jakoby, Abteilungsleiter „Wirtschaftspolitik“ im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes in der Junior Uni eröffnet wurde. Zu den teilnehmenden Unternehmen zählt die GESA, die Schülerinnen und Schülern der Ulle-Hees-Schule und der Schule am Nordpark einen Einblick in verschiedene Unternehmensbereiche gab.

Dass es für Inklusion kein Rezept gibt, darüber waren sich bei der Eröffnung in der Junior Uni alle im Klaren. Inklusion ist eher ein Weg. Wie Inklusion gelingen kann, referierte Annetraut Grote, die beim Paul Ehrlich Institut zunächst als Juristin in der Personalabteilung war, sich dann in einem Unternehmerforum mit namhaften großen Unternehmen und Konzernen mit der Koordinierung einer Ausbildung für junge Menschen mit Behinderung befasst hat. Sie stellte das Projekt Inka vor, die gemeinsame Ausbildung von Jugendlichen mit und ohne Behinderung.

In engem Austausch hätten Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen in Ausbildungsverhältnisse gebracht werden können, das ganze Projekt „Inka“ wurde evaluiert und habe vom Bundesministerium Fördergelder bekommen. Für die mittlerweile abgeschlossenen Ausbildungen bzw. für das gesamte Projekt ist es ausgezeichnet worden.

Auch der Moderiese Primark stellte sich vor; das irische Unternehmen betreibt laut Sabrina Wojtenek gezielt die Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Inklusion könne man nicht delegieren, man müsse sich dem Thema stellen, sagte sie.

Carina Kühne, Schauspielerin und Aktivistin ermunterte alle jungen Menschen mit Behinderung: „Geht euren Weg! Bleibt dran!“ Sie appellierte an die Arbeitgeber und die Gesellschaft, nicht nur auf die Defizite bei Menschen zu schauen, sondern auf die Talente und Stärken und junge Menschen auf der Basis dieser Fähigkeiten ins Unternehmen „einzubauen“.

Das Publikum war durchmischt: Je ein Drittel kam aus Institutionen, waren Unternehmer und der Rest waren junge Menschen aus den Förderschulen, die an der Schwelle zu einer Ausbildungswahl stehen.

Insgesamt waren sich alle einig: Gute Kooperation, intensiver Austausch, immer wieder nachfragen, enges Netzwerken, all das ist nötig, um Unternehmen, junge Menschen aber auch solche, die Förderungen ermöglichen immer wieder zusammenzubringen und um gegenseitig Vorbehalte abzubauen.

Nach dem Tag der Eröffnung der Woche folgte der praktische Teil - denn am 3. Dezember haben rund 20 Unternehmen die Türen für die Schüler der Förderschulen geöffnet.

Rund zehn Schülerinnen und Schüler der Ulle-Hees-Schule erhielten etwa am Holzenergiehof der GESA einen Einblick in das Berufsleben.

Nach einem Rundgang über das Gelände durften die Jugendlichen selbst mit anpacken: Mit Arbeitskleidung und Waage ausgestattet galt es Säcke mit Brennholz zu füllen. Eine Aufgabe, die neben körperlicher Fitness auch Konzentration erfordert und den Jugendlichen ein Gefühl davon vermittelt, welches Potenzial in ihnen steckt.

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