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Textil-Branche: Wie moderne Firmen die Krise meistern

Textil-Branche: Wie moderne Firmen die Krise meistern

In der Traditions-Branche gibt es noch gute Job-Perspektiven für junge Leute.

Wuppertal. Es klingt zumindest mutig, wenn nicht starrsinnig, vielleicht gar ein wenig weltfremd: "Chance Textil". Denn nicht nur Wuppertals Aufstieg zur Großstadt, sondern auch der dramatische Abschwung ist eng mit der Textilindustrie im Bergischen verzahnt.

Chancen sieht dennoch das Ausbildungszentrum der Rheinischen Textilindustrie, das mit dem Berufskolleg Werther Brücke zum Nachmittag der offenen Tür einlud, um vor allem dem Nachwuchs die Perspektiven der Branche aufzuzeigen. Im Berufswahlschema junger Menschen habe der Erwerbszweig leider nur noch geringe Bedeutung, sagt Elke Schneider, Koordinatorin des Ausbildungszentrums.

Das liege teils daran, dass zumeist an die klassischen Produkte gedacht werde, die inzwischen nun mal vorwiegend in Billiglohnländern hergestellt würden. Das Bergische habe sich aber mittlerweile neu formiert und sich in medizinisch-technischen Bereichen mit Präzisionsarbeit wieder einen beachtlichen Marktanteil gesichert.

Thomas Helsberg weiß nur zu gut um die Risiken, aber auch um die Chancen. Er selbst hat noch in einem Wuppertaler Betrieb gelernt, der die Zeichen der Zeit missachtete und von der Entwicklung auf dem asiatischen Markt überrollt wurde. Eine neue Anstellung fand Helsberg überraschend schnell bei dem Ronsdorfer Unternehmen vom Baur - 1805 gegründet und damit alteingesessen, aber doch mittlerweile hochmodern ausgestattet und auf carbon- oder glasfaserhaltige Verbundwerkstoffe spezialisiert.

Gewiss hat die Finanzkrise des vergangenen Jahres auch die Textilbranche eiskalt erwischt. Mit Kurzarbeit habe sich auch vom Baur 2009 abfinden müssen. Existenzängste habe es aber nicht gegeben, und inzwischen sei eine gewisse Konsolidierung eingetreten. Elke Schneider bestätigt diese Einschätzung. Derzeit betreue das Zentrum zwar nur sechs Auszubildende, während die Kapazität 2008 mit 24 Azubis ausgeschöpft war. Doch eine Normalisierung sei absehbar.

Wie bei Sven Heinrichs: Er ist mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr. Seine Berufswahl wurde eher durch den Zufall bestimmt: Er absolvierte während der Schulzeit ein Praktikum im Textilbereich. Nachdem ihm eine mögliche Alternative als Zerspanungsmechaniker nicht zugesagt hatte, fühlt er sich inzwischen wohl in seinem Job. "Die Arbeit ist vielfältiger, als ich gedacht hatte. Man sitzt nicht immer nur stur an einer Maschine", erklärt er seine Begeisterung. Außerdem weiß er schon jetzt: Nach der Lehre übernimmt ihn sein Betrieb.