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Schluss nach 62 Jahren: Conditorei Morgenroth war eine Institution

Schluss nach 62 Jahren: Conditorei Morgenroth war eine Institution

Nach insgesamt 62 Jahren schließt die Conditorei Morgenroth ihre Türen. Sie war überregional bekannt.

Varresbeck. Als Klaus Morgenroth den Entschluss gefasst hatte, seine gleichnamige Konditorei zu schließen, hat er das so vielen seiner Kunden wie möglich persönlich mitgeteilt. Wann immer an jenem letzten Sonntag vor zwei Wochen jemand vorfuhr, trat der 76 Jahre alte Konditormeister vor die Tür, um die Nachricht von Angesicht zu Angesicht mitzuteilen.

Schluss nach 62 Jahren: Conditorei Morgenroth war eine Institution
Foto: privat

Es ist aber nicht nur diese enge Beziehung des warmherzigen Wuppertalers zu seinen Stammkunden, die in großer Zahl an die Varresbecker Straße gekommen waren, um ihre Lieblingstorten abzuholen oder im angrenzenden Café einen Cappuccino zu trinken. „Mein Vater ist eine Institution, er ist nicht austauschbar“, beschreibt sein Sohn Michael Morgenroth.

An jedem Öffnungstag der „Conditorei Morgenroth“ stand Klaus Morgenroth in seiner Backstube, um 22 Sorten von aufwändigen Torten zu backen, die seine Kunden so liebten. Dazu gehörte unter anderem die Malakovtorte: „Eine Wiener Spezialität, leichte Mandelbuttercreme mit flüssiger Sahne, in fünf Schichten eingesetzt“, sagt der Konditormeister, der diesen Titel schon seit mehr als 50 Jahre trägt. Oder die Leipziger Torte, mit Nusskrokantböden und Schokoladenbuttercreme.

Ein weiteres Zugpferd, wie Sohn Michael es nennt, war der Butterkuchen. „Der war schon verkauft, bevor er gebacken wurde“, sagt der 50-Jährige.

Sein Vater lächelt bescheiden. Er möchte lieber seine Mitarbeiter benennen, weil er ihnen viel verdankt: Jens Stahl, Teresa Miranowicz und Anna Severino, 35, 18 beziehungsweise drei Jahre dabei. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“ Vor allem nach dem Tod seiner Frau Karin, mit der er die Konditorei 1977 von seiner Mutter Grete Morgenroth übernommen hatte.

„Meine Mutter hat den Namen Morgenroth geprägt“, erzählt der 76-Jährige. Sie sei, wie auch das 1952 eröffnete Café, über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gewesen. Schon damals wurden Torten gebacken, zudem diente das 120 Quadratmeter große Geschäft als Tanzlokal, geöffnet bis zur Sperrstunde. „Damals kam alles, was Rang und Namen hatte, vor allem Karnevalisten.“

Klaus Morgenroth verkürzte nach der Übernahme die Öffnungszeiten, konzentrierte sich auf die Torten. All seine hochwertigen Rohstoffe kaufte er selbst ein, kochte Früchte, stellte Krokant her. Zusatz- oder Ersatzpräparate gab es nicht. Neben der Rezeptur sei der Herstellungsprozess wichtig, sagt er. Ein Rezept allein reiche nicht für eine Qualitätstorte.

Um dieses über Jahrzehnte perfektionierte Wissen seines Vaters zu erhalten, möchte es Michael Morgenroth auf einer eigens zur Schließung erstellten Internetseite veröffentlichen. Klaus Morgenroth wird nun in seiner Freizeit backen, viel an die frische Luft gehen - und dabei wohl an die unzähligen Momente in der Conditorei Morgenroth denken, die er, seine Angehörigen und sein Team in insgesamt 62 Jahren erlebt haben.