Metzgerei Uhlemeyer: Seit 50 Jahren geht es um die Wurst

Metzgerei Uhlemeyer: Seit 50 Jahren geht es um die Wurst

Metzger Frank Uhlemeyer feiert das Jubiläum seines Betriebs — im Zeichen veränderter Essgewohnheiten und misstrauischer Verbraucher.

Südstadt. Ein Gespräch mit Frank Uhlemeyer zu führen, ist nicht so leicht — zumindest, wenn man den Obermeister der Fleischerinnung in seinem Geschäft an der Hopfenstraße trifft. „Herr Uhlemeyer, 60 Partyfrikadellen und 60 Schnitzelchen, was nehmen wir da?“ fragt eine Mitarbeiterin hinter der Theke, den Telefonhörer in der Hand. „Guten Tag“, grüßt eine Kundin den Metzgermeister freundlich. Frank Uhlemeyer (47) ist den Trubel gewöhnt. Er ist zwischen Würstchen und Schweinenacken aufgewachsen. Sein Vater Gerhard Uhlemeyer gründete den Familienbetrieb vor 50 Jahren, am 13. Januar 1962.

Das Geschäft eröffnete damals an der Kieselstraße, eine Parallelstraße zum jetzigen Standort. Frank Uhlemeyer übernahm sie gemeinsam mit seinen Brüdern Ralf (45) und Jens (39). Das Fleischgeschäft ist Tradition. Schon sein Großvater hatte einen Schlachtbetrieb in Steinhagen in der Nähe von Halle. Weder Gerhard Uhlemeyer noch seine Söhne schlachten aber selbst.

„Mein Opa hat uns als Kinder öfters dazu geholt. Für mich wäre Schlachten aber nichts“, gibt Frank Uhlemeyer zu. Im Stadtbereich wäre das sowieso nicht erlaubt. Er bezieht das Fleisch aus dem Münsterland. Mit den Lieferanten arbeiten die Uhlemeyers schon seit Jahren zusammen. „Die Qualität steht an erster Stelle“, sagt der Metzgermeister.

Mit den Preisen von den großen Supermärkten kann er nicht mithalten. „Hackfleisch wird zu dem Preis verkauft, zu dem ich es einkaufe. „Die Leute sparen für zwei Urlaube im Jahr, sind aber oft nicht bereit, mehr Geld für bessere Qualität in die Hand zu nehmen“, moniert der Innungsobermeister.

BSE, Gammelfleisch, Schweinepest und gerade erst antibiotikaresistente Keime in Hähnchenfleisch — die Skandale der vergangenen Jahre haben den Verbraucher misstrauisch gemacht. Die Metzgereien profitieren von der in die Kritik geratenen Massentierhaltung. „Wir wissen genau wo unser Fleisch herkommt und können das dem Kunden nachweisen“, sagt Frank Uhlemeyer.

Rosig sind die Zeiten in seinem Gewerbe aber lange nicht mehr. Vor 100 Jahren gab es im Raum Wuppertal noch mehr als 300 Metzgereien, 50 Jahre später nur noch rund die Hälfte, heute schätzt Uhlemeyer die Zahl auf gerade einmal zwölf Betriebe. Er kann sich noch erinnern, dass die Kunden in den ersten Jahren an der Kieselstraße noch Wartemarken ziehen mussten, wenn sie ihren Sonntagsbraten kaufen wollten — so groß war der Andrang.

Mittlerweile ist der Sonntagsbraten längst aus der Mode. Heute muss es schnell gehen. „Wir bereiten das Fleisch viel mehr vor als früher. Alles soll küchenfertig sein.“ Und selbst das reicht nicht immer aus. Viele Kunden nehmen Schnitzel oder Frikadellen schon gebraten mit nach Hause. Die heiße Theke und der Partyservice gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen der Metzgerei. 2001 haben die Brüder das Konzept überarbeitet und neben der Fleischtheke Sitzgelegenheiten für den Mittagstisch eingerichtet. Jens Uhlemeyer (39) hat zusätzlich zur Metzger-Ausbildung eine Kochlehre absolviert.

Die Urkunde für das 50-jährige Bestehen nehmen nicht nur die drei Brüder entgegen. Auch Gerhard Uhlemeyer (75) lässt sich diesen Moment nicht nehmen. Regelmäßig schaut er im Geschäft vorbei, in dem er selbst vor 50 Jahren die erste Wurst verkaufte.

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