Finanzkrise: 60 Millionen Euro fließen zur Sparkasse

Finanzkrise: 60 Millionen Euro fließen zur Sparkasse

Wuppertaler kaufen Gold und informieren sich über die Haftung der Banken. Die Wirtschaft ist sehr verhalten optimistisch.

Wuppertal. Die Kurse steigen - aber für die reale Wirtschaft trüben sich die Prognosen ein. Aufatmen oder Zwischenpause - was hat die Finanzkrise bisher im Bergischen ausgelöst, wie sind die Aussichten?

Bei der Wuppertaler Sparkasse haben verunsicherte Anleger in den ersten beiden Oktoberwochen nach Auskunft von Vorstandschef Peter Vaupel sage und schreibe 60 Millionen Euro mehr als im September angelegt. Die Aktienverkäufe haben sich verdoppelt. "Im September sind Aktien im Wert von 23 Millionen Euro verkauft worden und bisher wurden im Oktober Aktien im Wert von 44 Millionen Euro verkauft", schildert Vaupel die Situation und fügt an: "Nicht nur die Summe, auch die Zahl der Orders hat sich verdoppelt."

Auch die Wuppertaler flüchteten in die vermeintliche Sicherheit von Gold. Während die Sparkasse normalerweise Goldverkäufe für etwa 100.000 Euro im Monat verbucht, waren es im Oktober Verkäufe im Wert von zirka einer Million Euro. Vaupel: "Ich kann jedoch vor Gold wegen der starken Preisschwankungen nur warnen."

Entgegen aller Unkenrufe hat sich die Zahl der Wuppertaler, die Konsumkredite aufnehmen, bisher bei der Stadtsparkasse nicht verändert. "Frühere Erfahrungen zeigen uns, dass die Veränderungen bei den Konsumkrediten mit starker zeitlicher Verzögerung."

Bei der Wuppertaler Verbraucherzentrale haben in den ersten Wochen der Krise hunderte Anrufer bange gefragt, ob ihre Anlagen sicher sind - oder ob sich diese in Schall und Rauch auflösen. Dann jedoch, so Marlene Pfeiffer von der Verbraucherzentrale, änderte sich das Anruferverhalten. In den vergangenen beiden Wochen wollten viele Anrufer wissen, ob und wie sie aufgrund von Beratungsfehlern ihre Bank in die Haftung für ihre Verluste nehmen können.

Nachdem im Zuge der Krise das US-Versicherungsunternehmen AIG in Schieflage geraten war - und gerettet werden musste, steht die Stadt Wuppertal nun in der Pflicht, die Versicherung für ihre beiden Cross-Border-Leasing-Geschäfte (Kanalnetz und Müllheizkraftwerk) neu zu regeln. Nun sind beide europaweiten Ausschreibungen raus und Kämmerer Johannes Slawig hat die Vertreter der politischen Parteien über die Fristen informiert.

Die AWG hat 60 Tage Frist, die Stadt Wuppertal 90 Tage, um den Versicherungsgeber auszutauschen. Über die Kosten, so Slawig weiter, könnten noch keine Aussagen getroffen werden. Zugleich versichert der Kämmerer, die erhaltenen Barwertvorteile in Millionenhöhe seien erheblich höher als die "möglicherweise entstehenden Kosten."

Bei der Gefa Gesellschaft für Absatzfinanzierung weiß man nach Angaben von Jochen Jemlich noch nicht exakt, "was uns erwartet". Von der Muttergesellschaft Société Générale seien bislang trotz Milliarden-Abschreibungen noch keine Forderungen eingegangen. Großes Plus der Gefa: Für jedes Geschäft steht irgendwo ein Gegenwert in Form eines Busses, einer Maschine oder eines Flugzeugs. Doch die Gefa wird trotzdem vorsichtig. Jemlich rechnet mit Rückgängen in der Realwirtschaft. Das heißt für die Gefa: Neueinstellungen gibt es derzeit nur sehr behutsam.

Den Aktien der im S-Dax gelisteten Beteiligungsgesellschaft Gesco AG (Hauptsitz Döppersberg) ging es wie so vielen anderen auch: Vom All-Zeit-Hoch 58 Euro ging es bis Anfang der Woche steil auf 36,50 Euro runter. Folgen für das Geschäft? Bislang keine, so Oliver Vollbrecht. Weder bei den Töchtern noch bei deren Kunden gebe es einen Einbruch. Die Gesco sei sogar weiterhin so liquide, dass sie gegebenenfalls Käufe tätigen könnte.

Mitglieder des Immobilienverbands Deutschland aus Wuppertal, Solingen und Remscheid berichten zudem, dass die ausländischen Investoren im Zuge der Finanzkrise immer vorsichtiger werden: Im vergangenen Jahr kauften sie im Bergischen und vor allem in Wuppertal noch Immobilienpakete im Wert von etwa 150 Millionen Euro. In diesem Jahr werden höchsten 40 Millionen Euro Umsatz erwartet. Die Investoren steigen zudem mit einer deutlich höheren Eigenkapitalquote ein, weil das Geld bei den Banken nicht mehr so locker sitzt wie vor Beginn der Finanzmarkt-Krise. Auch die Abwicklung nimmt nun in der Regel nicht mehr wenige Wochen, sondern Monate in Anspruch.

"In den aktuellen Zahlen sind Auswirkungen bisher nicht erkennbar", sagt Peter Oberegger, persönlich haftender Gesellschafter von Vorwerk für sein Unternehmen. Laut Oberegger ist Vorwerk für Erschütterungen der Weltwirtschaft gut gerüstet. So sei etwa das Kursrisiko für mexikanische Pesos abgesichert. In Mexiko sitzt die Kosmetik-Sparte.

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