Fachkräftemangel: Die Firmen stellen wieder mehr Lehrlinge ein

Fachkräftemangel: Die Firmen stellen wieder mehr Lehrlinge ein

Zur Halbzeit des Ausbildungsjahres sind 153 mehr Stellen gemeldet als vor einem Jahr. Betriebe übernehmen mehr Auszubildende.

Wuppertal. Der Aufschwung kommt an — Wuppertaler Unternehmen investieren wieder verstärkt in Ausbildung. „Es gibt einen erfreulichen Trend, aber abgerechnet wird zum Schluss“, sagt Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Wuppertal. „Es ist angekommen, dass ein Fachkräftemangel droht“, berichtet Andreas Conrad von der Kreishandwerkerschaft. Deswegen werde wieder mehr in Auszubildende investiert, so der Malermeister.

In Zahlen heißt das: Im vergangenen halben Jahr wurden 1386 Stellen gemeldet. Das sind 153 oder 12,6 Prozent mehr als im vergangenen März gemeldet waren. 909 davon sind noch frei (2010: 756) — auf diese können sich die noch unversorgten 1386 Interessenten (2010: 1360) bewerben. 2204 Bewerber wurden insgesamt gemeldet (2010: 2120).

Ein entscheidendes Signal: Laut Conrad werden auch mehr Azubis übernommen, denn „man hat weniger Leute. Es gehen im Moment mehr in Rente“. Nach einer Umfrage wisse man, dass viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze halten oder ausweiten, so Klaus Appelt von der Industrie- und Handelskammer. Ein Problem sei jedoch, dass nicht immer geeignete Bewerber da sind. „Es mangelt an Motivation, Disziplin und Erscheinungsbild. Viele können nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen.“

Vor allem Hauptschülern fehle es oft an Sozialkompetenzen, sagt Conrad. Doch wenn Schüler schon früh durch Praktika an Berufe herangeführt werden, laufe es besser. Aus seinen Bemühungen in den Schulen berichtet Konrad: „Die Mützenträger, die ihre Füße auf den Tisch legen, werden weniger.“ „Man muss Schüler früh erreichen“, sagt Klebe.

Mädchen konzentrieren sich stärker auf Wunschberufe (etwa kaufmännische Berufe) als Jungen. Doch Vorurteile gegenüber Mädchen im Handwerk seien „gemachter Quark“, so Conrad. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass Frauen gute Arbeit leisten. „Das sind meine besten Azubis“, bekräftigt Conrad.

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