Elektrofahrrad für die Zielgruppe sportliche Fahrer

Geschäftsidee: Student baut E-Bikes im Wohnzimmer

Can Öcal bietet in Eigenproduktion Fahrräder an.

So manches Weltunternehmen ist  in einer Garage gegründet worden. Can Öcal hat weiter oben angefangen, denn seine Manufaktur zur Herstellung von E-Bikes hat er zwei Stockwerke höher in einem Einfamilienhaus am Guerickeweg angesiedelt. Dort schraubt der 22-Jährige Wirtschaftsstudent der Bergischen Universität den „Citypanta“ aus hochwertigen Einzelteilen zusammen.
Die zündende Idee hatte Öcal, als er auf einer Messe auf ein E-Bike mit einem versteckten Motor stieß. „Da war ich total begeistert, aber das Rad war für mich nicht bezahlbar“, sagt Öcal. Nun hat sich der Tüftler sein eigenes E-Bike zusammengestellt, mit dem er auf einer Teststrecke vor der eigenen Haustür schon gute  Erfahrungen gemacht hat. „Ich bin die Cronenberger Straße ohne zu schwitzen hochgefahren.   Niemand, der mich auf meinem Rad gesehen hat, wäre auf den Gedanken gekommen, dass ich auf einem E-Bike unterwegs bin“, ist Can Öcal überzeugt. Der Akku steckt in einer dünnen Stange, man sieht ihn wegen des filigranen Aufbaus  des Rades tatsächlich nicht.

14 Kilo wiegt das Rad und es  soll in der Standardausführung unter 2000 Euro kosten. „Vergleichbare Räder gibt es nur ab 3000 Euro“, sagt Öcal. Die Reichweite mit Elektroantrieb beträgt 60 Kilometer, die Ladezeit vier Stunden.  Fünf verschiedene Antriebs- Unterstützugsstufen können geschaltet werden.

„Ich bin für eine Woche  nach China gefahren, um mir die besten Einzelteile für das Rad zusammen zu suchen. Die Teile stammen alle von namhaften Herstellern, die in China beziehungsweise Hongkong produzieren. Der Sattel kommt von einem englischen Hersteller. In dieser Zusammenstellung gibt es das Rad nur bei mir“, sagt Öcal.

So wie bei der Zusammenstellung des Citypantas will er auch beim Verkauf nichts dem Zufall überlassen. „Im Umkreis von 50 Kilometern komme ich mit dem Rad zu vereinbarten Probefahrten vorbei“, verspricht der Jungunternehmer, der mit seinen Rädern erst seit gut zwei Wochen auf dem Markt ist. Einzelteile für knapp 20 Räder hat er zunächst einmal in seiner Wohnzimmer-Werkstatt gelagert.

„Von der Gestaltung der Internetseite bis zur Erledigung  aller Formalitäten habe ich eine Menge dazu gelernt“, sagt der 22-Jährige, der hofft, seinen Beitrag dazu zu leisten, dass in Zukunft mehr Menschen auf das Rad umsteigen. Gerade bei jüngeren Radfahrern hat das E-Bike noch ein Image-Problem. Es gilt als sperrig und wird eher mit der älteren Radfahrer-Generation in Verbindung  gebracht. Der Citypanta ist der Gegenentwurf. Und mit seinem Rad hat sich Can Öcal auch schon unter die hunderte Teilnehmer der Bewegung „Critical Mass“ gemischt, die an bestimmten Tagen als Kolonne mit Vorfahrtsrechten auf der Talsohle unterwegs sind.  

Nun ist Can Öcal gespannt, wie sich sein Geschäftsmodell entwickelt. „Zurzeit ist das für mich als Studenten ein Nebenjob, in den ich aber schon sehr viel Zeit gesteckt habe. Mein Ziel ist es schon, vom Verkauf der Fahrräder zu leben“, sagt der Wirtschaftsstudent.

Mehr von Westdeutsche Zeitung