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Die Corona-Krise ist nicht nur in Wuppertal der große Veränderer

Diskussion : Corona-Krise ist der große Veränderer

Diskussionsreihe im Internet befasst sich mit den Folgen der Pandemie für die Gesellschaft – erste Folge zur Wirtschaft.

Angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen ist der Weg zu einer Post-Corona-Gesellschaft in Deutschland und der Welt möglicherweise noch ziemlich weit. Aber irgendwann ist sie da: Mit der Frage, wie die Gesellschaft nach Bewältigung der aktuellen Pandemie dann aussehen sollte, befasst sich deshalb das Online-Diskussionsformat  „Post Corona: Wege in die neue Normalität“, das vom Wuppertal Institut und dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal, Solingen, Remscheid organisiert  wird. Am Donnerstag startete die Veranstaltungsreihe mit einer Debatte über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft.  Fazit: Die Krise ist schmerzhaft und fordert Opfer, doch sie kann der große Beschleuniger sein, der die Welt auf einen besseren, weil nachhaltigen Weg führt.

Mit einem Impulsvortrag eröffnete der wissenschaftliche Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, Manfred Fischedick, die Zoom-Videokonferenz. Er warf unter anderem einen Blick auf die Konjunkturprogramme der EU und der Bundesregierung. Wichtig sei, dass diese Programme kurzfristig wirkten, effektiv und zeitlich begrenzt seien. Erfreulich sei zudem, dass die Unternehmen in der Diskussion um staatliche Hilfe auf die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen gedrängt hätten. Das sei eine neue Entwicklung, die zeige, dass auch Wirtschaftsvertreter die Bedeutung des Problems erkannt hätten.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen hätten in „exorbitanter Geschwindigkeit“ dafür gesorgt, dass sich alte Verhaltensmuster geändert hätten – das betreffe Bereiche wie Mobilität, Arbeit oder Urlaub. Die Wirtschaft habe erleben müssen, wie ein von der Politik verordneter Lockdown den Betrieb zum Stillstand gebracht habe. Es handle sich um eine „Krise mit globalen Auswirkungen“, in der die Wissenschaft eine wichtige Rolle einnehmen könne, erklärte Fischedick. Es gehe jetzt darum, Maßnahmen für mehr Klimaschutz auf die Tagesordnung zu setzen, aber auch dafür zu sorgen, dass problematischen Entwicklungen gegengesteuert werden kann: So seien die Zahlen der Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Bahn wegen der Corona-Krise deutlich zurückgegangen.

Der Unternehmer, Autor und Vizepräsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Jörg Heynkes, zeichnete zunächst in eher düsteren Farben ein Bild der näheren Zukunft. Die aktuellen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft seien „nicht wirklich gut“. Mehrere Zehntausend Menschen im Bergischen Städtedreieck befänden sich derzeit noch in Kurzarbeit, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sei deutlich gestiegen. In der Gesellschaft drohe sich die „soziale Schieflage“ weiter zu verstärken.

Doch wo Gefahr ist, wächst  bekanntlich auch das Rettende. Die Corona-Pandemie sei vermutlich „das Beste, was uns passieren konnte“, sagte Heynkes. Soll heißen: Die Krise ist der „Beschleuniger des Klimawandels“, sie sorge dafür, dass „wir schneller dahin kommen, die notwendigen Schritte zu tun“. Unternehmen, die sich jetzt nicht nachhaltig und klimafreundlich aufstellten, seien in ein, zwei Dekaden nicht mehr am Markt. Zugleich räumte der Unternehmer, der als Folge der Corona-Krise den Betrieb in seiner Villa Media einstellen muss, aber auch ein, dass ihn der Lockdown persönlich sehr mitgenommen habe: „Ich habe gelitten wie ein Hund!“

Wirtschaftliche Lage schwer, Stimmung aber gut  – auf diesen Nenner brachte Ute Brüne, Prokuristin der Offset Company GmbH, die Situation in ihrem Betrieb. Das Unternehmen habe zwar seit März Einbußen von knapp einem Drittel hinnehmen müssen, zugleich sei man aber als Team enger zusammengerückt. „Wir haben jetzt eine bessere Stimmung als vor Corona“, sagte sie. Grundsätzlich gelte aber, dass durch die aktuelle Krise das gesamte Unternehmenskonzept „in Frage gestellt“ sei.