Der Lohn der Forschung

Der Lohn der Forschung

Nach zehnjähriger Forschungsarbeit für ein Thrombosemittel gab es den Zukunftspreis des Bundespräsidenten.

Wuppertal. Forschung in der Pharma-Industrie; das ist hochriskant, kostet jede Menge Geld, dauert bis zum Ziel unglaublich lange - und kann selbst kurz vor der geplanten Markteinführung noch scheitern. Das jetzt mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnete Bayer-Team aus Wuppertal hat da mehr Fortune.

Nach zehnjähriger Forschung mit einem Einsatz von Medienberichten zufolge rund einer Milliarde Euro für das neue Thrombosemittel in Tablettenform ist der Wirkstoff Rivaroxaban unter dem Markennamen Xarelto seit rund einem Jahr tatsächlich auf dem Markt. Und damit auch noch vor dem Medikament eines deutschen Wettbewerbers, der in ähnlicher Richtung forscht.

So erfüllt sich nicht nur der Wunsch der Forscherin Elisabeth Perzborn, die stets hoffte, dass sich das Überwinden der Forscher-Frustrationen lohnt und etwas Bleibendes dabei rauskommt. Zusammen mit dem Team von Frank Misselwitz ("Ich kann als Forscher mehr Patienten helfen als am Krankenbett") und Dagmar Kubitza ("Jeden Tag etwas Neues zu lernen, ist phantastisch") vom Forschungszentrum Aprath erhielten sie auch den mit 250000 Euro dotierten Preis für den neuartigen Wirkmechanismus. Der ist laut Studien effektiver als andere Präparate und kann vor allem in Tablettenform eingenommen werden.

Das ständige Spritzen hat also ein Ende - zumindest theoretisch. Denn erste mahnende Stimmen sehen bereits gerade auch nach der Einführung von Xarelto eine neue ethische Diskussion auf die Menschen zu kommen. Nach Erkenntnis von Martin Bechem, Leiter der kardiologischen & hämatologischen Forschung in Wuppertal, wissen zwar auch die Krankenhäuser um die Vorzüge des neuen Bayer-Präparats. Doch die Konditionen mit den Lieferanten des Spritzen-Präparats seien derart gut, dass längst nicht überall das teurere Xarelto eingesetzt wird.

Das trübt die Freude über den Zukunftspreis aber zunächst nicht. Strahlt er doch auf die gesamte Arbeit in den beiden Wuppertaler Bayer-Standorten.

Noch größer wäre die Freude allerdings, wenn Xarelto auch den Sprung in die umsatzstärksten Top-Ten-Produkte von Bayer Schering Pharma schaffte. Dort ist das Medikament bislang noch nicht zu finden. Ist es erst einmal für weitere Indikationen zugelassen, kann sich das allerdings ändern.

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