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Buchhändler: „Das ist ein Verdrängungswettbewerb“

Buchhändler: „Das ist ein Verdrängungswettbewerb“

Nach dem Nettesheim-Aus: Die inhabergeführten Geschäfte stellen klar, dass der Markt keineswegs unendlich ist.

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p class="text"><strong>Wuppertal. "Der Markt gibt es nicht her." Angesichts der aggressiven Expansion der Mayerschen sowie der Thalia Buchhandlung und dem angekündigten Aus für die Nettesheim stellen die inhabergeführten Traditions-Buchhandlungen unmissverständlich klar, dass es ans Eingemachte geht. "2000 Quadratmeter mehr an Buchhandelsfläche wird man spüren. Das ist ein Verdrängungswettbewerb", sagen Michael Kozinowski (Buchhandlung v. Mackensen), Margit Rohde (Baedeker) und Heide Geisendörfer (Schoeningh), die ihre Läden in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander an der Friedrich-Ebert-Straße betreiben. Was die drei Händler unter anderem ärgert, ist das Gefühl, dass da da die Großen kommen und erklären, wie es funktioniert. Dabei sei es an der Tagesordnung, dass Kunden mit der Thalia-Tüte in der Hand den Laden betreten und beraten werden möchten. Genau das sei aber eben auch eine der Stärken des inhabergeführten Buchhandels. Margit Rohde spricht in diesem Zusammenhang von einer Kompetenz-Tapete. "Auch wenn man weiß, dass ein Artikel vielleicht nur sehr selten verkauft wird, muss es da sein." Dinge vorhalten, die nicht zum Standard-Programm gehören, lautet das Motto.

Was die angeblichen Unterschiede zu den Großen angeht? "Wir haben auch alle unsere Spielecke, ein Sofa, eine Kaffeemaschine." 30 000 verschiedene Titel vorzuhalten, das schaffen auch die Kleinen. Und ist wegen der geringeren Zahl an Exemplaren mal eines nicht da, ist es über die zweimal täglich stattfindenden Lieferungen sehr schnell verfügbar.

Überlegungen, Anbieter zusätzlicher Waren mit ins Geschäft zu holen, führen die drei Buchhändler nicht. "Dafür hätten wir gar keine weitere Fläche frei", sagen sie. Den Schachzug von Thalia, in den P&C-Neubau miteinzusteigen nennen sie trotzdem geschickt.

Bei allen Schwierigkeiten: Einen Trend machen Michael Kuzinowski, Margit Rohde und Heide Geisendörfer eindeutig aus. "Es gibt Kunden, die wollen angesprochen werden. Die Leute wollen wieder verstärkt Geschäfte wie uns. Die Menschen sprechen wieder mehr miteinander." Gleichwohl: Alle drei haben zwar Kinder. In das elterliche Unternehmen will jedoch keines von ihnen einsteigen.

Der Beruf an sich steht zudem vor einer Wende. Es gibt Überlegungen, Kompetenzen des Event-Managements und der Internet-Fähigkeiten in die Ausbildung einzupflegen. Schließlich sind 200 Gäste bei einer Baedeker-Veranstaltung beispielsweise zur Provence keine Seltenheit. Outdoor-Seminare mit anschließenden Orientierungsversuchen in den Wuppertaler Wäldern gehören ebenfalls dazu.

Europaweite Ausschreibung Schulbücher haben einen Auftragswert von 1,1 Millionen Euro. Seit 2001 muss die Stadt europaweit ausschreiben. Folge: Die Aufträge gehen an Wuppertal vorbei, trotz Buchpreisbindung. Besonderheit: Wer nicht mit von der Partie war, erhält für das Folgejahr auch weniger Rabatt.

Thalia kommt 2001 betritt mit Thalia (City-Arkaden) der erste Große der Branche den Wuppertaler Markt.

Fassbender gibt auf Im Oktober 2002 gibt die Buchhandlung Johs. Fassbender an der Grünstraße auf. Im Sommer darauf meldet die Schöningh Buchhandlung GmbH & Co. KG Insolvenz an. Schöningh überlebt.

Müller und Röder geben auf Im Mai 2007 gibt die Buchhandlung Emil Müller KG bekannt, den Laden an der Winklerstraße zu schließen, der Versandbuchhandel bleibt. Später übernimmt die Mayersche Buchhandlung Albert Röder auf dem Werth.

"Elefantenrennen": Im Sommer 2007 kündigt die Mayersche Buchhandlung an, eine Filiale im neuen Hertie-Haus zu eröffnen. Dann verlässt die Köndgen GmbH die Rathaus-Galerie - wenige Jahre nach dem Einzug. Thalia zieht in die Filiale.

Verdrängungskampf Thalia kündigt an, einen dritten Standort in Elberfeld zu eröffnen - und zwar im neuen P & C-Stadthaus am Wall.

Nettesheim gibt auf Das "Haus der Bücher Nettesheim" an der Herzogstraße gibt nun bekannt, im Sommer dieses Jahres zu schließen.

Marge Im Durchschnitt verdienen die Händler etwa 30 Prozent pro verkauftem Buch. Bei Schulbüchern sind es nur 20 Prozent, bei Fachzeitschriften weniger als 20 Prozent. Von dieser Marge sind noch Personalkosten abzuziehen. Die Miete für die Läden macht etwa 4 vier Prozent des Umsatzes aus.

Preisschilder Für die Tatsache, dass es Thalia verboten worden ist, mit dem Begriff "Thalia-Preis" zu werben, haben die drei Händler unisono eine Antwort: "Das finden wir gut."

Weihnachstgeschäft Gut 50 Prozent des Jahres-Umsatzes machen die Buchhändler zu Weihnachten.