Bayer investiert 95 Millionen am Standort Wuppertal

Bayer investiert 95 Millionen am Standort Wuppertal

Der Stellenabbau wird Wuppertal nicht hart treffen. Derzeit werden die Kapazitäten für die Wirkstoffproduktion erweitert.

Wuppertal. Der Wuppertaler Bayer-Standort sieht den Kürzungsplänen des Konzerns relativ gelassen entgegen. Wie Standortleiter Klaus Jelich jetzt berichtet, „werden wir hier keinen Erdrutsch erleben.“ Denn Personal soll vor vor allem in Verwaltung und Vertrieb abgebaut werden. Beides ist in Berlin stärker ausgeprägt als in Wuppertal. Und der Konzern werde kaum ausgerechnet in den in Wuppertal ansässigen Forschungsrichtungen Onkologie und Herzkreislauf-Erkrankungen sparen wollen.

Aktuell passiert eher das Gegenteil: Denn nachdem bereits im vergangenen Jahr 83 Millionen Euro für Anlagen und Instandhaltung in den Standort flossen, sind es in diesem Jahr sogar rund 95 Millionen Euro, etwa 44 Millionen davon für neue Forschungs- und Produktionsanlagen.

Teuerste Einzelinvestition ist das derzeit entstehende Technikum Zellbiologie im Werk an der Wupper. Dort werden biologische Wirkstoffe ausschließlich für den Einsatz in klinischen Studien hergestellt. Und die Investition ist ein Zeichen des konsequenten Ausbaus der Biologika-Forschung und der Konzentration auf Antikörper, Gerinnungsfaktoren und die Krebstherapie.

Weitere Investitionen sind die jüngst in Betrieb genommen Laborgebäude für die Qualitätskontrolle und zum Beispiel das Blockheizkraftwerk.

An der Wupper baut Bayer zudem die Produktionskapazitäten für den Xarelto-Wirkstoff aus. Das Herzkreislauf-Präparat (Thrombose- und Schlaganfall-Vorbeugung) könnte später einen jährlichen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro bringen und sich so an die Spitze der Medikamente setzen. Schon jetzt produziert Bayer im Werk Elberfeld die Wirkstoffe für fünf der umsatzstärksten Medikamente von Bayer HealthCare. Das sind Nexavar (Nieren- und Leberkrebs), Adalat (Blutdrucksenker), Avalox (Antibiotikum), Levitra (erektile Dysfunktion) und Glucobay (Diabetes).

Die Pipeline? Sie ist nach Angaben von Forschungsbereich-Leiter Hanno Wild mit 46 Projekten in den klinischen Phasen I bis III gut gefüllt. Ein Hoffnungsträger ist dabei Riociguat zur Behandlung von Lungenhochdruck.

Die Entwicklungskosten für solch eine Substanz liegen nach Angaben von Wild bereits bei rund zwei Milliarden Euro. Ein Alleinstellungsmerkmal des Standorts Wuppertal ist dabei das Substanzlager im Forschungszentrum Aprath mit 2,9 Millionen Testverbindungen. „Das haben weltweit höchstens noch zwei Firmen“, so Wild.

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