Auf der Suche nach Milch und Brötchen in Beyenburg

Auf der Suche nach Milch und Brötchen in Beyenburg

Die Nahversorgung im Stadtteil ist kaum noch vorhanden. Jetzt möchte Netto hier einen Standort eröffnen.

Morgens um 10 Uhr in Beyenburg — es ist kalt, es regnet, meine Schuhe sind durchnässt und es gibt noch ein Problem: Ich habe Hunger. Doch weit und breit finde ich keinen Supermarkt. Auf der Suche nach einem Liter Milch und einem Brötchen tigere ich durch den Stadtteil. Da ist ein Baby-Fachgeschäft und ein Reisebüro, das hilft mir aber auch nicht unbedingt weiter.

„Ohne ein Auto ist man hier schon aufgeschmissen. Wir fahren zum Einkaufen nach Schwelm“, sagt Holger Rauscher, den ich vor dem Reisebüro treffe. Es stellt sich heraus, dass das Reisebüro auch eine Poststelle und ein kleiner Kiosk ist. Und das Wichtigste: Hier gibt es Kaffee, der zumindest gegen die Kälte hilft. Ein zusätzlicher Pullover wäre auch nicht schlecht, doch nach einem Bekleidungsgeschäft kann ich wohl lange suchen.

„Ich kaufe meistens in Oberbarmen ein. Da fahre ich mit dem Bus hin und trage die Einkäufe dann nach Hause“, sagt eine ältere Passantin. Gerüchte über einen Supermarkt, der bald gebaut werden soll, habe es immer wieder gegeben, passiert sei jedoch nie etwas.

Momentan gibt es diese Gerüchte wieder: Ein Netto soll nach Beyenburg kommen, so heißt es jedenfalls in den sozialen Medien. „Wir würden alle viel davon halten, wenn es hier bald einen Supermarkt geben würde. So wie ich das mitbekomme, fragt sich hier jeder, wo er einkaufen soll“, bestätigt Elke Birk Pahlen. Glücklicherweise könnten sich in Beyenburg viele über Verwandte und Nachbarn behelfen.

„Es stimmt, Netto ist daran interessiert, hier einen Standort zu eröffnen“, sagt Norwin Schulte-Hürmann, Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins. „Der Bürgerverein, der Bezirksbürgermeister, Vertreter der Parteien und Netto haben sich zusammengesetzt und einen Antrag bei der Stadtverwaltung Wuppertal gestellt. Es soll geprüft werden, ob das Grundstück in der Nähe der Altglascontainer an der Porta Westfalica geeignet wäre.“ Eine Rückmeldung wird zur kommenden Bezirksvertretungssitzung am 20. Januar erwartet.

Das ist toll, doch in meiner unglücklichen Lage hilft mir diese Aussicht nicht. Vor lauter Verzweiflung überlege ich, einen Appetitzügler in der Apotheke zu kaufen. Doch dann komme ich an einer Bäckerei vorbei und erwerbe glücklich ein belegtes Brötchen. Medizinische Hilfe ist nun nicht mehr nötig.

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