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Arbeitslos: Zu schnell droht dann Hartz IV

Arbeitslos: Zu schnell droht dann Hartz IV

Oft reicht die Dauer der Anstellung nicht, um danach Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu haben.

Wuppertal. Fast 1900 Beschäftigte in Wuppertal sind nach Berechnungen des DGB im vergangenen Jahr direkt in das Hartz-IV-System gerutscht, nachdem sie ihren Job verloren hatten. Sie mussten Hartz-IV-Leistungen bereits sofort bei Eintritt der Arbeitslosigkeit beziehen, obwohl sie zuvor Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt hatten. Denn die Zeit ihrer Berufstätigkeit hat nicht ausgereicht, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld aufbauen zu können.

Andere Betroffene haben so schlecht verdient, dass sie ergänzend zum Arbeitslosengeld auf Hartz IV angewiesen sind. Der Weg vom Beschäftigten zum Hartz-IV-Empfänger ist für viele Menschen ein sehr kurzer geworden, folgert daher der DGB. Guido Grüning, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes, nennt diese Entwicklung „Besorgniserregend“ — und sieht Bedarf für gesetzliche Korrekturen.

Zwischen den einzelnen Branchen zeigen sich nach Erkenntnis des DGB große Unterschiede in Wuppertal: So ist das Risiko in der Industrie niedriger als in anderen Branchen. Denn vergleichsweise geringe acht Prozent der im verarbeitenden Gewerbe Beschäftigten, die 2012 den Job verloren haben, mussten staatliche Fürsorgeleistungen beziehen. Im Gastgewerbe steigt die Hartz IV-Bedürftigkeit hingegen bereits auf ein Fünftel derjenigen, die den Job verloren haben.

Und besonders ausgeprägt ist das Armutsrisiko demnach im Verleihgewerbe. Jeder vierte Leiharbeitnehmer, der 2012 den Job verloren hat, musste im direkten Anschluss Hartz IV beantragen und sich vor den Behörden weitgehend „finanziell“ ausziehen.

Leiharbeitskräfte verlieren folglich nicht nur weit häufiger den Job als in der Industrie, sondern sind zugleich weit häufiger nach Jobverlust auf Hartz IV angewiesen. Der DGB und Grüning halten es daher für dringend erforderlich, den sozialen Schutz der Arbeitslosenversicherung wieder zu verbessern. Prekär Beschäftigten müsse ein besserer Einstieg in den Versicherungsschutz sowie zur Arbeitsförderung eröffnet werden. kuk