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Campus Wuppertal: „Wirkliche Energieinnovationen kommen nur aus Wuppertal“

Campus Wuppertal : „Wirkliche Energieinnovationen kommen nur aus Wuppertal“

Uni und WSW forschen zur flexiblen Stromnutzung in der Industrie.

„Wirkliche Energieinnovationen kommen aus Wuppertal.“ So sieht es Markus Zdrallek von der Bergischen Universität. Er und seine Kollegen forschen nämlich gerade zusammen mit den Stadtwerken an einer „strompreisorientierten Lastverschiebung“ in der Industrie. Das Projekt nennt sich Happy Power Hour und wurde am Donnerstag im Betriebsrestaurant der WSW in den Kreis der Projekte der Klima Expo NRW erhoben.

Was kryptisch klingt, ist im Grunde ganz einfach. Denn gerade für mittelständische Betriebe ist es schwer, sich an die schwankende Erzeugung von erneuerbaren Energien anzupassen. Dabei soll das Projekt helfen. Uni und WSW arbeiten dabei mit zehn Industrieunternehmen zusammen, um die Potenziale auszuloten und dann ganz praktisch zu testen, ob es klappt. Das passiert im nächsten Schritt, der Anfang des Jahres begonnen hat.

Die Forscher der Uni gehen dafür in die Unternehmen. Benedikt Dahlmann vom Lehrstuhl für elektrische Energieversorgung erklärt, dass er und seine Kollegen mit den Unternehmen erstmal einen Schnelltest machen: Was für Prozesse haben sie, wie oft und wann laufen die, wie viel Strom verbrauchen die? Während die meisten Unternehmer sagen würden, es gebe dafür keine Flexibilität, fänden Dahlmann und seine Kollegen aber schon dabei heraus, ob und wie viel Potenzial da sei — innerhalb einer halben Stunde. Es folgen eine genaue Analyse und dann der Einbau eines Geräts — der Happy Power Hour Box.

Die ist Teil des WSW-Angebots, das damit einhergeht. Die Stadtwerke, die sich laut Vorstandsvorsitzendem Andreas Feicht eben nicht mehr als Versorger, sondern als Dienstleister für Energie sehen, bieten über die Box eine flexible Nutzung von Strom an. Die Box kennt die Strompreise und die Abläufe des Unternehmens und steuert beides so, dass die größtmögliche Ersparnis dabei herauskommt.

Zdrallek spricht von einer Win-win-win-Situation. Die Unternehmen könnten die Stromkosten um bis zu 50 Prozent senken. Die Stadtwerke verdienen Geld mit dem flexiblen Angebot. Und ganz übergeordnet sei das gut für die Umwelt und die Netze, die so optimal genutzt werden könnten.

Benedikt Dahlmann sagt, diese Herangehensweise sei neu — vor allem für die Unternehmer. Früher hätte man Firmen geraten, gleichmäßig Strom zu verbrauchen. Seitdem habe sich viel geändert.

Heinrich Dornbusch von der Klima Expo NRW sagte, hier würde „in eindrucksvoller Weise“ gezeigt werden, wie man trotz des Klimawandels an einer Zukunft für die Industrie arbeiten könne — eben durch innovative Lösungen. Markus Zdrallek geht heute schon davon aus, dass sich die Idee durchsetzen wird: „Wenn das ans Fliegen kommt, dann hat das in drei Jahren jeder zweite Energieversorger.“