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„Wir wollen die Jugend an das Tanztheater heranführen“

„Wir wollen die Jugend an das Tanztheater heranführen“

Das Tanztheater Pina Bausch intensiviert die Arbeit mit Schülern der Stadt Wuppertal.

Für Intendantin Adolphe Binder ist es eine „wichtige Herzensangelegenheit“, der zwölfjährigen Jule gefällt, „dass jede Bewegung Tanz ist, nicht nur Ballett“, und Tänzerin Ruth Amarante möchte „die Kinder am liebsten nicht wieder hergeben“. Drei Aussagen zu einem Projekt, das seit September das Tanztheater Pina Bausch mit der Jugend Wuppertals zusammenbringt. Insgesamt 350 Kinder und Jugendliche nehmen an „tanz, tanz ...“ teil, das wiederum Baustein der Projektreihe „Feuer & Flamme“ des Tanztheaters ist. Den Grundstein dafür legte Pina Bausch selbst: Sie studierte 2008 mit 40 Schülern ihr Stück „Kontakthof“ ein.

Die Grundidee ist einfach und bedeutsam zugleich: „Alle Menschen können etwas kreieren. Wir wollen über das gemeinsame Schöpfen die Jugend an Tanz und Tanztheater heranführen“, erklärt Binder das Vorhaben. Die Künstler wollen als Mentoren, nicht als Pädagogen, aktiv werden. Denn es gehe darum, „die Kinder zu Wort kommen, selbst machen zu lassen“, ergänzt Projektleiterin Amarante. In Blöcken à drei Monaten „trainieren“ zirka 30 Schüler der 5. und 6. Klasse an einem Tag in der Woche, von 8 bis 12 Uhr, im Probenraum des Tanztheaters in der Lichtburg. Sie lernen Methoden der Körperarbeit, Tanztechniken, künstlerische Ausdrucksformen und Techniken kennen. Ein Angebot, das die Schulen nicht ausschlagen konnten und wollten. Zumal es „herrlich unkompliziert abläuft“. Den Anfang machte die Realschule Leimbach, aktuell ist die Rudolf-Steiner-Schule von Jule und Lukas dran. Der Zwölfjährige genießt es, „in der Gruppe zu arbeiten, um gemeinsam etwas zu erreichen“. Dokumentiert wird ihr Tun vom Medienprojekt Wuppertal: Die Jugendlichen filmen und erzählen die Geschichte der Kinder. Ihr erster Film läuft am 6. Dezember im Cinemaxx.

Lob kommt von allen Seiten. Realschullehrerin Stephanie Pütz betont die „phänomenale“ Erfahrung, dass „Kinder hocherfreut und offen mitgemacht und sich entwickelt haben. Das war einfach schön anzusehen.“ Und Tänzer Daphnis Kokkinos erinnert besonders den Eifer der Kids, die nur zu gern seiner Aufforderung zum Selbermachen folgen, ohne Pause, motiviert und konzentriert, und am liebsten auch in den Ferien und zuhause. Klar, dass man auch nach Projektende „die Kinder im Blick behalten und sie länger begleiten will“, betont Amarante.

Im Januar starten weitere Jugendprojekte: 14- bis 15-Jährige der Gesamtschule Barmen entwickeln in vier Wochen, angeleitet von professionellen Mentoren aus Wuppertal, gemeinsam ein Stück, mit allem was dazu gehört: Bewegung, Musik, Projektmanagement, Bühnenbild, Video-Dokumentation. Außerdem geht das Tanztheater in die Stadtteile, um dort an soziakulturellen Zentren binnen eines halben Jahres Bewegungsstücke zu erarbeiten. Ruth Amarante: „Durch die inensive Arbeit mit den Kindern glauben wir, auch ihre Geschwister und Familien zu erreichen.“ Denn, so Binder, „wir wollen stärker in die Stadt wirken“. Weitere Projekte sollen folgen.