Kulturkindergarten: „Wir sind ganz viele – und wir sind bunt!“

Kulturkindergarten : „Wir sind ganz viele – und wir sind bunt!“

Der Wuppertaler Kulturkindergarten nahm am Montag den Betrieb an der Nordbahntrasse auf.

Sitzkissen fliegen kreuz und quer durch den hellen Raum, es wird gerannt und gelacht. Auf ein Signal setzen sich Kinder und Pädagogen, und Björn Krüger greift zur Gitarre. „Hier wird geklatscht, hier geht es rund“, schallt es vielstimmig bis zur hohen Decke, „wir sind ganz viele – und wir sind bunt!“ Viele Kinder lassen sich mitreißen, klatschen in die Hände, stehen auf und tanzen ausgelassen. Nach mehreren Verzögerungen hat der Kulturkindergarten gestern zur Freude von Kindern, Eltern und Erziehern den Betrieb im neuen Gebäude in der Juliusstraße 20 an der Nordbahntrasse aufgenommen.

Das Farbenkinderlied, das Musikpädagoge Krüger für den Kulturkindergarten geschrieben hat, spiegelt seine Grundidee: eine Kita mit einem kulturellen Angebot für Familien aus verschiedensten Hintergründen schaffen und damit eine „Lücke in der Präventionskette schließen“, so beschreibt es Joachim Heiß, Geschäftsführer der Alten Feuerwache. Damit die Einrichtung trotz der Verzögerung im Bau pünktlich zum Beginn des Kita-Jahres am 1. August starten konnte, wurden je 30 Kinder zunächst in der Feuerwache und in einem ehemaligen Kindergarten der Diakonie an der Kyffhäuser Straße untergebracht. „Wir hatten gute Ausweichstandorte“, betont die Kindergartenleiterin Astrid Ippig. „Aber es ist natürlich noch schöner, dass wir jetzt hier sind.“ Drei Gruppen mit je 20 Kindern werden jetzt von zwölf Pädagoginnen und Pädagogen betreut, geplant sind zwei weitere Gruppen und eine entsprechende Erweiterung des Teams.

Die geräumige „Piazza“ mit Glasfront Richtung Trasse bildet das Herzstück des langgestreckten Baus. Von dort aus gehen zu beiden Seiten Gänge ab – wie Straßen in einem kleinen Dorf. Im angeschlossenen Therapieraum ist Platz für logopädische oder ergotherapeutische Behandlungen. Die Einrichtung ist in hellen Weiß- und Grautönen gehalten – ungewohnt schlicht für einen Kindergarten. „Kinder sind heute oft visuell überreizt“, erklärt Ippig. „Da brauchen sie nicht auch noch bunte Wände um sich.“ Die Möbel in den farblich gekennzeichneten Gruppenräumen werden eifrig auf ihren Rollen hin und her geschoben. „Die Kinder sollen ihren Raum selbst gestalten“, so Ippig. Selbstbefähigung zu fördern, ist eine Grundidee der Einrichtung. Das gilt auch für den Außenbereich, in dem neben dem Klettergerüst gerade eine Sandgrube entsteht. „Wir wollen den Kindern nicht vorschreiben, ab welchem Alter sie welche Bereiche nutzen dürfen“, sagt Ippig. Das solle sich durch spielerische Barrieren selbst ergeben.

Im Mitarbeitertrakt wird pausiert und das Essen zubereitet, das vom Nachbarschaftsheim am Platz der Republik geliefert wird – alles vegetarisch, um verschiedenen kulturellen Nahrungsvorschriften gerecht zu werden. Bald soll außerdem frisches Obst und Gemüse im Kulturgarten vor der Tür geerntet werden können. Zum ganzheitlichen Konzept gehört neben gesunder Ernährung auch ein Kulturangebot, das sich „von dem lösen soll, was man gemeinhin unter Kultur versteht“, so Björn Krüger. Ziel sei es, musikalische und künstlerische Aktionen durch Impulse der Kinder aus sich selbst heraus entstehen zu lassen und in den Alltag zu integrieren. Im zukünftigen Musikzimmer wartet bereits ein Klavier – für finanziell benachteiligte Kinder ein besonderes Highlight. „Armut wird oft als Mangel an Möglichkeiten erlebt“, so Astrid Ippig. „Hier wollen wir diese Möglichkeiten schaffen“ – ganz im Sinne des Farbenkinderlieds. In Zukunft soll der Kulturkindergarten jedoch auch für kulturelle Veranstaltungen geöffnet werden.