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„Wir sammeln Ideen — und Sperrmüll“

„Wir sammeln Ideen — und Sperrmüll“

Vollplayback-Theaterhat die Jubiläumstour abgeschlossen — und plant schon für die nächste.

Britta Lemon hat sich einen Pannenfächer gekauft. So ein Ding, mit dem man, wenn die eigene Kiste liegengeblieben ist, am Straßenrand anderen Autofahrern signalisieren kann „Ich brauche Hilfe“ oder „Hilfe ist unterwegs“ und ähnliches. Wirklich brauchen tut Lemon den Fächer nicht. Jedenfalls nicht fürs Auto. Der Gedanke, „Das könnte ’was fürs nächste Stück sein“, schwang wohl eher mit. Lemon ist nämlich Protagonistin des Vollplaybacktheaters.

„Wir sammeln Ideen — und Sperrmüll“

Die fünf Herren und zwei Damen spielen Hörspiele live auf der Bühne nach. Bevorzugt die drei Fragezeichen, mit denen damals auch alles anfing. Die Neuadaptionen halten sich dabei — freundlich ausgedrückt — nicht unbedingt zu 100 Prozent ans Original, das höchstens das Gerüst stellt. Dafür gibt es Gastauftritte von John Sinclair bis Colt Seavers, irres Equipment auf der Bühne und vor allem eins: viel Spaß. Ein Konzept, mit dem das VPT bundesweit seine Fans hat. Die Jubiläumstour zum 20. Geburtstag ist gerade vorbei. Und nun heißt es: „Nach der Tour ist vor der Tour.“ Schon jetzt werden Ideen gesammelt. „Und auch Sperrmüll“, sagt Lemon und lacht. Alles könnte ja auf der nächsten Tour Verwendung finden.

Christoph Landwehr über die Jubiläumstour

Und auch, wenn Supaknut, Dokter Thomas & Co. eigentlich ungern Bilanz ziehen. Ein bisschen Rückschau muss sein. Etwa auf die Zahlen. Die sind nämlich ziemlich beeindruckend. Knapp 50 000 Besucher sahen zwischen Anfang Dezember und Anfang Mai bundesweit die 66 Shows. Die Auslastung lag bei mehr als 90 Prozent, ein Großteil war also ausverkauft. „Hamburg alleine sechs Mal“, blickt das VPT auf die Gastspiele an der Alster zurück. Überhaupt „war das wie ein Jahr Geburtstagsparty“, sagt Christoph Landwehr.

Mehrere 100 Besucher pro Show sind immer dabei. Der Rekord lag vor ein paar Jahren mal bei 1900. So richtig wohl habe man sich aber nicht gefühlt, erinnert sich David J. Becher. Seine Mitstreiter stimmen ihm zu. „Größer heißt nicht besser.“ Man wolle lieber das Niveau halten, und deshalb auch in Zukunft die Tour nicht weiter verlängern und in eher kleineren Hallen bleiben. „Wenn die Fans mit der Nase direkt an der Bühne sitzen“, sagt Lemon und Becher ergänzt: „Je unbequemer für’s Publikum, desto besser für Stimmung.“ Die habe meist etwas von Party, ist das VPT stolz.

Wobei, das räumt Lemon ein, man manchmal Überzeugungsarbeit leisten müsse. Gerade an neuen Tourstationen seien oft auch „Neue“ im Publikum dabei. Und nicht jeder könne mit dem, was das VPT auf der Bühne so macht, etwas anfangen, räumen die Protagonisten freimütig ein. Ein paar Städte gebe es, „da läuft das einfach nicht“. Wer jetzt nicht auf den VPT-Humor steht, das wollen sie dann aber doch nicht verraten. Es ist ja auch die seltene Ausnahme.

Die Vollplaybacker sind merklich stolz auf das Erreichte, und, wie sie sagen, ein bisschen überrascht, „dass das, was wir machen, nach mehr als 20 Jahren immer noch funktioniert“. Im Publikum sitzen mittlerweile Fans der ersten Generation mit ihrem Nachwuchs — der die klassischen Drei Fragezeichen-Hörspielkassetten gar nicht mehr kennt.

Die Fans werden auch zur 21. Tour strömen, da darf das VPT ziemlich sicher sein. Und wenn die Premiere in Wuppertal dann wieder innerhalb kürzester Zeit ausverkauft ist, „dann fühlen wir uns auch ein bisschen wie Rockstars“, sagt Becher und lacht.

So „Anfang 40“ sei man jetzt, und im Tourbus, sagt Dokter Thomas grinsend, werde schon viel von früher erzählt. Ein bisschen Ausblick darf es aber auch noch sein. „Zur 25. Tour könnte man uns doch mal eine Halle bauen“, scherzt Becher. Denn auf ihrer Reise durch Deutschland blickt das VPT schon leicht neidisch auf viele andere Städte und deren Veranstaltungshallen — in Wuppertal eher Fehlanzeige. „Wir vermissen da schon das alte Rex.“ Stammplatz seit einigen Jahren ist die Aula der Rudolf-Steiner-Schule am Kothen. 2017 wich man aber aufgrund von Terminschwierigkeiten in die Riedel-Hallen am Uellendahl aus. Schön war’s, aber auch aufwendig. „Wir mussten ja praktisch die Bühne und alles selbst bauen. Dabei haben wir eigentlich genug zu tun“, erklärt Lemon.

Anfang 2019 geht es also weiter. „Die Tour ist wie eine Arbeitswoche — und die Pause das lange Wochenende“, sagt Christoph. Geistig sei man in der Vorbereitung auf das neue Programm. Verraten wird natürlich nichts, da ist man beim VPT konsequent. Wer weiß, vielleicht wird das Stück dann „Die drei Fragezeichen und der Pannenfächer“ heißen.