Wir retten die Welt – mit der Plakette

Wir retten die Welt – mit der Plakette

Es hat uns bewegt, das Jahr 2009. Vieles hätte schlimmer kommen können, einiges war unerfreulich genug. Als elegant gekleidete Besucher im Januar die glanzvolle Wiedereröffnung des Opernhauses mit diversen Piccolöchen begossen, wähnte niemand, dass im Herbst die Schließung des Schauspielhauses beschlossen werden würde.

Noch im Frühjahr 2009 befürwortete doch der Oberbürgermeister euphorisch die Benennung des Platzes vor dem Schauspielhaus in "Horst Tappert Platz".

Da konnte keiner ahnen, dass der Vorplatz ebenso zum Friedhof wird, wie die Immobilie. Fest steht: Mit Pina wäre das ein heißer Tanz geworden und ganz sicher nicht passiert.

Während die Abwrackprämie dafür sorgte, dass sich viele Haushalte preiswert mit einem neuen Drittwagen eindeckten, änderte sich der Zustand der Wuppertaler Straßen im Laufe des Jahres nur unwesentlich. Nach wie vor scheuen sie keinen Vergleich mit einem gemeinen Feldweg in Schwalmtal-Nettetal.

Dafür wurden im Frühjahr endlich die Umweltzonen eingerichtet. Sieht man einmal davon ab, dass die mitten durch Wuppertal führende A46 bei den täglichen Staus mehr Emissionen produziert als der New Yorker Broadway, retten wir womöglich mit der innerstädtisch geltenden Feinstaubplakette die Welt vor dem Untergang. Aber wohl kaum Wuppertal. Hier bleibt es bei dem Motto: "ohne Moos nix los".

Immerhin hatten die WSW großes Verständnis für die Geldnöte ihrer Kunden. Sie senkten direkt nach der Heizperiode vorläufig die Gaspreise, die jedoch die Defizite im öffentlichen Nahverkehr subventionieren müssen. Da beißt sich die Katze kräftig in den buschigen Schwanz.

Aber es gab auch lobenswertes Engagement im Tal. Die rührende WSV-Fan-Initiative "ein Dach für Nord" sammelte zum Beispiel überschüssiges Taschengeld für das Tribünendach der Nordkurve im Zoostadion. Damit die durchschnittlich etwa 250 WSV-Fans in der kommenden 5.-Liga-Saison wenigstens am Samstagnachmittag ein Dach über dem Kopf haben und sich nicht im bergischen Nieselregen erkälten. Zumindest die, die nicht schon der extrem gefährlichen Schweinegrippe zum Opfer gefallen sind. Damit die Zuschauerzahlen stabil bleiben, untersagte der Leiter des Gesundheitsamtes prophylaktisch Händeschütteln und den obligatorischen Trikottausch. Dieses Verbot und dessen Folgen spiegeln sich in der Tabelle wider, wo der WSV den Platz einnimmt, den Wuppertal schon seit Jahren inne hat.

Und als wäre das noch nicht genug, ging auch noch zehn Tage vor Weihnachten die Schwebebahn über die Wupper. Deren Gerüst war ebenso marode wie die Finanzen des Spaßbades "Bergische Sonne", das soeben abgesoffen ist. 2009, das war mehr Schatten als Licht im Tal. Aber was wären wir ohne die Hoffnung, dass sich im nächsten Jahr vieles ändert? Glaube jedoch reicht nicht, man muss sich auch bewegen, Ehrenwort.

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