Wuppertaler Familie: „Wir konnten nur ein paar Sachen holen und standen auf der Straße“

Wuppertaler Familie : „Wir konnten nur ein paar Sachen holen und standen auf der Straße“

Eine Familie aus Wuppertal musste ihre Wohnung aus Brandschutzgründen verlassen. Die Stadt hat sie in einer Ferienwohnung untergebracht – aber die Elberfelder suchen dringend ein neues Heim.

Die Schulhefte liegen auf dem Esstisch, direkt daneben steht das Bett. Eng ist die Ferienwohnung und trotzdem ist Anika Wölfer froh, dass sie mit ihrer fünfköpfigen Familie so schnell untergekommen ist: „Die Vermieter hier sind sehr fürsorglich.“ Ganz im Gegensatz zu ihren früheren Vermietern: Dort stand Donnerstag vor einer Woche plötzlich das Ordnungsamt vor der Tür und verwies die Familie mit sofortiger Wirkung wegen Brandschutzmängeln aus der Wohnung.

„Wir konnten nur eine Tasche mit Papieren und ein paar Klamotten holen und standen auf der Straße“, ärgert sich der Vater Martin Bahls. Glücklicherweise half das Wohnungsnotamt mit der Ferienwohnung, schnell eine Bleibe zu finden.

Das Problem der vorherigen Wohnung an der Simonsstraße: Das ausgebaute Dachgeschoss war nicht als Wohnraum zugelassen. Da die Fenster alle entweder sehr klein waren oder zur Rückseite zeigten, gab es keinen zweiten Rettungsweg.

Besonders ärgerlich: Vor zwei Jahren holte das Ordnungsamt schon einmal Mieter aus dieser Wohnung. Dreist boten die Vermieter ihre Räume jedoch wieder auf dem Wohnungsmarkt an. „Und es gibt kein Zentralregister für solche Fälle. Seit April 2018 weiß das Jobcenter, dass wir dort einziehen – aber niemandem fiel etwas auf“, bedauert Anika Wölfer.

Viel Arbeit hat das Paar außerdem in die nun unbewohnbare Wohnung gesteckt. „Sie war in einem schrecklichen Zustand, mit großen Löchern in den Wänden und einer kaputten Tür“, sagt Martin Bahls. Vier Wochen lang renovierte er von morgens bis abends, unterstützt von Freunden und Verwandten. Dann konnte die Familie gerade einmal elf Monate ihre schön gestalteten Räume nutzen.

Der Alltag in der Ferienwohnung in Katernberg ist nicht nur wegen der Enge schwierig: Der neunjährige Sohn muss jeden Tag zur Grundschule auf der Königshöhe, die Tochter zur weiterführenden Schule auf dem Dönberg. Martin Bahls trägt frühmorgens die Westdeutsche Zeitung aus – natürlich an seinem früheren Wohnort.

Deshalb sucht die Familie dringend eine neue Wohnung. Die sollte am liebsten in Elberfeld oder Hatzfeld sein und mindestens mit vier Zimmer haben. Doch inzwischen zieht das Paar Wohnungen in ganz Wuppertal in Betracht. „Wir haben schon mit so vielen Leuten und Ämtern gesprochen“, seufzt Anika Wölfer.

Dass zu ihrer Familie auch ein kleiner, netter Hund und eine Katze gehören, macht die Suche zusätzlich kompliziert. Die Tiere sind derzeit bei Freunden untergebracht. Nur die kleine Mia (sieben Monate) strahlt jeden Besucher fröhlich an; sie bekommt im Gegensatz zu ihren Geschwistern von dem Wohnungsdrama noch wenig mit.

Mehr von Westdeutsche Zeitung