„Wir brauchen eine Charmeoffensive“

„Wir brauchen eine Charmeoffensive“

Peter Vaupel ist neuer Vorsitzender des Stadtverbands der Bürger- und Bezirksvereine.

Nachwuchs für die Bürgervereine, bessere Vernetzung und mehr Beteiligung der Bürger: Darum geht es Peter Vaupel, dem neuen Vorsitzenden des Stadtverbands der Bürger- und Bezirksvereine. Ihm sind zurzeit 27 Vereine mit insgesamt rund 8000 Wuppertalern angeschlossen.

Herr Vaupel, manch einer fragt sich, was der Stadtverband der Bürger- und Bezirksvereine eigentlich macht. Worin bestehen für Sie die wichtigsten Aufgaben?

Peter Vaupel: Der Stadtverband sieht sich als gesamtstädtisches Sprachrohr der Bürgervereine und unterstützt sie als Dachorganisation. Er sollte seinen Mitgliedern idealerweise einen Mehrwert bieten.

Worin könnte der bestehen?

Vaupel: Darin, beispielsweise Hilfestellung zu geben in Satzungs- und Steuerfragen, zu Versicherungen oder beim Thema Haftung. Insbesondere für die ehrenamtlichen Organisatoren von Veranstaltungen wie Bleicherfest oder Liefersack spielt die persönliche Haftung ja eine wichtige Rolle. Stichwort Haftung: Was sollte verbessert werden?

Vaupel: Bisher ist es so, dass sich jeder Veranstalter in Eigenregie mit Behörden wie Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr abstimmt - was da an Arbeit für die Ehrenamtler anfällt, ist enorm. Ein grundsätzliches Konzept müsste erstellt werden, eine „Gebrauchsanweisung“ für ehrenamtliche Festveranstalter: ähnlich einer Checkliste, die Organisatoren im Internet anklicken und dann über das Notwendige informiert sind. Dazu werde ich den Oberbürgermeister bitten, mir Ansprechpartner aus der Verwaltung zur vermitteln, mit denen wir uns zusammensetzen. Wir wollen ja, dass sich weiterhin Menschen für solche Feste engagieren Die Haftung bleibt dann aber doch beim Veranstalter.

Vaupel: Das wird sich auch nicht ändern. Aber es gibt Möglichkeiten, das Risiko abzumildern. Beispielsweise durch eine Zusatz-Haftpflichtversicherung. Die habe ich für meine Ehrenämter seit längerem.

Was haben Sie noch vor?

Vaupel: Wir wollen auf die Bürgervereine zugehen, für Transparenz sorgen und im Stadtverband Strukturen schaffen. Es wird eine Satzung geben, einen Eintrag ins Vereinsregister. Die Ziele, Aufgaben und die Organisation sollen für jeden klar ersichtlich sein und Orientierung geben. Die meisten Bürgervereine blicken auf eine lange Tradition, ihre Mitglieder sind vielfach nicht mehr die Jüngsten…

Vaupel: …und genau dieses Nachwuchsproblem müssen wir angehen. Eine Idee dazu kam von einem 30-Jährigen, der in einen Bürgerverein eingetreten ist und feststellte, dass dort überwiegend Ältere engagiert sind. Er hatte die Idee einer Kampagne, um mehr junge Leute für die Gemeinschaft zu gewinnen. Wie kann das gelingen?

Vaupel: Wir brauchen eine Charmeoffensive. Ideal wäre es, jüngere Leute aus verschiedenen Bürgervereinen zusammenzubringen, die Ideen entwickeln. Das könnte beispielsweise eine Plakataktion sein, Kennenlern-Treffen oder die Ansprache von Nachbarn und Freunden. Sinn für gute Nachbarschaft ist ja gerade wieder im Kommen.

Vaupel:Ja, wie man in Quartieren wie dem Arrenberg sieht. Die Leute suchen Nähe im Umfeld. Das sollten wir nutzen und Vernetzung schaffen — und zwar durch persönlichen Kontakt, durch Begegnung und Miteinander. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist der Austausch von Mensch zu Mensch bereichernd. Eine Gemeinschaft wie der Bürgerverein bietet dafür ein ideales Forum.

Viele Jüngere scheuen aber ja die langfristige Bindung an einen Verein, engagieren sich lieber projektbezogen.

Vaupel: Was heißt denn langfristige Bindung? Einem Bürgerverein beizutreten, ist weder teuer noch „vereinnahmend“. Es geht um Gemeinschaft — und die kommt allen zugute. Man stelle sich Wuppertal ohne Stadtteilfeste, ohne Flohmärkte oder Aktionen wie jüngst das Musikfestival im Nordpark vor: wie arm wäre unsere Stadt! Außerdem macht es Spaß, gemeinsam etwas zu bewegen. Wie können Bürgervereine unterstützt werden?

Vaupel: Durch Wertschätzung. Sie sollten mehr Kompetenzen erhalten, nicht nur als Anerkennung für ihre Arbeit, sondern, weil ihre Expertise wertvoll ist. Zu oft wird bürgerschaftliches Engagement mit Verweis auf fehlende politische Legitimation ausgebremst. Das dient nicht gerade der Motivation. Mehr rechtzeitige Einbindung der Bürger und ein offenes, vertrauensvolles Miteinander wären wünschenswert. Bürgerbeteiligung sollte nicht nur zugelassen werden, wenn es um die Kompensation knapper öffentlicher Kassen geht.

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