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Wildschweine in Langerfeld: Neue Reviere in der Stadt

Wildschweine in Langerfeld: Neue Reviere in der Stadt

Städte locken immer mehr wilde Tiere an. Auch WZ-Leser haben schon diverse Wildwechsel beobachtet.

Wuppertal. In Büschen auf dem Uni-Gelände hausen Füchse. In Langerfeld passieren Wildschweine am hellichten Tag öffentliche Wiesen. Uhus nisten in den Steinbrüchen des Kalkwerks Oetelshofen. Kormorane krallen sich nahe des Wupper-Ufers ans Geländer der Schwebebahn, auf der Lauer nach Beute. Und Rehe verirren sich in Burgholz auf Verkehrsinseln.

Szenen, die überraschend klingen - aber der Realität entsprechen. Wildtiere vom Land erobern das Wuppertaler Stadtgebiet. Beobachtet haben das nicht nur Experten wie Stadtförster Christian Buschmann. Auch Wuppertaler Bürger staunen immer mal wieder über den Anblick von Tieren, die man in einer dicht besiedelten Großstadt nicht erwarten würde.

Die Eindringlinge zeigen sich auf Straßen, hinter Mauern, zwischen Kanalröhren, auf Grünflächen. Zwar ist die Stadt noch davon entfernt, zum offenen Wildgehege zu werden. Aber Stadtförster Buschmann sagt: "Das Phänomen wird immer deutlicher." Für die Tiere sei die Stadt zu einem interessanten Lebensraum geworden. "Unsere Fastfood-Gesellschaft lässt überall verwertbare Reste liegen. Das haben inzwischen viele Tiere kapiert und siedeln jetzt in die Städte über."

Füchse, Marder oder Wildschweine nehmen die Fährte besonders gerne auf - sie freuen sich über liegen gelassene Speisereste in Mülltonnen, an Straßenrändern und in Parks. Das dürfte jeden Öko-Idealisten glücklich machen: Die Tiere eignen sich so still und leise einen Recycling-Gedanken an, den einige Menschen anscheinend noch nicht verinnerlicht haben.

Andere tierische Zuwanderer verhalten sich in ihrer neuen Heimat allerdings aggressiver. Fischreiher zum Beispiel stürzen sich gerne schon mal auf Goldfische in Gartenteichen. Noch hält sich die Invasion auf Privatgrundstücke jedoch in Grenzen. Joachim Studberg, Baumbeauftragter der Bergischen Universität und ausgebildeter Forstwirt, sagt: "Von weinenden Hausbesitzern habe ich noch nicht gehört."

Anders als etwa in Berlin - dort gehen Hausbewohner schon so weit, dass sie ihre Gärten von elektrischen Zäunen umgeben, damit ihre Beete nicht von Wildschweinen zerpflügt werden. Das Beispiel zeigt, dass das Treiben im Tal kein Einzelfall ist, vielmehr Symptom einer grenzüberschreitenden Entwicklung.

"Eine regelrechte Landflucht" sieht Magnus Herrmann, Biologe bei der Naturschutzorganisation Nabu, auf die Städte zukommen. Er sagt: "Städte sind zu Inseln der Artenvielfalt geworden."

Neben der Aussicht auf leicht zugängliches Futter gibt es noch andere Gründe für den Exodus. Buschmann berichtet: "Bei Füchsen und Wildschweinen beispielsweise herrscht auf dem Land derzeit eine hohe Population - dadurch gibt es mancherorts auf engem Raum zu viele ihrer Art. Die Folge ist, dass einige fliehen."

Hintergrund der starken Population: Füchse siechen immer seltener wegen der früher weit verbreiteten Tollwut dahin. Und die Wildschweine profitieren vom milden Winter: Der sorgt dafür, dass sie immer seltener erfrieren.

Haben es sich die Tiere einmal in der menschlichen Umgebung bequem gemacht, verlieren sie auch einen Teil ihrer natürlichen Scheu. "Tiere sind anpassungsfähig und gewöhnen sich schnell an den Menschen", sagt Buschmann.

Was allerdings nicht heißt, dass man mit ihnen auf Schmusekurs gehen sollte. Ein Beispiel: "Kommt man in Körperkontakt mit einem Fuchs, kann man sich schnell einen Fuchsbandwurm einhandeln, und der ist ähnlich gefährlich wie Leberkrebs", sagt Studberg. Doch keine Angst: Wenn man Wildtiere auch wirklich Wildtiere sein lässt, bleibt der Mensch in der Regel unbehelligt.