1. NRW
  2. Wuppertal

Wie Wuppertals Müll mobil macht

Alternative Energien : Wie Wuppertals Müll mobil macht

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann hat das Müllheizkraftwerk besucht. Die WZ begleitete die Reise mit dem wasserstoffbetriebenen Bus.

In Wuppertal wird der öffentliche Personennahverkehr seit rund einem Jahr mit Wasserstoffmobilität neu definiert. Dahinter steckt eine besondere Verbindung zwischen AWG, WSW und EKO City: das Wuppertaler Modell. Nicht nur der ÖPNV wird konzernübergreifend mit Wasserstoff betrieben, der Treibstoff wird auch gleich im Müllheizkraftwerk Wuppertal selbst produziert. Wie das alles funktioniert und wo der Treibstoff produziert wird, war bei einer Führung durch die Anlage in Wuppertal zu erfahren.

Während seiner diesjährigen Sommertour besuchte Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), am Montagfrüh das Müllheizkraftwerk Wuppertal. Gemeinsam mit Beschäftigten, Betriebsräten, Arbeitgebervertretern und Medienvertretern informierten die AWG und WSW bei einer Besichtigung des Müllheizkraftwerkes (MHKW) über die aktuellen Entwicklungen und Arbeitsbedingungen. Schwerpunkt war dabei das gemeinsame Projekt der AWG und WSW „H2W - Wasserstoff für Wuppertal“.

Begleitet wurde der DGB-Vorsitzende am Montag unter anderem von der Bezirksvorsitzenden des DGB NRW, Anja Weber, sowie der DGB-Regionsvorsitzenden Sigrid Wolf.

Seit dem 20. Juni 2020 gehören die nahezu emissionsfreien und leise fahrenden, wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Linienbusse der WSW zum Stadtbild Wuppertals. Martin Bickenbach, Geschäftsführer der AWG, sagte in seinem Willkommenswort, dass die nachhaltige Sektorenkopplung, wie sie im Wuppertaler Modell gestartet wurde, nur möglich gewesen sei, weil es schon zuvor eine gute Verbindung zwischen WSW und AWG gegeben habe. Im kommunalen EKO-City-Verband stellt das Müllheizkraftwerk (MHKW) Wuppertal die Restmüllentsorgung für knapp anderthalb Millionen Bürger sicher. „Es gibt Zweckverbände“, so AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach, „aber nicht in dieser Größe.“ Jährlich werden hier 450 000 Tonnen Müll verbrannt. Dabei entsteht „grüne Energie“. Mit der Fernwärme könnten mehr als 39 000 Einfamilienhäuser und mit der elektrischen Energie rund 20 000 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden. Deshalb sagt Martin Bickenbach auch: „Wir halten Wuppertal warm.“

Aufbereitung bringt rund
sechs Millionen Euro Erlös

Auf die Einleitung folgen zwei kurze Videos, die erklären, wie Wasserstoff aus Müll gewonnen wird und wie die Schlackeaufbereitung in diesem Jahr sechs Million Euro Erlös bringt. Insgesamt hat die AWG im vergangenen Jahr 11 785 Tonnen recyceltes Metall aus der Schlacke zurückgewonnen - darunter 900 Tonnen Eisen, drei Tonnen Kupfer und Aluminium, 1000 Kilogramm Silber und 50 Kilogramm Gold.

Andreas Meyer, Leiter der Bustechnik der WSW mobil, erläutert, wie der Müll mobil macht, wie die AWG aus Abfall Wasserstoff herstellt. Um sich das Ganze besser vorstellen zu können, werden die Gäste mit einem Wasserstoff-Bus über das Gelände gefahren. Leise und doch mit Schwung geht es an den verschiedenen Hallen und Gerätschaften, an Bergen von Altmetallen und übriggebliebenem Sperrmüll des Hochwassers vorbei. Die für Wuppertal typischen Hügel und Berge schafft der fast vollbesetzte Bus mit 285 PS Leistung im Nu. Nächster Halt: die Wasserstoff-Tankstelle auf dem Gelände der AWG. Andreas Meyer (WSW) erklärt, dass ein Teil des Stroms, der bei der Verbrennung entsteht, zur Herstellung, Lagerung und Betankung von grünem Wasserstoff genutzt wird. Wichtig sei, dass es sich bei dem Treibstoff, der hier hergestellt wird, um „grünen“ Wasserstoff handele. Denn nur wenn Wasserstoff auch mit grünem Strom hergestellt wird, hat er einen positiven Umwelteffekt. Jährlich könnten pro Fahrzeug im ÖPNV so 60 000 Kilogramm CO2 eingespart werden. Dass die Betankung der Linienbusse schnell und einfach ist, demonstriert DGB-Vorstand Reiner Hoffmann, der sich an der Tanksäule ausprobiert und Begeisterung zeigt. Nutzfahrzeuge wie die WSW Linienbusse und perspektivisch Abfallsammelfahrzeuge können per Brennstoffzelle emissionsfrei fahren. An weiteren Haltestellen auf der Bustour durch das Müllheizkraftwerk Wuppertal sehen die Gäste solche Brennstoffzellen im Auto und im Bus. Außerdem sind die Kosten im ganzen Betrieb derzeit nicht teurer als beim Kraftstoff Diesel. Grund dafür ist allerdings vor allem auch die staatliche Förderung. Sollte die Förderungskulisse mal anders aussehen, könne man die Wasserstoffmobilität wirtschaftlich nicht tragen, meint Andreas Meyer (WSW). Später lernen die Gäste, wo das Kernstück, die Elektrolyse auf dem Gelände stattfindet, und wie der Treibstoff durch Kompressoranlagen geht. Gegen Ende geht es gemeinsam auf das Dach des MHKW. Danach besprechen sich die Besucher des DGB mit dem Betriebsrat in den Büroräumen.