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Wie Wuppertaler Physiotherapeuten mit Corona-Maßnahmen zu kämpfen haben

Pandemie in Wuppertal : Wie Physiotherapeuten mit den Corona-Maßnahmen zu kämpfen haben

Den Physiotherapeuten in Wuppertal setzt die Pandemie zu, doch es gibt auch positive Erfahrungen.

Abstand halten ist inmitten der dritten Welle nach wie vor eines der wichtigsten Gebote der Stunde. Nur ist das nicht in allen Berufen möglich: Die Physiotherapie ist ein Beispiel.

Physiotherapeuten bestreiten ihren Lebensunterhalt damit, an andere Menschen Hand anzulegen. Der Körperkontakt ist meist eng, die wirtschaftliche Herausforderung hoch.

Das weiß auch Luc Sannen aus seiner Elberfelder Praxis zu berichten. Auch heute noch bekommt er kurzfristige Terminabsagen, was die Planung zur Herausforderung mache. An manchen Tagen beträgt der Ausfall 20 Prozent, die Kosten stemmt die Praxis derzeit selbst. Am Anfang des Lockdowns war es noch schlimmer, erzählt Sannen. Damals haben rund 80 Prozent der Patienten ihre Termine abgesagt. Ab Mitte April 2020 seien dann aber mehr neue Patienten in die Praxis gekommen. Für die Monate März bis Juni 2020 habe in der Praxis für sein Team Kurzarbeit beantragt werden müssen.

Schutz für Patienten und Mitarbeiter

Ein weiterer Punkt sind die Kosten für Hygieneartikel. Simon Lindemeier, der neben dem Therapieraum Wuppertal eine weitere Praxis in Essen betreibt, spricht davon, dass sich der Bedarf an Desinfektionsmitteln, Seife und Papierhandtüchern beinahe verdreifacht habe. Zudem entstünden in Zusammenhang mit dem wichtigen Schutz der Mitarbeiter Kosten für FFP2-Masken und Schnelltests.

Diese Belastungen kennt auch Frank Bakker, dessen Praxis in Vohwinkel von vielen Dauerpatienten mit Nebenerkrankungen besucht wird. Dennoch sagt er: „Wir Physiotherapeuten können froh sein, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können.“ Mit Unterstützung der Berufsgenossenschaft entwickelte er daher ein Hygienekonzept für seine Praxis, Schnelltests für Mitarbeiter und mobile Raumluftfilter kommen zum Einsatz. Zu Beginn der Pandemie sei es sehr chaotisch gewesen, aber nun hätten sich Mitarbeiter und Patienten eingespielt. „Man merkt das Miteinander.“

Auch Britta Bigge hat trotz aller Belastungen für ihre Vohwinkeler Praxis etwas Positives zu berichten: „Wir haben im letzten Jahr noch mal mehr gemerkt, wie wichtig wir für unsere Patienten sind, sowohl gesundheitlich als auch sozial.“ Aus ihrer Sicht liegt die größte Herausforderung darin, sehr kurzfristig auf neue Verordnungen reagieren zu müssen.

Mit ihren Sorgen und Nöten wenden sich die Physiotherapeuten auch an den Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK). Im Frühjahr 2020 waren es vordergründig wirtschaftliche und organisatorische Anliegen gewesen, informiert Jürgen Querbach, Geschäftsführer vom Landesverband NRW. Der Rettungsschirm für die Praxen habe dazu beigetragen, die Verluste aus dem ersten Halbjahr 2020 „einigermaßen aufzufangen“. Ob dies in allen Fällen ausgereicht habe, lasse sich nicht sagen. Der Geschäftsführer des Landesverbandes NRW erklärt jedoch, dass die Höhe der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen für den zusätzlichen enormen Hygieneaufwand in den Praxen „völlig unzureichend“ sei: Dieser betrage 1,50 Euro je Verordnungsblatt, bei sechs Behandlungen sind dies 25 Cent je Behandlung, bei zehn Behandlungen nur noch 15 Cent. „Eine zumindest kostendeckende Hygienepauschale oder Bereitstellung von Hygiene- und Testmaterial ist unabdingbar“, betont Querbach.

Aktuell erreichen den Landesverband vor allem Anfragen, die das Impfen und Testen betreffen. Querbach kritisiert, dass Physiotherapeuten zu spät in die entsprechenden Priorisierungen aufgenommen wurden. „Die Umsetzung erfolgte und erfolgt auch heute noch in einigen Fällen viel zu langsam“, beklagt er.