Wie Tierpfleger Chris Brack der Affenpapa von Azusa wurde

Wie Tierpfleger Chris Brack der Affenpapa von Azusa wurde

Das Klammeräffchen wurde von Pfleger Chris Brack mit der Hand aufgezogen. Bald darf sie zurück zu ihren Artgenossen.

Wuppertal. Wenn Affenbaby Azusa mit ihren großen Augen in die Runde schaut, erntet sie fast immer entzückte Blicke. Fast - denn von ihren Artgenossen wurde Azusa nicht so nett aufgenommen. Das Affenbaby wurde nach seiner Geburt im Oktober 2009 von seiner Gruppe verstoßen und musste daher von Hand aufgezogen werden. Sonst hätte sie vermutlich nicht überlebt.

"Am Morgen nach ihrer Geburt fanden wir die Kleine und entschieden, sie mit der Flasche aufzuziehen, da schwarze Klammeraffen eine hoch bedrohte Art sind", sagt André Stadler, Kurator des Wuppertaler Zoos. Warum die anderen Affen Azusa verstoßen haben, darüber kann er nur spekulieren: "Ein möglicher Grund ist Eifersucht. Vielleicht bemerkte ihre Mutter auch ihren kränklichen Zustand."

Das Affenmädchen musste in den ersten Wochen ihres Lebens hart ums Überleben kämpfen. Tierpfleger Chris Brack kümmerte sich zusammen mit seiner Frau Tag und Nacht um Azusa - fast wie um ein eigenes Kind. "Die Zuwendung, die sie braucht, ist die gleiche: die Windeln, die Babynahrung - alles wie bei menschlichen Kindern", erzählt Chris Brack.

Azusa verbrachte die ersten Monate fast ausschließlich in Bracks Wohnzimmer, wo sie in einem Katzenkörbchen schlief. Mit den Hauskatzen hatte sie kaum Probleme. Eine größere Gefahr stellten alltägliche Dinge wie Steckdosen dar. Doch Brack kennt sich aus: Azusa ist sein drittes von Hand aufgezogenes Affenkind.

Insgesamt wurden im Wuppertaler Zoo schon sechs Affen von Hand aufgezogen. Azusas Vorgängerin Julia tollt inzwischen munter zwischen ihren Artgenossen im Gehege herum. "Wir sind zwar zuversichtlich, dass die Integration auch bei Azusa klappen wird, aber eine Garantie geben können wir nicht", sagt Stadler.

Bis die ersten Versuche der Annäherung an ihre Gruppe unternommen werden, hat das Affenmädchen aber noch einige Wochen Zeit. Ersatzvater Chris Brack blickt der Trennung mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es sind viele Stunden meiner Freizeit, die ich investieren muss, aber die Kleine gibt einem auch viel zurück."

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