Wie man bei Schmuddelwetter die Stimmung aufhellen kann

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Wie man bei Schmuddelwetter die Stimmung aufhellen kann

Uwe Becker hat so seine Ideen – auch für nachhaltige Geschenke.

Am 22. Dezember ist Wintersonnenwende. Es wird dann jeden Tag um die Länge eines Hahnenschreis heller – so sagen es die Alten. Als ich vergangenen Montag aus dem Fenster geschaut habe, da hatte ich das Gefühl, der Tag möchte am liebsten direkt wieder ins Bett, bevor es richtig Abend wird, so schummrig, fast düster war der Himmel, den wir, wenn er schön blau ist, herzlich schätzen und lieben.

Bei so einem Wetter allerdings hinkt die Stimmung und man läuft mit einem Gefühl herum, als ob jeden Moment ein Besuch beim Zahnarzt anstünde oder ein zwingend notwendiges Beratungsgespräch mit einem Bestattungsunternehmer.

An diesen grauen Tagen muss man sich selbst stützen, schützen und sorgsam pflegen, sich etwas Gutes gönnen: einen Cappuccino in einem netten Café trinken oder zum Frisör gehen und sich die Haare grün färben lassen. Man könnte es sich auch mit dem oder der Liebsten auf einem weichen, kuscheligen Lammfell vor dem romantisch knisternden Kamin gemütlich machen, um gemeinsam in das lodernde Feuer zu blicken, in dem das teure Buchen- oder Eichenholz gerade verbrennt. Wenn man denn einen Kamin hat – hat man keinen, ist man jetzt hier traurig. Vergessen Sie also bitte dieses Szenario, welches ich gerade beschrieben habe, denn mit ein wenig Phantasie kann man es sich auch vor einem Rippenheizkörper nett machen. Oder man hört schlicht und einfach eine CD mit der Klaviersonate Nr. 4 in Es-Dur KV 282 von Wolfgang Amadeus Mozart und trinkt dazu den in Wuppertal produzierten Malzbrand „Bergischer Löwe“.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie man sich bei so einem nasskalten Sauwetter eine Freude bereiten kann. Schokoladenpudding mit Sahne, Berliner, Rosinenschnecken oder ein leckeres Puddingteilchen wären bei mir früher zur Steigerung des Wohlbefindens und der allgemeinen Stimmung eine vortreffliche Alternative gewesen, leider ist das aber heute nicht mehr so, da ich nun schlank wie eine Tanne, wendig wie ein Eichhörnchen und gesund wie Dr. Eckhard von Hirschhausen bleiben möchte, schließlich würde ich gerne so alt werden, wie Keith Richards jetzt schon aussieht.

Ganz famos wäre es übrigens, wenn ich den Rockgitarristen, der am 18. Dezember 1943 in Dartford (Grafschaft Kent) geboren wurde, überleben würde, was ich allerdings nicht ernsthaft glauben kann. Wenn ich an Keith Richards denke, fällt mir immer meine 2012 verstorbene Freundin, die Bildhauerin Ulle Hees ein, die in den 1960er Jahren in München studierte. In der dortigen Wohngemeinschaft lebte auch die damals noch unbekannte Anita Pallenberg, mit der Ulle Hees befreundet war. Nach einem Konzert der Rolling Stones im Circus Krone, lernte das junge Model die Musiker hinter der Bühne kennen, reiste ihnen auf der Deutschland-Tournee hinterher, wurde Groupie der Band, begann eine Beziehung mit Brian Jones und später eine mit Keith Richards, aus der drei Kinder hervorgingen.

In Begleitung von Anita Pallenberg traf Ulle Hees auf einer Party einmal die Musiker Richards und Jagger, mit denen sie über Dies und Das plauderte, mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Ist das nicht verrückt? Was meinen Sie, ich könnte doch glatt als Klatschreporter bei den Illustrierten „Bunte“ oder „Frau im Spiegel“ arbeiten, oder? Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Die Frage bleibt, wie können wir uns an solch düsteren, traurigen und regenreichen Tagen ablenken, damit keine depressiven Gedanken aufkommen? Weihnachtsgeschenke kaufen? Stundenlang in überfüllten Einkaufszentren umherirren und dabei merken, wie die wenige Zeit bis zum Weihnachtsfest immer schneller verrinnt? Ob das der Seele gut tut? Ich bin da auch unschlüssig, es sei denn, man weiß schon genau, was man wem schenken möchte und ob es im lokalen Einzelhandel vorrätig ist.

Ich habe mich noch nie von diesem Fest aus der Ruhe bringen lassen, verschenke ich doch grundsätzlich nur Geld. Schon als kleiner Junge drückte ich mit den Worten „Kauft euch bitte selber etwas Schönes!“ meinen Eltern an Heiligabend jeweils 50 Pfennig in die Hand. Unverpackt und nachhaltig.