„Wie ein Paradies“: Wie sich Hans Donner in Rio verliebte

„Wie ein Paradies“: Wie sich Hans Donner in Rio verliebte

Der Wuppertaler lebt seit mehr als 40 Jahren in Brasilien. Dort hat er unter anderem das Logo für einen Fernsehsender entworfen — und eine neue Flagge für das Land.

1958, mit zehn Jahren, hat Hans Donner sich in Brasilien verliebt. Nach jeder Partie der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Schweden, die er live im Fernsehen sah, spielten sein Bruder Harald und er Pelé und Gilmar. Als Pelé an der Brust des Torhüters weinte, nachdem die Seleção die WM gewonnen hatte, identifizierte er sich mit diesem. Er traf Pelé bei einer Ausstellung über seine Arbeit in New York später, sagte: „Ich habe dich weinen sehen, als Du 17 warst.“

Foto: R. Giovanni

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Solche Begegnungen, für ihn Bestimmung, prägen das Leben Donners in Brasilien; haben ihn zu dem gemacht, was er — in Wuppertal in die bekannte Unternehmerfamilie Donner geboren — hier ist: ein Superstar. Hans Donner, 69, hat das „TV Globo“-Logo geschaffen, war jahrzehntelang für das Design des mächtigen Fernsehsenders zuständig.

In den vergangenen Jahren hat er sich mehr und mehr eigenen Projekten gewidmet. Eine neue Zeit, eine neue brasilianische Fahne. 60 Jahre, nachdem er sich in Brasilien verliebt hat. Donner hat die Fahne jüngst sogar auf den berühmten „Cristo Redentor“, die Christusstatue, projiziert. Vorgestellt hatte er sie bei dem „Fórum do Amanhã“, das Unternehmer, Intellektuelle und Kreative in Tiradentes im Bundesstaat Minas Gerais zusammenbringt.

Damit, sagt Hans Donner, könne er etwas zurückgeben: „Ich habe zu viel bekommen.“ Dann kann man auch verstehen, weshalb die stolzen Brasilianer akzeptieren, dass er ihnen einen Vorschlag macht. „Das ist meine Geschichte“, sagt Donner in seinem Büro in Rio de Janeiro. „Die richtigen Leute, im richtigen Augenblick, an der richtigen Stelle.“

Es erklärt wohl auch, wie er darauf kam, sich mit einer anderen Zeitmessung zu beschäftigen: Hans Donner hat eine Uhr entworfen, die die Zeit durch in sich verlaufende Scheiben anzeigt. „Kairos“ nennt er sein Werk. „Kairos ist das Gegenteil von Chronos“, sagt Donner.

Legendär ist, wie Hans Donner mit 25 als Hippie — mit Touristenvisum, ohne Portugiesisch-Kenntnisse — sein Glück in Rio versuchte. Nachdem er 20 Tage lang nur Absagen bekommen hatte, lernte er in einem Aufzug denjenigen kennen, der ihm bei „TV Globo“ die Türen öffnete. Über eine Designzeitschrift war Donner als Student auf Brasilien gekommen. „Spinnst du, was machst du da unten mit deinem Talent“, hatte man ihm gesagt. „Da gibt es nur Affen und Bananen.“ Beides gibt es in Rio de Janeiro, auch frische Kokosnüsse und wilde Krokodile. Den Überfluss, die Vielfalt der Tropen. „Darauf musste ich reagieren“, sagt Hans Donner. „Sonst wäre ich untergegangen.“ Das klare, sachliche, am Bauhaus orientierte Design ist noch deutsch, verbunden hat er es mit den tropischen Formen und Farben.

Hans Donner

Donner zeigt einen Film. Bananen und Affen hat er in einem Clip für die Sendung „Planeta dos Homens“ (Planet der Menschen) eingesetzt. Seit der Episode im Aufzug hat Hans Donner seine spektakulären Vor- und Abspänne, Trailer und Studiodesigns für Telenovelas und andere Sendungen gemacht. Besonders zwei Arbeiten trugen ihm internationale Aufmerksamkeit und viele Preise ein — sie hängen im Büro an der Wand.

1982 baute er in eine 3D-Computergraphik Menschen ein, 1987 kombinierte er, was die Natur an Elementen zu bieten hat, inklusive Wasser in einem Studiobecken. Donner sagt, Räumlichkeit zu schaffen, habe ihn schon im Studium fasziniert. Beim brasilianischen Fernsehen hat sich für ihn „ein Raum aufgemacht, wie ein Paradies“.

Hans Donner ist das Beispiel für den erfüllten Traum von den Tropen. Er hat in Rio seine berufliche Verwirklichung gefunden, verbunden mit familiärem Glück, Reichtum, Prominenz. Heiratete Valéria Valenssa, die lange Zeit die Carnavalsfigur von „TV Globo“ war und als schönste Frau Brasiliens galt, mit der er heute zwei Söhne hat, besitzt ein Haus in den Bergen, eines am Meer.

Im Land, in dem man ihm nur Bananen und Affen vorhergesagt hat, war er „am perfekten Platz, mit Menschen, die mich provoziert haben, viel Geld auszugeben, weil sie das Beste der Welt wollten. Wenn man kreative und finanzielle Freiheit hat, fliegt man“.

Hans Donner

Doch Donner hat bereits mit wenig Geld viel geschaffen. Das „TV Globo“-Logo — ein Kreis mit einem Fernseher, darin wieder ein Kreis — „habe ich auf einer Serviette entworfen, auf dem Rückflug vom ersten Besuch in Rio de Janeiro“. Seine Art zu arbeiten scheint überhaupt spontan und emotional zu sein. Fast alles ist für Hans Donner Inspiration. Die Berge Brasiliens oder ein österreichischer Gletscher, wo er die Idee hatte, sich bei dem Clip zur Fußball-WM in Spanien 1982 in das Stadion hineinzuzoomen.

Hans Donner fotografiert aus dem Auto heraus, was ihm auffällt, und ist auf Zeichen bedacht wie im Prozess, in dem er die neue brasilianische Fahne entwickelt hat. Vor „Ordem e Progresso“ (Ordnung und Fortschritt) hat er „Amor“ (Liebe) ergänzt, wie sie bei den Positivisten Bestandteil war, und er hat den abfallenden Bogen angehoben, wie er das im Studium gelernt hatte. Bei seinen Recherchen stieß Donner darauf, dass die Vereinigten Staaten ihre Flagge 28 Mal geändert haben — das bisher letzte Mal 1958, das Jahr, in dem er sich in Brasilien verliebte.

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