Charisma ist lernbar: Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen

Charisma ist lernbar : Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen

Wetter-Fee Claudia Kleinert sprach bei WZ Wissen über Charisma.

Es ist alles eine Frage der Wirkung. Wie wirkt der Mensch auf andere? Wie spricht er? Wie präsentiert er sich? Und vieles von dem, was Claudia Kleinert am Mittwochabend im Hause der Barmenia Versicherung erzählte, hatten die weit mehr als 300 Zuhörer sehr wahrscheinlich bereits mindestens einmal in ihrem Leben gehört. „Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen“, hieß es schon zu Großmutters Zeiten. Aber über die Jahre treten solch gesicherte Erkenntnisse bisweilen in den Hintergrund. Und dann ist es sehr gut, wenn Menschen wie Claudia Kleinert daran erinnern. Das hat die Moderatorin in ihrem gut 90-minütigen Vortrag in einer Weise getan, dass ihre Zuschauer es sehr wahrscheinlich auf lange Sicht nicht vergessen. Denn auf die Technik kommt es an, auf die Ausstrahlung, auf die Wortwahl, auf Mimik und Gestik, auf Authentizität, darauf also, dass der Mensch zu dem passt, was er gerade sagt oder tut.

Als Wetter-Fee der ARD ist Kleinert ein Millionenpublikum gewöhnt. Dass sie dennoch zuweilen nervös ist, hat sie zu überspielen gelernt. Das gilt auch für den Umstand, dass sie sich vor der Kamera manchmal dabei ertappt, zu schnell zu reden. In solchen Momenten lässt sie sich von Kollegen warnen.

Kleinert ist ein Profi. 500, 600 Veranstaltungen wie der Vortrag bei WZ Wissen bilden einen Erfahrungsschatz, aus dem die studierte Betriebswirtschaftlerin auch im Saal der Barmenia schöpfte. Sie weiß, wann sie das Publikum einbinden muss, und sie weiß, wie sie vermeintlich peinliche Pausen sympathisch überspielt. So war es, als ihr für ein paar Sekunden das neben Erde, Wasser und Feuer vierte Element, nämlich Luft, nicht einfiel. So war es auch, als sie von ihrer Begegnung mit einem überaus aufmerksamen George Clooney erzählte, von dem sie deshalb annahm, er habe sich in sie verliebt. Der Wunsch war Vater des Gedanken. „Clooney steht nicht auf blond“, erklärte die Moderatorin unter dem Gelächter ihres Publikums.

Wirklich neu war kaum etwas von dem, was die Sprecherin ihren Zuhörern zu berichten hatte. Dennoch war ihr Vortrag ein Gewinn für jeden, der ihn hören durfte. Der Clou war, dass Kleinert im Vortragsprozess dessen Inhalt umsetzte. Sie redete mit den Händen, sie sprach mit den Armen, sie lächelte mit den Augen, sie zürnte mit Falten auf der Stirn, sie zeigte, dass alles, was sie ihrem Publikum sagte, in der Realität auch funktioniert. Deshalb ist Claudia Kleinert ihrem Anspruch und dem der Vortragsreihe gerecht geworden. Sie hat neues Wissen geschaffen, in dem sie vorhandenes Wissen aktivierte.

Wenn Lernen doch immer so kurzweilig wäre.

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