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Wie die Stadt Wuppertal ihr Taubenproblem in der City angeht

Wie die Stadt Wuppertal ihr Taubenproblem in der City angeht

Falkner Karsten Schossow lässt seinen Raubvogel regelmäßig kreisen, um den anderen Vögeln den Aufenthalt zu verleiden.

Wuppertal. Um 13.30 Uhr konnte der Taubenschwarm auf dem Nordflügel der ehemaligen Bahndirektion am Döppersberg aufatmen: „Pille“, das stattliche Wüstenbussardweibchen, war auf den mächtigen Lederhandschuh von Falkner Karsten Schossow zurückgekehrt und hatte die Heimreise zur Bergischen Falknerei angetreten. Der prachtvolle Vogel hat nämlich die Aufgabe, die Tauben rund um die Großbaustelle am Döppersberg zu vergrämen, nämlich ihnen ihr Domizil am Döppersberg zu verleiden und sie in andere Wohngebiete zu vertreiben.

„Pille soll die Tauben nicht bejagen, sondern nur verjagen“, erklärt Karsten Schossow. „Bisher hat das auch bei den City-Arkaden und in Wichlinghausen ganz gut geklappt, und wenn ich an die Hunderte von Tauben denke, die vor unserer Maßnahme hier nisteten und herumflogen, hat sich der Taubenbestand auch am Döppersberg schon erheblich dezimiert.“

Der Taubenpopulation war durch die Natursteinmauer mit ihren vielen vorzüglich zum Nestbau geeigneten Nischen unfreiwillig ein Gefallen getan worden. Den Nestbau hat man dann aber doch verhindert, indem sämtliche Nischen mit feinem, kaum sichtbarem Edelstahldraht bestückt worden waren.

Die findigen und bei nahezu jeder Schwierigkeit anpassungsfähigen Stadttauben konnten also noch nicht umziehen, sondern hatten es sich in ihren bisherigen Nestern gemütlich gemacht und in der Fußgängerzone mit den vielen Imbissen auch ausreichend Nahrung gefunden.

Dem soll durch den Einsatz des Wüstenbussards ein Riegel vorgeschoben werden. Deshalb war Pille gestern zum wiederholten Male am Döppersberg auf Streife.

„Kürzlich ist sie über die Morianstraße geflogen und hat eine Taube aufgescheucht, die vor den Bus geflogen ist. Der Busfahrer hatte gerade die Tür aufgemacht, und plötzlich saß Pille neben dem Fahrersitz“, erzählt Karsten Schossow, während Pille von der Mauer aus, den Taubenschwarm auf dem Nordflügel beäugt. Fahrgast Pille wurde von dem Busfahrer wieder nach draußen gebeten und machte sich weiter an die Arbeit, nämlich die Stadttauben aufzuscheuchen.

Gestern allerdings war das Bussardweibchen nicht in Hochform. Nur zu Beginn, als Helfer Ramon den Greifvogel fliegen ließ, wurden die Tauben auf der Baustelle kurz aufgeschreckt und versammelten sich auf dem Nordflügel der Bahndirektion. Von dort schauten sie recht gelassen auf die Gefahrenquelle. „Die wissen, dass Pille von unten aus keinen Steilflug starten kann“, so Schossow und erklärte: „Sie macht das so, wie sie es für richtig hält.“

Diesmal ließ sie sich auch durch die Leckerchen nicht zu mehr Aktivität motivieren. Sie flog ein wenig herum, bot Bahnhofsbesuchern ein reizvolles Fotomotiv und verschwand auch mal kurz im Vorraum des zukünftigen Outlet-Centers am Döppersberg. „Ihr Kropf ist jetzt schon so voll, und dann hat sie keine große Lust mehr, Tauben zu verjagen“, weiß Schossow.

Er merkt an, dass die Vergrämungsmaßnahme mit den Wüstenbussarden nur langfristig etwas bringt, wenn sie immer wieder wiederholt wird. „Acht- bis zehnmal sollte eine Maßnahme dauern, und dann nach einer gewissen Zeit erneut stattfinden“, rät der Falkner. Wenn das Wetter mitspielt, ist er am Donnerstag noch einmal mit Pille am Döppersberg zu Gast.