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Wie die berühmte Familie Stüting Wuppertal bis heute prägt

Historie : Wie die berühmte Familie Stüting Wuppertal bis heute prägt

Der Urenkel Martin Michels sammelt Bilder und Gegenstände des bekannten Hoffotografen.

Der Name Stüting ist in Wuppertal nicht nur geläufig, sondern auch geschichtsträchtig. Über hundert Jahre später ist auch der Ururenkel des Hoffotografen Karl Ludwig (Louis) Stüting ein bekanntes Gesicht an der Nordbahntrasse. Heimatsammler Martin Michels hat so nämlich einiges an historischen Fotos und Gegenständen geerbt – und seine Sammlung darauf aufgebaut.

„Meine Mutter Hildegard und ihre verstorbene Schwester Waltraud, beide geborene Stüting, haben bei Familientreffen oft mit Stolz von ihrem Opa Arthur, dem Gartenarchitekten, und seinem Vater Louis Stüting, dem Hoffotografen erzählt,“ berichtet Michels. Auch in ihm scheint viel Stüting zu stecken: So gärtnert er gerne in seinem Steingarten am Loh und hat eine Leidenschaft zur Fotografie.

„Meinen Garten, den kennt jeder“, sagt Michels. „Dass ich ein Nachkömmling von Stüting, dem Gartenarchitekten bin, wissen die meisten nicht.“ Diese Information sei auch für Landschaftsplanerin Antonia Dinnebier neu gewesen. Bei einem Lüntenbecker Sommerfest vor einigen Jahren sei Martin Michels plötzlich aufgetaucht, habe ein Foto von Arthur Stüting aus der Hosentasche gezogen und gesagt: „Das ist mein Urgroßvater.“ Dinnebier habe bis dahin viele eingescannte Schriften und Fotos der Gartenanlagen von Stüting durchforscht. 

Sowohl Louis als auch Arthur Stüting haben beide immens zum Wuppertaler Stadtbild beigetragen – der eine hielt die Zeit in seinen Fotografien fest, der andere schaffte Gartenanlagen, die man heute noch bewundern kann. Etwa das Fischertal in den Barmer Anlagen oder Hohenstein. Zudem sei er der „Vater der Kleingartenbewegung“ im Ersten Weltkrieg im Bergischen Land gewesen. 1914 etwa habe Arthur Stüting mitgewirkt, Kleingärten zur Ernährung der notleidenden Bevölkerung anzubauen. Sein Vater Louis Stüting dagegen war ein Pionier der Fotografie. „Er ist ein sehr früher Dokumentar des inzwischen stark veränderten Stadtbildes“, so Dinnebier, „Die Fotos sind in guter Qualität, so dass man eine ganze Menge darauf sieht, aber auch den Stand der Fotografie.“

Heute teilt sein Ururenkel Martin Michels die historischen Funde regelmäßig in den Sozialen Medien. Damit die Werke für die Nachwelt erhalten bleiben. So zeigt er etwa ein Foto der Ruhmeshalle in Barmen (heute Haus der Jugend) und schreibt: „Ich meine, dass es das schönste und imposanteste Gebäude Barmens war...und Louis Stüting der beste Fotograf seiner Zeit im Tal!“ Das Gebäude wurde im Oktober 1900 durch Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria eingeweiht. Zu diesem Anlass durften Hoffotograf Stüting und sein Sohn Erwin selbstverständlich nicht fehlen.

Mit seinen Fotografien machte er sich aber nicht nur in Wuppertal einen Namen. Für seine Arbeiten erhielt Stüting zudem mehrere Anerkennungsmedaillen, etwa in Wien 1875. Davon hat Michels auch einige in seinem Besitz. Seine Sammlung ist umfangreich und vielseitig. Ein besonderes Stück ist etwa das Buch „Die Doppelstadt des Wupperthals“ aus dem Jahr 1863. Dazu sagt Michels: „Dieses Buch ist bei Sammlern sehr begehrt. Es beinhaltet womöglich die ältesten Fotos aus dem Wupperthale – eingeklebte Originalabzüge. Und wahrscheinlich von Stüting… das ist aber noch immer eine Vermutung“. Das Buch habe er in den letzten Jahrzehnten dreimal gekauft, weil die Fotos in kleinen Details alle unterschiedlich seien. Das Buch sei auch im Buchhandel erhältlich. Weil es so besonders ist.

Als Fotografie noch ein
ganz neuer Berufszweig war

Zu Michels‘ Stüting-Sammlung gehört außerdem eine mit der Schreibmaschine fein-säuberlich getippte Lebensgeschichte über den Fotografen.  Dass ein Familienmitglied diese aufschrieb, sei für ihn ein Glück: „So kann die ‚Nachwelt‘ sich in etwa vorstellen, wie spannend das Berufsleben eines Fotografen in den frühen Jahren der Fotografie sein konnte. Es war ja ein ganz neuer Berufszweig, der voll in der Entwicklung stand.“ 1857 stand die Fotografie noch in ihren Fußstapfen als Stüting seine Lehre bei Bildhauer, Zeichenlehrer und Fotograf Eduard Liesegang begann. Damals verwendete man noch die Technik der Daguerreotypie. Bei den ersten kommerziellen Fotografien handelte es sich meistens um Porträts, die auf einer Metalloberfläche abgelichtet waren. Später folgte die Nachbildung auf Pappkarten – von diesen sogenannten „Cartes de Visite“ besitzt Michels unzählige.

Die Leidenschaft historische Dokumente aufzufinden und für die Nachwelt zu sichern, beinhalte auch, an ihnen zu forschen. Dabei helfe das Internet enorm. „Es ist spannend zu recherchieren und zu versuchen, dieses frühere Leben zu verstehen.

Wie haben unsere Vorfahren gelebt? Welche Gemeinsamkeiten hat man vielleicht? Es ist ja gerade mal vielleicht 200 Jahre her, als sie in eine Welt geboren wurden, die sich bis heute so sehr verändert hat“, beschreibt der Heimatsammler seine Tätigkeit. Als Nachkömmling der Stütings werde er zusammen mit seiner Tochter Carina den Nachlass hüten und seine Werke weiterhin aufspüren.