Jugend: Wettbewerb: Kinder lesen in ihren Muttersprachen

Jugend : Wettbewerb: Kinder lesen in ihren Muttersprachen

In der Zentralbibliothek zeigten Viertklässler ihr Können.

Am Donnerstag haben sich elf Viertklässler im Vorlesen gemessen - aber nicht auf Deutsch, sondern in ihren jeweiligen Muttersprachen. Beim siebten mehrsprachigen Vorlesewettbewerb in der Zentralbibliothek Elberfeld gab es so zum Beispiel italienische, türkische und arabische Texte zu lesen. Eine siebenköpfige Jury, zum Teil bestehend aus Muttersprachlern, bewertete die Kinder.

„Viele Kinder gehen neben der Schule auch zum herkunftssprachlichen Unterricht“, erklärt Bibliothekarin Silke Schütz. „Das zeigt, wie viel Arbeit sich die Kinder noch zusätzlich machen.“ Wenn ein Kind mehr als eine Sprache lernt, lerne es größere Toleranz gegenüber anderen Gesellschaften und Kulturen.

Marianne Kolb, Lehrerin im Kommunalen Integrationszentrum Wuppertal, koordiniert den herkunftssprachlichen Unterricht mit seinen 13 Sprachen. Dazu gehören unter anderem Persisch, Bosnisch und Griechisch. Jedes Jahr sind andere Sprachen vertreten. Für die Kinder sei es besonders schwierig, Arabisch zu lernen. „Sie müssen erst alphabetisiert werden“, erklärt Kolb. Der herkunftssprachliche Unterricht findet einmal wöchentlich in öffentlichen Schulen statt. Soner Sayin ist Türkischlehrer an der Grundschule Marienstraße. „Schreiben und Sprechen sind im Unterricht das Wichtigste“, sagt er.

Die Jury bewertet unter anderem Sprechtempo, Betonung und die Weitergabe von Atmosphäre und Stimmung.

„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber vorher hatte ich Angst“, sagt Mohamad (11) kurz vor der Siegerehrung. Omar (10) hat den zweiten Platz belegt. Er hat auf Arabisch gelesen. „Ich frage mich, wie die Jury das entscheidet“, überlegt er. Sara (11) hat sich jedenfalls super gefühlt, erzählt sie - sie lernt bereits seit sechs Jahren Arabisch. Giosué (9) hat auf Italienisch gelesen und den dritten Platz belegt. Sieger wurde Emanuel (9) mit seiner italienischen Version von „Till Eulenspiegel“. Die drei Gewinner werden im April beim Bergischen Vorlesewettbewerb gegen die Sieger aus Solingen und Remscheid antreten. Jeder der Teilnehmer bekam eine Urkunde und ein kleines Geschenk.

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