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Wer sich wehrt, muss auch hingehen

Wer sich wehrt, muss auch hingehen

Wie lieb und teuer ist den Wuppertalern ihr Theater? Die angedrohten Kürzungen im Kulturbereich schienen viele aufgerüttelt zu haben. Ende Januar, beim 24-Stunden-Protest, strömten die Menschen mit großer Neugier, Lust und Leidenschaft ins Kleine Schauspielhaus.

Auch am Welttheatertag im März übertraf die Teilnehmerzahl alle Erwartungen.

Dass bei weitem nicht alle, die engagiert protestieren, auch tatsächlich das Angebot der Bühnen nutzen, scheint da nicht ins Bild zu passen. Ist der Protest für viele nur ein Lippenbekenntnis? Die Gretchenfrage ist nicht mit einem klaren "ja" zu beantworten, sondern differenziert zu sehen. Denn nicht nur bei der Figuren-Charakteristik auf der Bühne, auch im wahren Leben spielt die Psyche eine entscheidende Rolle. Dass die Besucherzahlen seit den Protesten nicht gestiegen sind, lässt darauf schließen, dass viele "ihr" Schauspielhaus retten wollen, weil es ganz allgemein als Symbol gilt, das für Tradition, Werte und Bildung steht und als solches nicht aus dem gesellschaftlichen Leben einer Stadt wegzudenken ist, die als kulturelles Zentrum eine reiche Vergangenheit hat.

Und wie im privaten Liebesleben gilt auch im öffentlichen Bereich: Was man nicht mehr hat oder zu verlieren droht, erscheint mitunter in einem frischen Licht und erhält plötzlich eine neue Wertschätzung. Das ist recht und billig. Doch wenn Tausende demonstrieren, den Ort, dessen Zukunft auf dem Spiel steht, aber nicht verstärkt mit dem Kauf von Eintrittskarten unterstützen, wirft das Fragen auf. Beim Welttheatertag war die Solidarität groß - vor allem auswärtige Gäste kamen ins Tal, um ein Zeichen zu setzen. Doch was möchten die Wuppertaler? Sie reden mehr über das Gebäude als über das Programm. Das reicht aber nicht. Die Existenzberechtigung eines Theaters kann man nur unterstreichen, indem man zeigt, dass es unverzichtbar ist. Wer für "sein" Theater kämpft, sollte deshalb auch hingehen.