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Wenn Tiere in Sprockhövel in der Pflege helfen

Tiergestützte Therapie : Wenn Tiere beim Pflegedienst helfen

Sylvia Dittmer und Anna Osten arbeiten mit ihren Patienten auf einem Bauernhof.

Pflegekräfte werden überall gesucht und benötigt. Sylvia Dittmer und ihre Tochter Anna Osten haben aus dieser Not eine Tugend gemacht und einen kleinen Pflegedienst gegründet. Ihre Arbeit in der Pflege verknüpfen die beiden mit der Arbeit auf ihrem privaten Bauernhof in Haßlinghausen. Ein Konzept, das ankommt.

Sylvia Dittmer ist seit etwa 40 Jahren in der Pflege tätig: „Man lebt für diesen Beruf“, betont sie. „Früher als Gemeindeschwester habe ich das oft so gemacht, wie es viele tun. Man geht zum Patienten hin, pflegt ihn und lässt ihn dann wieder alleine.“ Inzwischen sei es ihr aber wichtig, dass ihre Kunden Kontakte knüpfen und diese auch außerhalb der Pflegezeit intensivieren können. Damit dies gelingt, holen die beiden ihre Patienten immer öfter auf den Bauernhof. Dort treffen die Patienten dann auf zahlreiche Tiere, mit denen sie hin und wieder auch arbeiten können.

Günther Hilligweg ist einer dieser Patienten. Er setzt inzwischen seit neun Jahren auf die Hilfe von Dittmer. Eine Zeit, in der die Beziehung zwischen Patient und Pflegerin gewachsen ist. So kam es, dass Hilligweg seinen Geburtstag mit Dittmer und Osten feiern wollte. „Wir haben dann gefragt, was er essen will. Seine Antwort lautete Pfannekuchen. Und weil er im Shantychor gesungen hat, haben wir ihm noch einen Kuchen in Form eines Schiffs gebacken“, erinnert sich Sylvia Dittmer. Und auch Günther Hilligweg denkt gerne zurück: „Ich bin unglaublich stolz auf die beiden. Sie sind immer da. Aus meiner Familie kommt niemand mehr. Aber die beiden kommen immer zu mir.“

Nicht nur Training, sondern
auch eine Menge Spaß

Sylvia Dittmer ist es wichtig, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Sie achte darauf, welcher Patient zu wem passe. Nie würden auf dem Bauernhof Gruppen unterwegs sein, die aus mehr als sechs Personen bestehen. Dabei biete der Bauernhof viele Herausforderungen und Anreize für die Patienten. Die unebenen Wege etwa helfen laut Dittmer dabei, die Gangsicherheit zu trainieren. Das Streicheln der Tiere rege Muskeln in den Händen an, die sonst nicht genutzt würden.

Selbstverständlich steht bei den Besuchern nicht nur Training auf dem Programm. Es werde auch viel gespielt und einiges unternommen. Derzeit arbeite eine Gruppe an Salzteig, der wie Kuchen ausgestochen wird. Und als nächstes sei das Basteln mit Tannenzapfen geplant. „Im Sommer sitzen wir auch gerne draußen und grillen“, erzählt Anna Osten. „Wir sind hier sehr familiär, hier gibt es keine Massenabfertigung.“ Dies bestätigt auch ihre Mutter, die gerne mit anderen zusammenarbeitet. So gebe es eine Kooperation mit einer Mietwagenfirma, wodurch Ausflugsfahrten etwa in den Wuppertaler Zoo oder auf Weihnachtsmärke in der Region möglich sind – auch für Rollstuhlfahrer.

Auch an Feiertagen kommen die Patienten zu ihr und ihrer Tochter nach Hause: „Wir schmücken den Weihnachtsbaum dann immer so, wie unsere Kunden es aus ihrer Kindheit kennen“, erklärt Dittmer. Also mit Strohsternen, Holzspielzeug oder Glaskugeln. Viele Patienten kommen auch einzeln auf den Hof: „Denn manche sind aufgrund von Erkrankungen oder aus anderen Gründen nicht für eine Gruppe geeignet“, so Dittmer.